Norderstedt
Schröters Wochenschau

Mit Fantasie und Klebeband gegen Schadstoffe

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

In der Schule hätte Jan Schröter eine Täuschungssoftware wie von VW gut gebrauchen können. Für den Autobauer hat er noch einen Tipp.

Es geht voran. Auf der Autobahn 7 werden jetzt nicht bloß alte Fahrbahnen geschreddert, sondern endlich neue Spuren gegossen. Auch auf Norderstedts größter Baustelle ist der entscheidende Schritt vollzogen: Auf einem 86.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Niendorfer Straße wurde die neue Firmenzentrale der Weltmarke Tesa fertiggestellt.

Überraschenderweise setzten die Bauherren dabei auf konventionelle Materialien wie Stahl und Beton. Ein paar größere Kartons und ausreichend Klebeband hätten es vielleicht auch getan. Aber möglicherweise mangelte es an Vertrauen zum eigenen Produkt. Diese Besorgnis scheint in deutschen Konzernvorständen zu grassieren. Wie sonst soll man sich die VW-Schummel-Software erklären, die punktgenau wittert, wann der Tester kommt? Solche Instinkte prägen sich bereits frühkindlich aus, wie wir alle wissen.

Ich, zum Beispiel, konnte als Schüler mit der Treffsicherheit eines delphischen Orakels prognostizieren, wann der Mathelehrer meine Hausaufgaben kontrollieren würde. Infolge notorischer Trägheit und mangelnder Sachkenntnis nutzte mir dieser In-stinkt nichts, weil ich die Hausaufgaben trotzdem nicht erledigte. Eine Täuschungs-Software hätte ich jedoch gern besessen und bestimmt auch benutzt, aber natürlich war ich zu blöd, um dergleichen zu entwickeln. VW dagegen konnte das. Also wähnten sie sich sicher und machten ihre Hausaufgaben nicht – nämlich ihre Motoren weniger Dreck schleudern zu lassen. Dabei wäre die Lösung so einfach gewesen. Das Gute liegt so nah, in diesem Fall sogar im eigenen Lande. Liebe DAX-Konzerne, rückt zusammen und bündelt eure Kräfte! Dann wäre sogar die überfällige Entwicklung eines Null-Emissions-Autos keine ferne Utopie.

Die Lösung kommt aus Norderstedt: Ein paar Lagen Tesa übers Auspuffloch, und es kommen keine Schadstoffe mehr heraus. Sollte das dauerhaft nicht funktionieren, dann macht man es eben nur dann, wenn der Tester kommt. Die Burschen sind alle dermaßen auf ihre Software konzentriert, die merken das gar nicht. Außerdem ist Tesa bekanntlich durchsichtig, das tarnt sich selber. So geht Innovation.