Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Ahmad Zaarours Liebe gilt feinen Seifen

Ahmad Zaarour flüchtete in den 90er-Jahren aus dem Libanon nach Deutschland. heute hat er in Henstedt-Ulzburg ein Geschäft mit Seifen aus Aleppo und anderen Spezialitäten aus Syrien und dem Libanon

Ahmad Zaarour flüchtete in den 90er-Jahren aus dem Libanon nach Deutschland. heute hat er in Henstedt-Ulzburg ein Geschäft mit Seifen aus Aleppo und anderen Spezialitäten aus Syrien und dem Libanon

Foto: Heike Linde-Lembke

Der 53-Jährige kam in den 90er-Jahren aus dem Libanon nach Deutschland und hat sich in Henstedt-Ulzburg eine Existenz aufgebaut.

Henstedt-Ulzburg.  Er ist einer, der es geschafft hat. Der als Flüchtling anerkannt wurde, dank guter Freunde Arbeit fand und sich mit einem Ladengeschäft selbstständig machen konnte. Ahmad Zaarour ist in den 90er-Jahren nach Deutschland gekommen, geflüchtet vor einem Bürgerkrieg, der von 1975 bis 1990 im Libanon tobte, 90.000 Tote forderte, 115.000 Verletzte und 20.000 Vermisste. 800.000 Menschen trieb der Krieg ins Ausland, eine Flucht vor einer Armee, vor Bomben, Heckenschützen und Raketen. „Ich war einer der ersten Asylbewerber in Deutschland“, sagt der 53-Jährige. Heute ist Ahmad Zaarour ein anerkannter Bürger Henstedt-Ulzburgs.

Niemand habe ihn am Anfang verstanden. Er kam irgendwie nach Schleswig-Holstein, nach Alveslohe. Der erste Schnee löste Panik in ihm aus. Der von der Sonne verwöhnte Mann hauste in einem völlig vereisten Wohnwagen in Alveslohe, und erst, als er in Gerhard Hoch, der auch die Geschichte des Kaltenkirchener Konzen­trationslagers aufdeckte und veröffentlichte, einen Fürsprecher fand, ging es bergauf. „Gerhard Hoch spricht Französisch – und daher konnten wir uns gleich gut verständigen, er hat mir geholfen und eine Arbeit in Kaltenkirchen besorgt“, sagt Zaarour dankbar. Heute spricht er fließend Deutsch.

Zu Fuß ist er von Alveslohe nach Kaltenkirchen zur Arbeit gegangen, doch wer einen festen Arbeitsplatz hat, bekommt auch eine Wohnung, und so zog Ahmad Zaarour dank der Hilfe von Freunden nach Henstedt-Ulzburg. Und noch ein Glück: Er lernte Angelika Dubber kennen, Inhaberin der Galerie Sarafand, im Jahr 2000 heirateten sie.

Ahmad Zaarour hat im Libanon und in Syrien eine große Familie zurückgelassen, einen Clan von 1150 Mitgliedern, weit verzweigt in beiden Ländern, darunter viele Familien, die noch heute in einer der ältesten Künste arbeiten – der Seifensieder-Kunst. Ahmad Zaarour kommt aus Beirut, dem einstigen Paris des Nahen Ostens, der Hauptstadt des Libanon. Seine Mutter stammt aus Aleppo, nach Damaskus zweitgrößte Stadt Syriens, eine der historisch bedeutendsten Städte der Welt, die jetzt so sehr unter dem syrischen Bürgerkrieg leidet.

„Wenn ich an Aleppo denke, bin ich sehr traurig“, sagt Ahmad Zaarour. Vor vier Jahren hat er die Stadt zuletzt besucht, als der Aufstand gegen Baschar Al Assad begann, als Terroristen wie Armee anfingen, in Syrien zu wüten und Aleppo ab 2012 in Schutt und Asche legten. „Die ganze Stadt ist historisch, es ist ganz furchtbar“, so Zaarour.

„Ich kenne Aleppo und Beirut genau, die herzlichen Menschen, dort gibt es keine Hektik“, sagt er. Die Familien stellen die Seifen nach uralten Rezepturen her, und jede Familie hat ihren eigenen kunstvollen Seifensieder-Stempel, der jedes Stück Seife prägt.

Sein Seifenkontor in Henstedt-Ulzburg im Gasthof Scheelke an der Kisdorfer Straße 11 führte ihn zurück in seine Heimat. Nach Syrien und in den Libanon. Ahmad Zaarour handelt mit dem alten Kulturgut aus seiner Heimat, mit Seifen aus reinem Olivenöl. Und mit dem Olivenöl selbst. Mit Datteln, dem Brot Arabiens, und Weihrauch-Sorten. Und mit Saatar, dieser wundervollen Mischung aus gerösteten Sesamsamen, Thymian, syrischem Majoran mit dem Aroma von Oregano, auch als Ysop oder Biblischer Ysop bekannt und sehr delikat auf mit Olivenöl beträufeltem Brot.

Doch Zaarours ganze Liebe gilt den Naturseifen. „Die Aleppo-Seifen sind ein Vermächtnis aus einer zerstörten Stadt, kleine Meisterwerke orientalischer Seifensieder-Kunst mit pflegenden Ölen für Haut und Haar“, sagt er und schwärmt: „Nur Öle aus erster Kaltpressung sind die Garantie für die hohe Qualität dieser Seifen. Sie sind frei von chemischen und tierischen Zusätzen, wirken erfrischend, und die Haut wird weich und seidig.“ Schon vor mehr als 4000 Jahren haben die Menschen Seifen aus reinstem Olivenöl hergestellt, und vor etwa 3000 Jahren werden die ersten Rezepturen auf assyrischen Tontafeln erwähnt. Die ersten Manufakturen gab es in Aleppo, jede Familie entwickelte ihr eigenes Rezept.

Die Seifen werden per Hand hergestellt und geschnitten und ein Jahr in Kellern gelagert. Neben Olivenöl wird auch Lorbeeröl verwendet. Manchmal kommt auch Kokospalmöl, Palmkernöl, Schwarzkümmelöl, Baumwollöl hinzu, Honig und Wildkräuter.

„Das sind die Düfte Arabiens, und ich habe 70 Sorten dieser orientalischen Seifensieder-Kunst hier in meinem Geschäft“, sagt Zaarour stolz. Die meisten Seifen verkauft er indes via Internet nach Frankreich und Süddeutschland. „Sie sind biologisch einwandfrei, und das wird immer beliebter“, sagt Zaarour.

Über die Vertriebswege in diesen Kriegszeiten schweigt er sich aus. Nur so viel: „Sie kommen per Flugzeug aus Beirut und werden vorher mit Lkw aus Syrien auf den Weg gebracht, das ist jetzt sehr risikoreich und entsprechend teuer“, sagt Zaarour. Umgekehrt werden Lebensmittel von Libanon nach Syrien geschmuggelt, es gibt geheime Wege über die Berge, noch seien die Grenzen zwischen Syrien und Libanon offen, doch die verschiedenen Clans würden sich untereinander stark bekämpfen. „Andererseits sorgen sie dafür, dass das Leben in Syrien überhaupt noch etwas funktioniert, die Familien halten untereinander zusammen, man heiratet untereinander“, erzählt der Mann, der elf Geschwister hat.

Zurzeit leben 2,8 Millionen Menschen im Libanon, dazu 500.000 Palästinenser und zwei Millionen syrische Flüchtlinge. „Im Libanon sind alle Wohnungen voll“, sagt Zaarour. Auch seine Ehefrau Angelika kann das von ihrem letzten Besuch vor drei Monaten bestätigen. „Manche Waren, die aus Syrien kamen, gibt es nicht mehr, beispielsweise Auberginen, Bohnen und Kichererbsen.“ Die Bevölkerung habe sich verdoppelt, viele Terroristen würden im Libanon übernachten.

„Es gibt bisher keine Lösung, es ist ein Weltkampf. Und so lange es Waffenhandel gibt, auch aus Deutschland, so lange wird es auch Kriege geben“, sagt Zaarour bitter. Nur eines sei noch sicher, das Seifensieden.

Seifenkontor Malaka-Oriental Ahmad Zaarour iim Gasthof Scheelke, Kisdorfer Straße 11, in Hen­stedt-Ulzburg – geöffnet: montags, dienstags, donnerstags und freitags von 12 bis 14 Uhr und 16 bis 18 Uhr. www.malaka-oriental.de im Internet.