Norderstedt
Rettungsdienst

Viele Leben gerettet und tolle Tipps mitgenommen

Sainab Akbarzada, 21, (links) und Kimberley Stendel, 22, nahmen viele Tipps vom Ausbildungstag mit

Sainab Akbarzada, 21, (links) und Kimberley Stendel, 22, nahmen viele Tipps vom Ausbildungstag mit

Foto: Michael Schick

Von Atemnot bis zum Verkehrsunfall – künftige Rettungsassistenten aus ganz Schleswig-Holstein trainierten in Kaltenkirchen für den Ernstfall.

Kaltenkirchen.  „Wie geht es dir? Hast du Schmerzen? Kannst du Arme und Beine bewegen?“ Sainab Akbarzada und Kimberley Stendel hocken am Rand des Schwimmbeckens und versuchen, den Gesundheitszustand der jungen Frau zu ermitteln, die da vor ihnen im Wasser liegt, gestützt von Till Asmus, Leiter des Kaltenkirchener Freibads, und einer DLRG -Helferin. Die junge Frau war mit einem Kopfsprung ins Becken gehechtet, obwohl das an der Stelle extrem flach ist. Sie war mit dem Kopf auf den Boden geknallt und hatte sich an der Halswirbelsäule verletzt.

Nun versuchte sie, die Fragen von Sainab Akbarzada und Kimberley Stendel zu beantworten – die beiden lassen sich beim DRK zu Rettungsassistentinnen ausbilden, der Einsatz am Beckenrand war Teil einer groß angelegten Übung. Die Verletzte zählte zu den Mimen, die sich tatsächlich bester Gesundheit erfreuten, an diesem Tag aber stöhnten, schrien, wimmerten und weinten, dass so mancher Schauspiel-Profi vor Neid erblasst wäre.

Jede Menge Unfallszenarien

Zehn Azubis für den Rettungsdienst waren aus ganz Schleswig-Holstein nach Kaltenkirchen gekommen, um unter der Regie des DRK-Kreisverbandes Segeberg für die Abschlussprüfung zu trainieren. Und die Organisatoren hatten den Ausbildungstag mit jeder Menge Unfallszenarien vollgepackt, die sie über das gesamte Stadtgebiet verteilt hatten.

Die Aufgaben reichten von kleineren Einsätzen bei Atemnot, einem Krampfanfall, Bewusstlosigkeit oder Reanimation und Schussverletzungen bis zu größeren Herausforderungen, an denen eine Vielzahl von Rettungskräften beteiligt war. Mit im Boot war die Freiwillige Feuerwehr Kaltenkirchen, die den Tag ebenfalls zum Üben nutzte. Die Feuerwehrleute rückten aus, um eingeklemmte Menschen nach einem Verkehrsunfall aus dem Fahrzeug zu holen, um Verschüttete zu befreien und Feuer zu löschen. Auch die Spezialisten von der Höhenrettung waren mehrfach gefordert. Von 8 bis weit nach dem geplanten Übungsende um 16 Uhr waren die Azubi-Teams im Einsatz, am Ende ziemlich geschafft und voller Tipps, was sie noch besser machen können.

Voll in Aktion waren die 22-jährige Kimberley Stendel und ihre Kollegin Sainab Akbarzada, 21, als sie zu einem Verkehrsunfall ins Gewerbegebiet an der Carl-Zeiss-Straße gerufen wurden. Eine verletzte Fußgängerin lag auf dem Gehweg, offenbar von dem roten Pkw angefahren, der wenige Meter weiter gegen einen Stein geprallt war. Drinnen saßen Fahrer und Beifahrer, verletzt und so eingeklemmt, dass Feuerwehrleute die beiden mit Spezialgerät befreien mussten.

„Gut gefallen hat mir, dass ihr mit dem Rettungswagen langsam an der Unfallstelle vorbei gefahren seid, euch einen Überblick verschafft und das Fahrzeug so weit vom Unfallort entfernt abgestellt habt, dass es bei den Rettungsarbeiten nicht im Weg stand“, sagte Sven Ehmke bei der Analyse in der Feuerwache. Der Lehrrettungsassistent des DRK-Kreisverbandes gehörte wie Notärzte und erfahrene Rettungsassistenten zu den Beobachtern und war mit Block und Schreiber immer nah dran am Einsatzgeschehen.

Doch eher als sich dann sofort um die Verletzten zu kümmern, hätten die beiden jungen Frauen eine Meldung absetzen und weitere Einsatzkräfte anfordern müssen, lieber zu viele als zu wenige. „Melden macht frei“, sagte Ehmke, Arbeit und Verantwortung werden auf mehrere Schultern verteilt. Besser wäre gewesen, sich anschließend zu trennen, eine hätte sich um die Fußgängerin, die andere um die Fahrzeug-Insassen kümmern müssen.

Heft des Handelns in der Hand behalten

Zudem hätten sich die beiden nicht so stark zurückziehen und der Feuerwehr die Arbeit überlassen dürfen. „Ihr müsst das Heft des Handelns in der Hand behalten“, lautete der Tipp einer erfahrenen Beobachterin auch an ein anderes Azubi-Team. Doch die beiden Rettungsassistentinnen in spe bekamen auch Lob: „Die Informationen zum Gesundheitszustand waren präzise und umfassend“, sagte die Notärztin. So hätten die Azubis nicht nur auf die wahrscheinliche Fraktur des rechten Unterschenkels hingewiesen, sondern auch darauf, dass sich die Bauchdecke zunehmend spannen würde, was auf innere Verletzungen und eine Einblutung hindeuten könne. Es ist nicht immer leicht, kühlen Kopf zu bewahren, vor allem dann nicht, wenn wie in diesem Fall auf dem Beifahrersitz ein Mädchen sitzt, das unaufhörlich weint.

Beim letzten Einsatz im Freibad handelten Sainab Akbarzada und Kimberley Stendel überlegt, vergaßen aber, der jungen Frau eine Decke überzulegen. Die Darstellerin fror tatsächlich, und bei einer echten Verletzung an der Halswirbelsäule hätte der Kreislauf noch stärker schlappmachen können.

„Dieser Ausbildungstag ist eine gute Sache, weil wir unter realen Bedingungen üben können“, sagten Sainab und Kimberley. Man müsse sich extrem konzentrieren und immer 100 Prozent geben. Sie haben sich für den Beruf entschieden, weil er abwechslungsreich ist, Kontakte zu immer anderen Menschen bringt und sie helfen wollen.