Norderstedt
Regionalliga

Eintracht Norderstedt lädt 50 Flüchtlinge ein

Gemeinsame Aktion für Flüchtlinge in Norderstedt: Bis zu 50 Flüchtlinge lädt Eintracht-Vize Thomas Hochmuth kostenlos zum Liga-Spiel gegen Braunschweig am Freitag ein. Susanne Martin (r.) und Elke Wiesenmüller vom Willkommen-Team Norderstedt nahmen die Einladung stellvertretend mit großem Dank an

Gemeinsame Aktion für Flüchtlinge in Norderstedt: Bis zu 50 Flüchtlinge lädt Eintracht-Vize Thomas Hochmuth kostenlos zum Liga-Spiel gegen Braunschweig am Freitag ein. Susanne Martin (r.) und Elke Wiesenmüller vom Willkommen-Team Norderstedt nahmen die Einladung stellvertretend mit großem Dank an

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Willkommenskultur in Norderstedt: Eintracht Norderstedt vergibt Freikarten an Flüchtlinge. 157 neue Helfer im Willkommen-Team.

Norderstedt.  Wenn am Freitag, 18. September, um 19.30 Uhr, der Ball rollt im Edmund-Plambeck-Stadion in der Regionalliga-Partie zwischen dem FC Eintracht Norderstedt 03 und der Eintracht Braunschweig II, dann werden auf der Haupttribüne des Stadions ganz besondere Gäste sitzen. Menschen, die Flucht, Vertreibung und Bürgerkrieg hinter sich haben. „Was wir als Verein zur Situation dieser Menschen in Norderstedt beitragen können – das haben wir uns gefragt“, sagt Eintracht-Vize Thomas Hochmuth. Die Antwort: Eine Einladung an bis zu 50 Menschen aus den Flüchtlingsunterkünften der Stadt, ein Spiel der Eintracht live mitzuerleben. Hochmuth: „Ein wenig Abwechslung im langweiligen Asylalltag.“

Stellvertretend für die Flüchtlinge nahmen Susanne Martin und Elke Wiesenmüller vom Willkommen-Team Norderstedt die Freikarten für die Flüchtlinge entgegen. „Eine tolle Geste“, sagte Martin. „Das bringt die Leute aus den Einrichtungen unter die Menschen, sie kommen in Kontakt mit den Norderstedtern und dem Alltag in Deutschland. Das ist ganz wichtig für die Integration der Menschen.“

500 Flüchtlinge leben in der Stadt

Integration – das ist die ganz große Herausforderung, die die deutschen Städte und Kommunen bewältigen müssen, neben der Unterbringung der Menschen. 500 Flüchtlinge leben derzeit in Norderstedt, bis zum Jahresende werden es mindestens 620 sein, vielleicht erheblich mehr. Ganz genau kann das derzeit keiner sagen. Sozialdezernentin Anette Reinders und ihr Team bewältigen seit Wochen ein enormes Arbeitspensum. Täglich kommen neue Flüchtlinge an, in der Woche bis zu 30 Menschen. Doch die Lage ist in Norderstedt im Vergleich zu anderen Städten noch entspannt. „Wir müssen in den Einrichtungen zwar zusammenrücken und den einen oder anderen Gemeinschaftsraum zur Unterkunft umfunktionieren, aber die Kapazitäten reichen noch aus“, sagt Reinders. Hinzu kommen bis Ende Oktober weitere Unterkünfte, die an der Lawaetzstraße, am Buchenweg, der Schule Fadens Tannen und am Schützenwall bei der Feuerwehr aufgebaut werden. „Mehr als maximal 250 Menschen will ich aber an keinem der Standorte unterbringen“, sagt Reinders. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass die Flüchtlinge aus den Unterkünften möglichst schnell in geräumige Wohnungen umverteilt werden.

„Wir müssen uns auch für den Notfall einrichten“, sagt Reinders. Und der trete ein, wenn die Flüchtlingszahlen in den kommenden Monaten deutlich stärker ansteigen in Norderstedt als derzeit prognostiziert. Leer stehende Bürogebäude (Ex-Verwaltung von Grace am Erlengang) oder weitere Containerdörfer (am Wilden Moor, Müllberg) kommen dann für die Unterbringung grundsätzlich infrage. Die Stadt hofft auch auf eine Lockerung des Planungsrechts durch das Land ab November. Dann könnte Norderstedt Flächen im Außenbereich des Stadtgebietes rechtssicher mit Unterkünften bebauen

Infotag rund um Flüchtlingsfragen

Um den Flüchtlingen mehr zu bieten als nur Unterkunft und um sie Schritt für Schritt in die Gesellschaft zu integrieren, muss die Stadt sie zunächst einmal besser kennenlernen. Norderstedt schickt deshalb eine Mitarbeiterin der Integrationsbeauftragten Heide Kröger durch die Unterkünfte der Stadt, die Kompetenz-Profile von allen Flüchtlingen erstellt. Neben persönlichen Daten, den Sprachkenntnissen und dem Asylstatus werden dabei auch die beruflichen Fähigkeiten und Qualifikationen festgehalten. Mit diesen Profilen fällt es leichter, die Flüchtlinge in Praktika bei Unternehmen oder in Ausbildungen zu vermitteln. Denn viele Unternehmen der Region sind interessiert an den potenziellen Arbeitskräften in den Flüchtlingsunterkünften. Doch die Unsicherheit über die Bedingungen der Beschäftigung sind groß. Deswegen lädt Anette Reinders für Montag, 21. September, Vertreter von Unternehmen ab 14 Uhr in den Plenarsaal des Rathauses ein. In Kooperation mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Ausländerbehörde des Kreises Segeberg und dem Netzwerk „Land in Sicht“ werden an diesem Tag alle offenen Fragen geklärt. (Anmeldung unter Telefon 040/ 53 59 51 61 oder per E-Mail an ZweiteStadtraetin@norderstedt.de).

Mehr als 150 neue Helfer im Willkommen-Team

Reinders betont, wie aufgeschmissen die Stadt in der Flüchtlingsfrage ohne das Willkommen-Team um Susanne Martin wäre. „Was die Ehrenamtlichen leisten ist unheimlich.“ Und die Bereitschaft der Norderstedter, sich im Willkommen-Team zu engagieren, ebbt nicht ab. Im Gegenteil. „Unsere Informationsveranstaltung am Dienstag mussten wir aus dem Plenarsaal in den Festsaal am Falkenberg verlegen – aufgrund der großen Nachfrage“, sagt Martin. 157 neue Helfer hatten sich angemeldet. „Wenn die alle dabeibleiben, dann verdoppelt sich unsere Mitgliederzahl auf 300“, sagt Martin. Damit komme sie ihrem Traum-Ziel in der Flüchtlingsbetreuung zumindest schon sehr nahe. „Am besten wäre es, wenn jeder Flüchtling seinen eigenen Norderstedter an der Seite hätte.“