Norderstedt
Wakendorf II

Hier hängt ein echter Reaktor am Haken

Wakendorf II. Festbettreaktor, ca. 30 Tonnen schwer, wird gehoben.

Wakendorf II. Festbettreaktor, ca. 30 Tonnen schwer, wird gehoben.

Foto: Christopher Herbst / HA

Die notwendigen Reinigungsarbeiten in der Kläranlage von Wakendorf II sind auch für Profis eine echte Herausforderung.

Wakendorf II.  An dem Bau von mehr als 200 Kläranlagen verschiedenster Machart hat Jürgen Pommerening mitgewirkt, der Diplom-Ingenieur aus Geesthacht ist ein Vollprofi auf dem Gebiet der Umwelttechnik. Doch dieses knifflige Projekt in der Gemeinde Wakendorf II bereitet selbst dem Routinier Kopfzerbrechen. „Das hier ist ein Sonderfall, so etwas haben wir noch nie gemacht.“

Mit seinem Team der Firma Phönix soll er einen Festbettreaktor (Maße: 14 x 5 x 2,40 Meter) teilweise demontieren und dann reinigen. Eine Aufgabe, die es in sich hat. Es fängt schon damit an, dass es sich bei dem Gebilde um einen Tauchkörper handelt, der seit 21 Jahren in einem Klärteich schwimmt. Seine wichtige Funktion: Mit Düsen wird Sauerstoff unter dem Festbett verteilt, sodass sich auf dem Träger Bakterienkulturen entwickeln, die wiederum das Abwasser reinigen. Im Fall von Wakendorf II fließt dieses anschließend in die Alster. Derzeit funktioniert der Prozess jedoch nicht, da die Schläuche mit Biomasse verstopft und daher die Nitratwerte zu hoch sind.

Unter Wasser lässt sich der Reaktor nicht entschlammen, das Ungetüm muss an Land gehievt werden. Extra hierfür wird ein Schwerlastkran des Lübecker Unternehmens Longuet mit einer maximalen Tragfähigkeit von 220 Tonnen gemietet. Welches Gewicht aber am Ende exakt am Haken hängt, ist unklar. „Wäre der Reaktor leer, würde er zwölf Tonnen wiegen. So aber weiß keiner das Gewicht“, sagt Jürgen Pommerening. Klar ist: Mehr als 36 Tonnen wären zu viel, und genau mit diesem Wert kalkulieren die Experten.

Zwölf verzinkte Stahlseile sollen den Kran mit dem Festbettreaktor verbinden. Doch sofort kommt alles zum Stillstand – der klassische Kabelsalat, wie zu Hause im Wohnzimmer, nur eben mit 500 Kilogramm Seilen. Pommerening und seine beiden Mitarbeiter haben keine Wahl, sie müssen alles sorgfältig und Zentimeter für Zentimeter entwirren. Denn jedes der Enden muss an einem bestimmten Punkt befestigt werden, sonst könnte der Reaktor aus der Balance geraten.

Bis alles präpariert ist, vergehen mehr als zwei Stunden. Erst dann beginnt die eigentliche Bergung – und zwar in kleinen Schritten, immer wieder wird zwischendurch gestoppt, damit Wasser abgelassen werden kann. So langsam löst sich erst am Mittag die Anspannung, denn der Kran kann die Last tragen, letztlich schwebt der Reaktor knapp über der Wasseroberfläche, ehe er auf einen Wall abgelassen wird. „Es sind 33 Tonnen. Ich habe mit 36 gerechnet und auf 20 gehofft“, sagt Jürgen Pommerening.

Rund zwei Wochen sind für die Reinigung eingeplant, Pommerening und sein Team wohnen für die Zeit im Nachbarort Kisdorf. Die Gemeinde Wakendorf II zahlt für die gesamte Aktion 50.000 Euro. „Ich hoffe, dass wir das so schnell nicht wieder machen müssen“, sagt Bürgermeister Hans-Hermann Schütt, der die Arbeiten vor Ort beobachtet.