Norderstedt
Bestattungen

Individuelle Gräber, die Pflege wird gleich mitgekauft

Mitarbeiterin Stephanie Otto pflegt ein Wahlgrab mit vier Urnenplätzen

Mitarbeiterin Stephanie Otto pflegt ein Wahlgrab mit vier Urnenplätzen

Foto: Michael Schick

Urnengemeinschaftsanlagen sind gefragt. In Norderstedt gibt es diese Form jetzt auch auf den städtischen Friedhöfen

Norderstedt.  Die Bestattungskultur wandelt sich. Der Trend geht weg vom klassischen Erdgrab hin zu Urnengemeinschaftsgräbern. „Die Menschen wollen ihre Nachkommen nicht mit der Pflege ihrer Gräber belasten. Sie sollen dafür nicht bezahlen oder selbst Hand anlegen müssen“, sagt Peter Christian Petersen, Leiter der drei städtischen Norderstedter Friedhöfe. Diesem Wunsch vieler Bürger nach hübschen, individuellen und pflegeleichten Grabstätten ist die Stadt nun nachgekommen.

Die Stadtvertreter haben mit der neuen Friedhofssatzung auch eine neue Form der Bestattung mit dem sperrigen Namen Urnengemeinschaftsanlagen beschlossen – auf dem kirchlichen Friedhof in Garstedt gibt es diese Gemeinschaftsgräber schon seit gut eineinhalb Jahren. Verwalter Stephan Jansing hat ähnliche Erfahrungen wie sein Kollege Petersen gemacht, aber: Die Zeit der anonymen Urnenbeisetzungen sei vorbei, viele Angehörigen wollten wissen, wo der oder die Verstorbene liegt, dort innehalten oder mit Blumen und Kerzen der Toten gedenken.

Mit dem neuen Angebot, das die bisherigen Grabvarianten ergänzt, wollen Stadt wie Kirche zugleich ihre Einnahmen sichern, denn: Die Konkurrenz wächst. „Wir spüren wachsenden Konkurrenzdruck durch die größeren Angebote der Bestatter, durch die Friedwälder, Ruhehaine und anderen Formen der Bestattung wie See­bestattun- gen“, sagt Petersen. Noch vor 15 Jahren habe es für den Friedhof in Harksheide Wartelisten gegeben, heute zeigten sich erste Lücken in den langen Reihen der Gräber, obwohl die Zahl der Bestattungen mit rund 400 über Jahre hinweg konstant sei.

Die Kosten aber gehen durch höhere Energiepreise und Tarifsteigerungen nach oben. Rund eine Million Euro gibt die Stadt pro Jahr für ihre Friedhöfe und die 15 Mitarbeiter aus. 800.000 Euro werden durch Einnahmen gedeckt, der Rest kommt aus dem städtischen Haushalt.

Etwa 700 Sterbefälle pro Jahr verzeichnet die Statistik für Norderstedt. Rund 100 Tote werden aber, so Petersen, nicht auf einem der vier Friedhöfe in der Stadt beerdigt. Allein 40 bis 50 Verstorbene finden bei einer Seebestattung ihre letzte Ruhe. Andere bevorzugten ein Grab in der Natur und entscheiden sich für die Totenruhe unter einem Baum im Wald.

Petersen hat sich in anderen Städten und Gemeinden umgesehen und sich für vier Varianten von Urnengemeinschaftsgräbern entschieden. Sie unterscheiden sich vor allem in Gestaltung und Kosten. Mit 4715 Euro sind Kolumbarien die teuersten Ruhestätten. Die Urnen werden oberirdisch in dekorativen, von Granit umschlossenen Fächern, den Urnenstelen, beigesetzt. 1711 Euro fallen für die günstigste Alternative, ein baumbezogenes Ur-nenreihengrab auf dem Friedhof Glashütte, an. „Dort haben wir eine rund 900 Quadratmeter große Wiese, die mit Birken bestanden ist, um die herum sich wiederum die Grabstätten gruppieren“, sagt Petersen. Dort sei insgesamt Platz für 20 Urnenfelder mit je 16 Grabplätzen.

Die Preise mögen auf den ersten Blick erschrecken, sagt der Friedhofsleiter, aber: „Sie erstrecken sich auf eine Nutzungszeit von 25 Jahren, beinhalten die Grabpflege durch unsere Mitarbeiter sowie die Inschrift auf einer Grabplatte oder einer Stele. Die Angehörigen müssen sich also um nichts mehr kümmern und haben trotzdem einen hübschen und festen Platz, um zu trauern oder Zwiesprache mit dem oder der Verstorbenen zu halten.“ Auch wenn der Platz pro Urne mit einem halben bis einem Quadratmeter für jedes Urnenreihengrab relativ knapp bemessen ist, reiche er doch, damit Angehörige oder Freunde eine Vase mit Blumen aufstellen können. Die Flächen würden unterschiedlich gestaltet, sie könnten mit Kies ausgefüllt oder bepflanzt werden. Die Mitarbeiter passten die Bepflanzung den Jahreszeiten an.

Alle vier Varianten der Urnengemeinschaftsgräber bietet die Stadt nur auf dem Friedhof in Friedrichsgabe an, dem mit rund 7,5 Hektar größten der drei städtischen Anlagen. Für Kolumbarien, Urnengemeinschaftsgräber mit zwei Plätzen und baumbezogene Alternativen können sich die Norderstedter auch auf den anderen Friedhöfen entscheiden. „Die Identifikation mit dem Stadtteil schwindet“, sagt Petersen.