Norderstedt
NZ-Regional

Die veganen Trendprodukte aus der Wurstfabrik

Helmut Lange war früher Manager bei Tchibo.Dann hat ihn die vegane Welle erfasst. Heute produziert er mit seiner Firma Grüngold in einer ehemaligen Wurstfabrik vegane Produkte für einen stetig wachsenden Markt

Helmut Lange geht mit dem Trend. Der Hamburger Unternehmensberater weiß: Es gibt immer mehr Menschen, die sich bewusst ernähren und immer öfter auf Fleisch verzichten. Viele von ihnen, die Vegetarier und die Veganer, verzichten ganz darauf. Und so wächst der Markt für Fleischalternativen. Diesen Markt hat Lange mit seinem jungen Unternehmen Grüngold im Blick, das seit Anfang des Jahres in Stuvenborn produziert. „Wir stellen Fleischalternativen auf Getreidebasis her“, sagt er. „Wir nutzen kein Tofu und in der Regel auch kein Soja. Unsere Produkte werden auf der Basis des guten Schrots und Korns aus der Region produziert.“

Lange möchte damit breitere Zielgruppen erreichen, denn die meisten vergleichbaren Produkte sind nach seinen Angaben teuer. Die Würstchen, die Burger-Patties oder auch das Hack von Grüngold – alles auf rein pflanzlicher Basis hergestellt und damit vegan – soll sich hingegen möglichst jeder leisten können. Und noch etwas hebt das Unternehmen laut Lange von seinen Mitbewerbern ab: Neben den fertigen Produkten wie Aufschnitt, Toskana-Bällchen oder Rostbratwurst gibt es auch Halbfertiges. „Produkte mit Gestaltungsspielraum“ nennt Lange die Rollen, aus denen vom Brotaufschnitt bis zur Suppeneinlage vieles hergestellt werden könne und die bereits von einigen Großküchen genutzt würden. „Damit kann man jeden Tag neu vegan kochen“, sagt Lange.

Die Maschinen produzierten früher Wurst und heute Toskana-Bällchen

Lange war früher Marketing-Chef der Tchibo Versand GmbH und ist vor etwa zwei Jahren auf das Projekt aufmerksam geworden und engagiert sich jetzt als geschäftsführender Gesellschafter bei Grüngold. Zunächst arbeitete das Unternehmen mit einem externen Dienstleister aus der Eifel zusammen, der die Produkte herstellte. „Dann ist uns diese Gewerbefläche quasi auf die Füße gefallen“, sagt Lange und meint die etwa 1000 Quadratmeter in Stuvenborn. Früher wurde hier Wurst aus Fleisch hergestellt, und so konnte Grüngold einige der Maschinen weiter nutzen. Dass seine Produkte dabei wie in der Branche üblich teilweise wie herkömmliche Wurstwaren daherkommen, stört Lange nicht. „Haben Sie schon mal eine Wurst auf der Wiese stehen sehen?“, entgegnet er. Es gebe nun einmal sinnvolle Formen der Verarbeitung, dazu die Maschinen, und so habe das Produkt die Form einer Wurst aus Fleisch. Außerdem entstehe bei der Bezeichnung „Wurst“ sofort ein Bild, nenne man das Produkt beispielsweise „Paula“, müsse man erst viel erklären. Gesünder sei Curry- oder Rostbratwurst auf Getreidebasis allemal, sagt Lange. Grüngold verarbeitet nur natürliche Zutaten ohne Zusatzstoffe und wenn möglich aus der Region. Das Unternehmen setzt auf zwei verschiedene Produktlinien. Die eine, „complete“ genannt, setzt auf das volle Korn von Weizen, Hafer oder Amaranth und ist laut Lange somit sowohl ballaststoff- als auch nährstoffreich. Die zweite, „active“ genannt, wird aus Weizeneiweiß, also Saitan, und Dinkelvollkorn, hergestellt und richtet sich beispielsweise an Sportler, ist cholesterinfrei, fettarm und besonders eiweißreich.

Beide Linien gibt es sowohl auf Basis konventioneller als auch ökologisch hergestellter Rohstoffe. Vertrieben werden die Produkte über den Handel, sodass Grüngold in und um Hamburg, aber auch bundesweit bei vielen Rewe- und Edeka-Filialen gekauft werden kann. In Henstedt-Ulzburg nach Angaben von Grüngold beispielsweise bei Edeka Oertwig, in Kisdorf bei Edeka Domke oder in Bad Bramstedt bei Edeka Möller.

Langes Ziel: 15 statt nur neun Millionen Vegetarier und Veganer in Deutschland

Lange möchte mit Grüngold dazu beitragen, den Fleischkonsum zu reduzieren. Ihm und seinem Unternehmen ist der Tierschutz wichtig, aber er ist kein Dogmatiker. Seine Produkte sind allerdings nach den strengen Kriterien des Vegetarierbundes als „vegan“ und damit als rein pflanzlich gekennzeichnet. Es helfe dem Tierschutz mehr, sagt Lange, wenn aus den derzeit etwa neun Millionen Vegetariern und Veganern in Deutschland einmal 15 Millionen werden als wenn man sich darüber unterhalte, ob in einer Verpackung gegebenenfalls kleinste Mengen tierischer Rückstande vorhanden sind. Dies interessiert nur einige besonders radikale Veganer.

Die aktuellen und künftigen Vegetarier und Veganer sind für Helmut Lange indes potenzielle Kunden. Und nicht nur für ihn. Auch für Restaurants oder Kantinen, in denen sie nicht immer nur Beilagen essen wollen. Der Verkauf an Großküchen, mit denen Grüngold das Geschäft vergangenes Jahr begonnen hat, bedarf allerdings noch einer Menge Überzeugungsarbeit. Es gibt also noch viel zu tun für das junge Unternehmen in Stuvenborn.