Norderstedt
Verkehrsknoten

Aus „Wesselkreuzung“ soll „Wesselkreisel“ werden

Verkehrsminister Reinhard Meyer (Mitte) beim Ortstermin mit Kisdorfs Bürgermeister Reimer Wisch, Thomas Falck (Kreis, FB Umwelt, Planen, Bauen), Dieter Riemenschneider (SPD) und Thies Kohlsaat (LBV, von links)

Verkehrsminister Reinhard Meyer (Mitte) beim Ortstermin mit Kisdorfs Bürgermeister Reimer Wisch, Thomas Falck (Kreis, FB Umwelt, Planen, Bauen), Dieter Riemenschneider (SPD) und Thies Kohlsaat (LBV, von links)

Foto: Christopher Herbst

SPD-Wirtschaftsminister Reinhard Meyer sichert in Kisdorf Landesbeteiligung an den Kosten für einen neuen Kreisverkehr zu.

Kisdorf. Jeder Autofahrer im westlichen Kreis Segeberg kennt ihn nur zu gut, diesen neuralgischen Punkt, wo sich aus allen vier Himmelsrichtungen zwei Kreisstraßen und eine Landesstraße am westlichen Ortsrand von Kisdorf treffen. Die „Wesselkreuzung “, umgangssprachlich benannt nach dem anliegenden Autohaus, ist mit ihren Wartezeiten von durchschnittlich 90 Sekunden in der Rush-Hour ein altbekanntes Ärgernis.

Geht es nach der schleswig-holsteinischen Landesregierung, hat die Kreuzung bald ausgedient – ein „Wesselkreisel“ soll dafür gebaut werden, wie Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) bei einem Ortstermin noch einmal versicherte. Endlich, werden die Befürworter des Vorhaben in der Gemeinde und im Kreis sagen, denn die mögliche Umgestaltung des Knotenpunktes hat bereits viele Politiker-Generationen beschäftigt. Quasi genauso oft gab es Zusagen, bevor in der Regel die ungeklärte Finanzierung das Projekt wieder auf Eis legte.

„Kreisverkehre funktionieren“

In den letzten Monaten hatte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr noch einmal drei mögliche Varianten verglichen. Einerseits hätte die Kreuzung so belassen werden können wie heute – eine ernsthafte Option war dies nicht. Dann wurde die Erweiterung auf vier Linksabbiegespuren durchgespielt – baulich machbar, aber mit 700.000 Euro sehr teuer. Blieb nur noch der Kreisel. „Ich bin ein Freund davon“, sagte Minister Meyer. „Kreisverkehre funktionieren, der Verkehr bleibt im Fluss, solange Rücksicht genommen wird.“

Der LBV gab eine gleichlautende Empfehlung ab und nannte einen groben Kostenrahmen von 460.000 Euro. Aus dem Landeshaushalt kämen hierfür 220.000 Euro, der Rest müsste vom Kreis übernommen werden. „Nun müssen wir gemeinsam mit dem Kreis Segeberg klären, ob er bereit ist, seinen Kostenanteil zu übernehmen und wie schnell wir in die konkrete Bauplanungen einsteigen können“, sagte Reinhard Meyer.

Geschmeidigere Lösung

Zweifel gibt es diesbezüglich seitens der Verwaltung offenbar keine mehr. „Das Land hat als Bauträger den Startschuss gegeben, jetzt werden wir als Kreis das Geld auch bereitstellen“, so Thomas Falck, Leiter des Fachbereichs für Umwelt, Planen und Bauen. „Wir bauen an vielen Stellen Kreisverkehre, insbesondere nördlich und östlich von Bad Segeberg. Für den Verkehrsfluss sind sie die geschmeidigere Lösung.“ Inwiefern für Kisdorf noch einmal ein politischer Beschluss nötig sei, müsse geprüft werden. Grundsätzlich würden sämtliche Planungsschritte aber nochmal den zuständigen Gremien – in diesem Fall der Ausschuss für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Infrastruktur – vorgelegt werden.

Eine zentrale Frage dürfte dann die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern sein. „Wir können Zebrastreifen oder Fußgängerfurten machen, das reicht normalerweise“, sagte Thies Kohlsaat, zuständiger Dezernatsleiter beim LBV in Kiel.

Baustart für 2017 geplant

Der Kreis hätte einen Durchmesser von 32 Metern und wäre einspurig, böte aber trotzdem ausreichend Spielraum selbst für Sattelschlepper. Vorgesehen ist, dass alle Planungen 2016 durchgeführt werden und schließlich im Sommer 2017 gebaut wird.

Damit das Grundstück des angrenzenden Autohauses unberührt bleibt, wird der Verkehrsknoten um etwa zehn Meter nach Osten verlegt. Die Zufahrt zur Firma Wessel soll auch während der Baumaßnahmen gewährleistet sein. „Entweder wir machen eine Umleitung oder eine neue Zufahrt“, sagt Bürgermeister Reimer Wisch. „Die Firma Wessel ist einer der größten Steuerzahler der Gemeinde, sie wird tangiert, aber es darf für sie nicht existenzbedrohend sein, wenn hier ein Kreisel entsteht.“

In Kisdorf gibt es allerdings nicht nur Freunde des Infrastrukturprojektes. Jörg Seeger, örtlicher FDP-Vorsitzender und Sprecher der Interessengemeinschaft „Verkehrsentlastung in Kisdorf“, steht dem Kreisverkehr weiterhin kritisch gegenüber. „Einen Stau haben wir hier doch nur in der Hauptverkehrszeit von 7 bis 9 Uhr, danach nimmt es rapide ab.“ Er befürchtet, dass die Gemeinde künftig erst recht als Umleitungsstrecke missbraucht werde. „Wir wollen keinen zusätzlichen Verkehr hier.“