Norderstedt
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Jubiläum: Ehepaar Asche feiert Gnadenhochzeit

Vor 70 Jahren, einen Monat nach Ende des Zweiten Weltkriegs, haben Betty und Heinz Asche in Friedrichsgabe geheiratet.

Norderstedt.  Die Morgensonne scheint, ein schöner Sommertag kündigt sich an. Heinz Asche, 95, und seine Frau Betty, 89, sind früh aufgestanden. Sie warten auf die ersten Gäste. Heute feiert das Jubelpaar die Gnadenhochzeit. Heinz und Betty Asche aus Norderstedt sind seit 70 Jahren verheiratet. „Wir haben bewegte Zeiten erlebt, das Leben war nicht immer einfach“, sagt Heinz Asche. „Die Frau an meiner Seite ist mit mir immer durch dick und dünn gegangen. Wir haben ein tolles Familienleben geführt und sind voll zufrieden.“ Betty lächelt und bestätigt: „Wir sind gut über die Runden gekommen.“

Am 9. Juni 1945, einen Monat nach Ende des Zweiten Weltkriegs, haben sie geheiratet. Mit geliehenen Fahrrädern, die Papiere in der Tasche, fuhren Heinz Asche und Betty Krückmann vormittags zum Standesamt nach Quickborn. Nachmittags kam der Pastor zur Trauung auf den 200 Jahre alte Bauernhof von Bettys Eltern in Friedrichsgabe.

Mit der U-Bahn zu seiner Betty

Heinz Asche, sechs Jahre Soldat, zuletzt Stabsgefreiter bei einem Flakscheinwerfer-Regiment, hatte sich in den letzten Kriegstagen bei seiner Verlobten versteckt. Der Kradmelder, der kurz vor Toresschluss in Polen eine Unterschenkelverletzung erlitten hatte, war auf Genesungsurlaub gewesen.

„Am 26. April musste ich mich beim Wehrbezirkskommando in der Kirchenallee in Hamburg melden und erhielt einen Marschbefehl in den Osten“, erinnert er sich. Asche wusste, dass der Krieg, der ihn bis Charkow und Kiew in der Ukraine geführt hatte, verloren war: „Ich ging deshalb das Risiko ein und fuhr mit der U-Bahn zu meiner Betty nach Friedrichsgabe. Ich hatte Glück, die Feldgendarmen haben mich nicht erwischt.“

Der gelernte Frisör, aufgewachsen in der Nähe von Bad Sachsa/Harz, schlug sich mit seiner jungen Frau und den 1947 bis 1950 geborenen Kindern Hannelore, Rudolf und Margot mühsam durchs Leben – er half unter anderem seinen Schwiegereltern auf dem Bauernhof.

Jahre später machte sich Heinz Asche mit einem Fuhrbetrieb und Gebrauchtwagenhandel selbstständig. Er hatte Glück, denn er lernte Karl Bertrams, den Fuhrparkleiter des Axel Springer Verlages in Hamburg, kennen. Bessere Zeiten brachen an. Heinz Asche kaufte die ausrangierten Dienst- und Privatwagen aus dem Fuhrpark des Medien-Zaren auf und verkaufte sie wieder.

Feier im Familienkreis

Eine Transaktion hat er nicht vergessen: „Im Jahre 1972 kaufte ich den Mercedes 600 von Karl-Andreas Voss. Das war der Geschäftsführer und Mitbegründer des Springer-Verlags. Meine Frau, die seit 1952 einen Führerschein besitzt, hat uns mit diesem Prachtauto in den Harz kutschiert.“ Betty Asche erinnert sich: „Überall, wo wir hinfuhren, wurden wir bestaunt.“ Später kam der 600er auf Umwegen in den Besitz einer Dame aus dem horizontalen Gewerbe.

„Ich bin ein geselliger Mensch“, sagt Heinz Asche, der sich auch heute noch ans Steuer setzt. Viele Jahre hat er Soldatentreffen organisiert, regelmäßig hat er mit seiner Betty, die im Besitz eines Führerscheins Klasse 2 (für Lkw) ist, Urlaub am Plattensee in Ungarn gemacht.

Am Dienstag (9. Juni) feiert das Jubelpaar in seinem Einfamilienhaus in Friedrichsgabe im Kreis der Familie mit drei Kindern, fünf Enkeln und fünf Urenkeln sowie mit Freunden und Verwandten die Gnadenhochzeit.