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Popp Feinkost: Da haben wir den Salat!

An der Mischmaschine der Produktionsabteilung in Kaltenkirchen gelten sehr strenge Hygienevorschriften

An der Mischmaschine der Produktionsabteilung in Kaltenkirchen gelten sehr strenge Hygienevorschriften

Foto: Popp

Popp Feinkostinvestiert 20 Millionen Euro an seinem Standort Kaltenkirchen. Die Unternehmensgeschichte begann auf einem Hinterhof.

Kaltenkirchen.  Es gibt Lebensmittel, die sich immer gut verkaufen. Fleisch- und Kartoffelsalat gehören dazu. „Das sind Klassiker“, sagt Philip Harland, Geschäftsführer von Popp Feinkost in Kaltenkirchen. Leckere Salate mit Mayonnaise gehören seit Gründung zum Programm des Unternehmens, das als kleiner Familienbetrieb in Kaltenkirchen startete und heute an seinem Standort im Süden der Stadt 400 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu gehören 31 Auszubildende.

Damit gehört Popp zu den größten Arbeitgebern in der Region und zu den Betrieben, die weiter wachsen wollen. 20 Millionen Euro investiert Popp Feinkost in den kommenden Jahren in Kaltenkirchen. Harland plant den Bau eines Logistikzentrums, eines modernen Entwicklungszentrums für neue Produkte sowie einen Ausbau der Lager- und Produktionsflächen – für Fleisch- und Kartoffelsalat, aber auch diverse andere Leckereien, die bei Popp erfunden und hergestellt werden.

Die Klassiker gehen immer, manche Innovationen halten sich. Andere Salate und Brotaufstriche verschwinden schneller, als die Feinkost-Erfinder in Kaltenkirchen es geahnt haben. Flops gehören in der Branche zum Geschäft und sind einkalkuliert. Wer kennt noch die Nudelprodukte der Trattoria-Reihe von Popp oder den Salat mit dem Eckchen Dressing? Die Entwickler bei Popp und die Geschäftsführung waren bei der Markeinführung optimistisch. Auch der Handel glaubte an das Produkt, aber der Verbraucher wollte es nicht. „Man braucht nun mal unternehmerischen Mut“, sagt Philip Harland. Die Floprate liege bei 70 Prozent, räumt er offen ein.

Das Geld wird mit den Klassikern und den restlichen 30 Prozent verdient. Harland und seine Kollegen blicken gespannt auf die nächsten Monate, in denen sich eine neue Kreation in den Supermarkttheken bewähren muss. Streichduett heißt der Brotaufstrich mit einer Ricotta-Mozzarella-Creme und Tomate, Feige-Senf oder Mango-Chili. Die große Hoffnung: Das Streichduett schlägt auf dem Markt ein wie die Brotaufstriche, die vor 20 Jahren erstmals zum Angebot gehörten und die inzwischen ebenfalls zu den Klassikern aus dem Hause Popp gehören. „Der Handel ist sehr angetan“, sagt der Popp-Chef. Doch eine Garantie für den Erfolg ist das nicht.

Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt können im Hause Popp bis zu 18 Monate vergehen. Dazwischen wird in Versuchsküchen gerührt und probiert. Das Marketing grübelt über Strategien. Techniker prüfen, wie das Produkt produziert und abgefüllt werden kann und welche Maschinen dafür angeschafft werden müssen. „Der gesamte Prozess kostet einen ansehnlichen sechsstelligen Betrag“, sagt Geschäftsführer Harland. Das Rezept wird in einem Tresor verwahrt. Zu den Betriebsgeheimnissen gehören auch einige Maschinen, die Popp Feinkost entwickeln ließ. Sie zu reproduzieren wäre noch schwieriger als die Zutaten eines Salats herauszufinden.

Wenn in der großen Runde in der Firmenzentrale ein neuer Salat probiert und bewertet wird, sitzt Prokurist Walter Popp, 58, mit am Tisch. Er kennt noch die Anfänge des Unternehmens in Kaltenkirchen. Sein Vater, der ebenfalls Walter hieß, hatte die Firma in Dresden gegründet und war nach dem Krieg nach Schleswig-Holstein gekommen. In einem Hinterhof an der Straße am Ehrenhain produzierte Popp Mayonnaise, Herings- und Kartoffelsalat. „Am Anfang hat dort nur die Familie gearbeitet“, sagt Walter Popp Junior, der in einem Regal seines Büros den letzten Original-Topf aus Emaille für Mayonnaise mit der Aufschrift Popp verwahrt. „Arbeitsintensiv war die Produktion schon immer“, sagt Walter Popp. In den ersten Jahren wurden die Rollmöpse noch mit der Hand gerollt. Vor wenigen Wochen hat er mit den Kollegen seine 40-jährige Betriebszugehörigkeit gefeiert.

Auch sein dreißigjähriger Sohn Hauke arbeitet in dem Feinkost-Unternehmen, das seit 1988 zum Wernsing- Food-Konzern gehört, der 3000 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz von 880 Millionen Euro erwirtschaft und jährlich 400.000 Tonnen Kartoffeln verarbeitet. „Ich kenne das Unternehmen seit meiner Kindheit“, sagt Hauke Popp, der in der Marketingabteilung arbeitet. Er isst am liebsten den Popp-Wurstsalat. Sein Vater liebt zum Frühstück Brötchen mit einem kleinen Berg Seelachssalat.

Popp Feinkost verkauft seine Waren unter dem eigenen Namen. Außerdem produzieren die Kaltenkirchener Waren für Discounter. Wer jedoch glaubt, bei Aldi und Co. die gleiche Popp-Ware billiger als in der Feinkostabteilung eines Supermarkts zu finden, irrt. Zutaten und Zubereitung sind nicht identisch. „Roter Heringssalat ist nicht gleich roter Heringssalat“, sagt Philip Harland.

Die Feinkostspezialisten aus der Carl-Benz-Straße beschäftigen sich auch mit der strategisch wichtigen Frage, was die Menschen in Zukunft gern essen. Harland glaubt, dass Bio-Produkte noch beliebter werden. „In diesem Bereich sind wir schon jetzt Marktführer“, sagt er. Auch vegetarisches Essen verkauft sich immer besser. Hauke Popp glaubt, dass auch die Einflüsse anderer Kulturen bei der Feinkostproduktion wachsen werden. Er geht aber auch davon aus, dass die Deutschen auch in Zukunft Klassiker genießen werden: Mayonnaise, Fleisch- und Kartoffelsalat.