Norderstedt
Norderstedt

Hausnotrufsystem: Bei Anruf gibt es Hilfe

Vor wenigen Tagen hat Michael Vollmer die Einsatzzentrale an der Oststraße eröffnet

Vor wenigen Tagen hat Michael Vollmer die Einsatzzentrale an der Oststraße eröffnet

Foto: Wolfgang Klietz

Der Ex-KBA-Chef Michael Vollmer baut in Norderstedt ein bundesweit einzigartiges Hausnotrufsystem auf.

Norderstedt.  Was macht eigentlich Michael Vollmer? Vor einem Jahr verließ er nach 29 Jahren den Chefposten bei der Norderstedter Hilfsorganisation KBA, die er vom Ein-Mann-Betrieb zum Verein mit mehr als 300 Beschäftigten aufgebaut hat.

Schon damals war jedem klar, der ihn kannte: Der 52-Jährige wird nicht in den frühen Ruhestand gehen. Vollmer arbeitet weiter – als Unternehmer. „SOS privat – Hausnotruf24“ heißt sein neues Projekt. Mit Partnern baut er einen bundesweiten, bislang einzigartigen Hausnotrufdienst auf.

Nicht nur in der Blaulichtszene der Hilfsorganisationen, Rettungsdienste und Feuerwehren war Vollmer als Mann mit ungewöhnlichen Ideen und Querdenker bekannt. Verwaltungen und Politiker wurden spätestens auf ihn aufmerksam, als er mit einem KBA-Einsatzhubschrauber für Notärzte in Norddeutschland für Schlagzeilen sorgte. Vollmer wollte eine schnelle Versorgung sicherstellen. Andere Rettungsdienste fürchteten um etablierte Abläufe und schalteten sogar die Polizei ein, um die Funklizenzen zu überprüfen. Und heute? Formell ist der Henstedt-Ulzburger noch beim KBA angestellt. Mitglied des Vereins will er bleiben. „Ich blicke nicht mit Wehmut zurück“, sagt Vollmer über die Organisation, die weiter für den Rettungsdienst und den Notarzt in Norderstedt verantwortlich ist und in Schleswig-Holstein und Hamburg mit Dutzenden von Fahrzeugen im Krankentransport unterwegs ist. Die Flotte trägt weiterhin das markante KBA-Logo, gehört aber inzwischen zum internationalen Falck-Konzern.

„Ich habe das 29 Jahre gemacht, jetzt ist der KBA erwachsen“, sagt Vollmer. Mitarbeiter, Kunden und Patienten profitieren seiner Ansicht nach von dem großen Partner Falck, beispielsweise mit seinen überregionalen Ausbildungsmöglichkeiten. Dabei bleibe der KBA mit seinen Stärken erhalten.

Und dann spricht er in der Rückschau doch noch von „Wehmut“. „Arme und Kranke haben keine Lobby“ – das ist sein Fazit nach 29 Jahren an der Spitze einer Hilfsorganisation. Schlechte Strukturen verhindern seiner Ansicht nach, dass das Gesundheitssystem besser und effektiver funktioniert. Auch der KBA-Hubschrauber sollte für bessere Hilfe für Menschen in Lebensgefahr sorgen, doch Vollmer musste das Projekt abbrechen. Der Widerstand von Krankenkassen und aus der Politik war zu groß. Jetzt sei das Kapitel KBA abgeschlossen, sagt Vollmer. „Das war ein Lebensabschnitt.“

„Uns geht es um Hilfeleistungen, nicht um Handwerk oder Behandlungen“

Im nächsten Lebensabschnitt bleibt der 52-Jährige dem Metier treu. Auch bei „SOS privat“ geht es ums Helfen, allerdings nicht mit Fahrzeugen und Blaulicht. Anders als beim klassischen Hausnotruf, der nur auf medizinische Hilfe zugeschnitten ist, will Vollmer mit seinem neuen Angebot einen Service bieten, der weit darüber hinaus geht.

„Wie kann ich dafür sorgen, dass Menschen zu Hause sicher und angenehm leben?“ Das sei die Frage gewesen, die er sich gestellt habe, sagt Vollmer. Dazu gehöre nicht nur die Frage nach schneller Alarmierung bei Notfällen, sondern auch die Lösung anderer Probleme: Wer wechselt die Glühbirne, wenn ein kranker oder alter Mensch dazu nicht in der Lage ist? Wer kümmert sich um den Vogel und gießt die Blumen, wenn ein Kunde ins Krankenhaus muss? Wo ist nachts telefonisch ein Arzt erreichbar, der Zeit für eine Beratung hat? Wer besorgt die dringend benötigten Medikamente?

Diese und andere Fragen können die Mitarbeiter in der Notrufzentrale beantworten, die Vollmer vor wenigen Tagen an der Oststraße in Norderstedt eröffnet hat. „Wir sind die Kümmerer“, sagt er. „Uns geht es um Hilfeleistungen, nicht um Handwerk oder Behandlungen.“ Mit den Mitarbeitern der Zentrale hat Vollmer gute Erfahrungen gemacht: Er hat sie vom KBA übernommen.

Wer den Service des neuartigen Hausnotrufsdienstes nutzen will, kann die Angebote je nach Bedarf buchen. Der normale Hausnotruf kostet rund 30 Euro pro Monat, weitere Dienstleistungen fünf bis sieben Euro. Voller hat „SOS privat“ für ganz Deutschland konzipiert: „Im Raum Rhein-Main können wir es schon anbieten, in Berlin noch nicht.“ Auch in Hamburg und Norderstedt hat der neue Betrieb bereits viele Kunden. Langfristig will das Unternehmen auch die Möglichkeiten der Telemedizin nutzen und soziale sowie kulturelle Angebote wie einen Vorlese-
service oder gemeinsame Theaterbesuche machen. „Das ist der nächste Schritt“, sagt Michael Vollmer. „Wir wollen langsam wachsen.“