Norderstedt
Schröters Wochenschau

Schlüsselerlebnis im Gefängnis dank Jan Delay

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, beschäftigten diese Woche vor allem Kameras

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt, beschäftigten diese Woche vor allem Kameras

Foto: Wolfgang Klietz

Ein Konzert des Sängers sorgt mit einem ungewollten Kameramotiv für Aufsehen. Die Bodycam der Polizei könnte indes neue Trends setzen.

„Auf St. Pauli brennt noch Licht”, besingt der Näsel-Barde Jan Delay das Hamburger Nachtleben und stellt fest: „Da ist heut‘ lange noch nicht Schicht.“ Das gilt vor allem an den Wochenenden, aber dieser Tage auch alltags. Weil nämlich jeder Unterweltler, der noch eine Feile halten kann, gerade dabei ist, in präziser Heimarbeit 600 Schlüssel zu kopieren. Oder einen Schlüssel gleich 600-mal, so ganz genau habe ich das nicht begriffen. Jedenfalls sind alle schweren Jungs im Norden eine Weile beschäftigt, lassen unsere Eigenheime in Frieden und brechen bestenfalls in Baumärkte ein, um sich neue Feilen und Schlüsselrohlinge zu besorgen. Das verdanken wir allein Jan Delay. Der nämlich gab in bester Johnny-Cash-Tradition ein Konzert im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis, gefilmt vom NDR. Dabei geriet auch ein Zellenschlüssel ins Bild. Das hat die Hamburger Justizbehörde jetzt leider bemerkt und prompt 600 Schlösser und Schlüssel im U-Knast auswechseln lassen. Ooooch.

„Die Schlüssel haben ein prägnantes Aussehen und sollen nicht für jeden sichtbar sein“, begründet die Justizbehörde diese Maßnahme. Das macht neugierig. Welches ungewöhnlich prägnante Design ziert diese Schlüssel? Barocke Schnörkel und der diskrete Schriftzug „Hotel Holstenglacis“? Sie und ich werden dieses Schlüsselerlebnis – hoffentlich! – niemals haben. Und falls doch, kommen vielleicht wenigstens wieder Jan Delay und der NDR mit Kamera vorbei.

Polizisten rüstet man in Hamburg ja neuerdings auch mit Kameras aus. Die werden auf der Schulter festgetackert und „Bodycam“ genannt – weil, wenn die während eines anstrengenden Diensteinsatzes verrutschen, sieht man auf den Beweisbildern nur noch den Body des Polizisten. Für Touristen, Nachtschwärmer und schlechthin für Jedermann ist diese Einrichtung ungemein praktisch. Selfies sind ab sofort total „out“. Der neue Trend geht so: Man positioniert sich zwischen einer Sehenswürdigkeit und einem Bodycam-Polizisten, löst die Aufnahme durch gezielte Beamtenbeleidigung aus und erhält feinstes Erinnerungs-Bildmaterial mit Datum und Uhrzeit. Bitte das Lächeln nicht vergessen.

Möglicherweise lernt man dann sogar das sagenhafte JVA-Schlüsseldesign kennen.