Norderstedt
Zu teuer

Das Kirchencafé Einmahlig schließt nach elf Jahren

Die Mitarbeiterinnen Yuri Meisterknecht, 48, Tanja Beyer, 43, Wiebke Mademann, 45, und Annelie Urbach, 62, (von links) servieren die letzten Mahlzeiten

Die Mitarbeiterinnen Yuri Meisterknecht, 48, Tanja Beyer, 43, Wiebke Mademann, 45, und Annelie Urbach, 62, (von links) servieren die letzten Mahlzeiten

Foto: Michael Schick

Am 30. Juni endet vorerst die Geschichte des beliebten Treffpunkts. Diakonie und Kirchengemeinde können den Betrieb nicht mehr bezahlen.

Norderstedt.  „Wir haben immerhin elf Jahre durchgehalten, länger als manche Restaurants in der Umgebung. Aber alles hat mal ein Ende“, sagt Annelie Urbach. Die 62-Jährige zählt zu den Initiatorinnen. Doch nun endet die Geschichte des Cafés Einmahlig ; am 30. Juni servieren die Mitarbeiterinnen zum letzten Mal Mittagessen.

Der Betrieb ist zu teuer. Die Kirchengemeinde Harksheide und der Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein können die Kosten nicht mehr tragen. 6000 Euro im Jahr kamen von der Kirchengemeinde, 10.000 Euro jährlich hat der Kirchenkreis in den vergangenen drei Jahren zugeschossen, denn: Der Treffpunkt konnte sich nicht allein finanzieren. „Unsere Unterstützung war von vornherein auf drei Jahre angelegt. Wir wollten ausprobieren, ob sich eine solche Einrichtung wirtschaftlich betreiben lässt. Leider ist das trotz des großen Engagements aller Beteiligten nicht gelungen“, sagt Andrea Makies, Geschäftsführerin beim Diakonischen Werk des Kirchenkreises. Eine diakonische Einrichtung setze andere Prioritäten als ein Wirtschaftsbetrieb.

Treffpunkt für ältere und alleinstehende Menschen

Vor elf Jahren hatte das Café in der Kirche seine Türen geöffnet. Die Gemeinde wollte einen Raum anbieten, in dem sich Menschen treffen und austauschen können, und das alles bei einem Mittagessen. „Vor allem ältere und alleinstehende Menschen in Norderstedt haben das Angebot angenommen, letztlich aber reichte die Zahl der Besucher nicht, um die Kosten im Zaum zu halten“, sagte Andrea Makies.

Gut 20 Essen zu Preisen zwischen drei und 6,90 Euro seien mittags ausgegeben worden. Doch 50 bis 60 Essensportionen pro Tag wären nötig gewesen, um die Kosten zu decken. „Dafür ist die Küche aber nicht leistungsfähig genug, und auch die Zahl der Mitarbeiter hätten wir dann wahrscheinlich aufstocken müssen“, sagt der Harksheider Pastor Christian Wollmann. Sein Vorgänger, Pastor Gunnar Urbach, und der Verein Treffpunkt Falkenberg hatten dem Café weiteres Leben eingehaucht, den Raum im Gemeindezentrum zum Veranstaltungsort gemacht. Der Verein lud ein zur Inforeihe „Essen mit den Heiligen“, bei der Urbach heilige Männer und Frauen vorstellte und Gastronom Günther Hartz dazu Leckeres auf die Teller brachte, zu Kleinkunst und Kaffeeklatsch. „Diese Lesungen mit Musik am Sonntagnachmittag waren sehr beliebt“, sagt Urbach, der sich dafür bedankt, dass der Verein den Raum kostenlos nutzen durfte. Im Gegenzug haben die Veranstalter den Betrieb des Kirchencafés mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Kuchen und Getränken unterstützt.

Verein sucht neue Räume

Nun sucht der Verein neue Räume für die Veranstaltungen. Da zeichnet sich eine erste Lösung ab: Das Essen mit den Heiligen soll künftig mit dem gleichen Koch in den Eichenstuben im Norderstedter Hof über die Bühne gehen. Die Vereinsmitglieder werden sich am 25. Juni treffen, um zu besprechen, ob und wie es weitergeht.

Ende Juni will sich auch die Kirchengemeinde mit der Zukunft des jetzigen Cafés auseinandersetzen. „Klar ist, dass wir den Raum nicht vermieten, sondern als Treffpunkt erhalten wollen“, sagt Pastor Wollmann. Gastronomen hätten Interesse gezeigt, den Raum kommerziell zu nutzen. Es gebe eine Gruppen von Ehrenamtlichen, die sich Gedanken über die künftige Nutzung machen.

Und einen Erfolg verzeichnen die Beteiligten auch: Drei der vier Mitarbeiter, die im Kirchencafé gearbeitet haben und auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln gewesen seien, werden in Einrichtungen der Diakonie weiter beschäftigt. Sie werden die Mitarbeiter in den kirchlichen Kitas „Unter den Eichen“ und „Das bunte Haus“ unterstützen.

Zum letzten Mal Kleinkunst

Das Duo Summertree bietet am Sonntag, 21. Juni, von 19 Uhr an zum letzten Mal Kleinkunst im Kirchencafé Einmahlig. Sylvia Dimer und Martin Ziemsky versprechen mit Songs aus Pop und Jazz abwechslungsreiche Unterhaltung. Dazu gibt es Getränke und kleine Snacks. Der Eintritt kostet zehn Euro, Karten gibt es telefonisch unter 040/ 60 92 51 03 (Anrufbeantworter), per E-Mail an kleinkunst@treffpunkt-falkenberg.de sowie montags bis freitags von 12 bis 14 Uhr im Café und am Veranstaltungstag ab 18 Uhr an der Abendkasse.