Norderstedt
Repair-Café

Reparieren statt wegwerfen lautet das Motto

Frank Stascheit hat seinen großen Werkzeugkoffer ins Repair-Café mitgebracht

Frank Stascheit hat seinen großen Werkzeugkoffer ins Repair-Café mitgebracht

Foto: Wolfgang Klietz

Im Gemeindezentrum Harksheide helfen Experten kostenlos weiter. Die Idee für dieses Nachbarschaftsprojekt stammt aus den Niederlanden.

Norderstedt.  Ein bisschen fühlen sich die Experten im Norderstedter Repair-Café wie die Gelben Engel vom ADAC: Sie wollen helfen, wissen aber nicht, was auf sie zukommt. Hans-Rudolf Fahrni kennt sich zwar mit Handwerk aus und repariert im Kindergarten seiner Frau alles von der Garderobe bis zum Wasserhahn. Doch einen Nussspender hat auch er nie zerlegt. „Das ist ein spaßiger Nachmittag“, sagt der Werbefachmann. „Man lernt nette Leute kennen.“

Für Fahrni, die anderen Helfer und die Besucher war das Repair-Café im Gemeindezentrum Harksheide eine Premiere. Erstmals hatten die Evangelische Familienbildungsstätte und die Zukunftswerkstatt Norderstedter eingeladen. Auf den Tischen wurden Drucker und DVD-Brenner zerlegt, Nähmaschinen ratterten, Fahrräder wurden in Schuss gebracht. Nicht wegwerfen, sondern reparieren lautete die Devise. Fachleute griffen kostenlos zum Werkzeug und halfen den Besitzern bei der Reparatur.

Mit dem Nussspender gab es ein Problem. Das Gerät aus dem 40er-Jahren stammt von einem Flohmarkt. Steckte man zehn Pfennige hinein, kamen kurz darauf per Drehknopf Nüsse heraus. Fünf Eurocent funktionierten auch – bis vor Kurzem.

„Das klemmt“, sagt Barbara Werlé, die den Automaten ins Repair-Café trug. Fahrni wusste Rat, lockerte alle Schrauben, zerlegte den Nussspender und entdeckte eine verkantete Münze. Jetzt gibt es wieder Nüsse.

Als Angelika Franz von der Familienbildungsstätte und Cornelia Büchner von der Zukunftswerkstatt das Projekt im April gründeten, meldeten sich 40 Experten, die zu Schraubendreher, Messgerät sowie Nadel und Faden greifen wollten. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Cornelia Büchner. „Reparieren muss selbstverständlich sein.“ Wer sein defektes Gerät nicht wegwerfe, sondern repariere, schone Ressourcen. Außerdem sei das Repair-Café als Nachbarschaftsprojekt geplant, sagt Angelika Franz.

Die neue Anlaufstelle sei kein Reparaturbetrieb, sagt sie. Die ehrenamtlichen Experten wollen der Wirtschaft nicht die Arbeit wegnehmen.

Das Konzept ist nicht neu. 2014 gab es weltweit 700 Repair-Cafés. Die Initiative stammt aus den Niederlanden, 2009 wurde das erste Reparatur-Café in Amsterdam eröffnet. In Hamburg gibt es schon mehrere Ableger, auch in den Nachbarkreisen Pinneberg und Stormarn hat die Anti-Müll-Initiative Fuß gefasst. Wer mit einem defekten Gerät ins Café kommt, muss vor der Reparatur Papiere unterschreiben. Die Hausordnung muss anerkannt werden. Auch die Regelung der Haftpflicht gehört dazu. „Wir können nicht für Schäden aufkommen, das gilt besonders für Elektrogeräte“, sagt Angelika Franz.

Mit Elektrogeräten kennt Frank Stascheit sich aus. Vor ihm liegt ein defekter Heizlüfter. Erst einmal muss er die Leitungen durchmessen. „Manchmal ist es Zeit für eine gute Tat“, sagt der Mann, der als Servicetechniker gearbeitet hat. „Außerdem möchte ich dabei helfen, Ressourcen zu sparen.“

Die Hilfe hat jedoch ihre Grenzen. Monika Vukan-Schreiber ist seit Jahrzehnten Hobbynäherin, weiß, wie Flicken auf die Hose kommen, wie aus einer Jacke eine Weste wird und wie der Knopf am besten an der Bluse hält. Einen Reißverschluss in eine Lederjacke einzunähen, das wäre jedoch zu viel für die Möglichkeiten des Repair-Cafés, sagt sie.

Angelika Franz und Cornelia Büchner suchen für die nächsten Repair- Cafés im August und November noch Experten für Kameras und Schmuck. Ein Fachmann für Uhren hat sich bei der Premiere bei ihnen gemeldet. Richard Zak repariert seit mehr als 30 Jahren alles, was tickt und größer als eine Armbanduhr ist. „Meine Frau hat von dem Projekt in der Zeitung gelesen und mich informiert“, sagt er. „Beim nächsten Mal bringe ich mein ganzes Werkzeug mit.“

Infos bei Cornelia Büchner, Telefon 0160/91 55 35 05, und per E-Mail (repaircafé-norderstedt@gmx.de).