Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Nachhilfe von der Erlöserkirche

Elena Pöhls (stehend) ist eine Tutorinnen des Lernkreises Henstedt. Für das Foto hilft sie Nele (links) und Jule bei Mathematik

Elena Pöhls (stehend) ist eine Tutorinnen des Lernkreises Henstedt. Für das Foto hilft sie Nele (links) und Jule bei Mathematik

Foto: Helge Buttkereit

Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich im neuen Lernkreisel Henstedt. Angeboten wird kostenloser Unterricht.

Henstedt-Ulzburg.  Ein wenig fühlen sie sich schon wie ein elitärer Club in der Jugendarbeit der Erlöserkirche Henstedt, stellt Malte Hobe fest. Das aber habe sie schon lange gestört. „Wir gehen eigentlich alle aufs Gymnasium und auch unser Freundeskreis ist darauf ausgerichtet“, sagt der 18-Jährige. Er engagiert sich im Leitungskreis der Jugendarbeit im Bezirk Henstedt der Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg. Nach einer Anfrage in die Richtung hatte seine Schwester eine gute Idee: Warum bieten wir nicht Nachhilfe an? Kostenlos und vor allem für die, die es sich sonst nicht leisten können?

Aus der Idee wurde rasch ein Projekt mit dem Namen Lernkreisel Henstedt. Träger ist die Kirchengemeinde, unterstützt wird es vom Verein Bildung durch Begeisterung, in dem sich Ehemalige aus der Jugendarbeit der Kirchengemeinde zusammengeschlossen haben. Das Projekt ist jetzt gestartet und hat auch schon so etwas wie einen Stundenplan: Montag von 17 bis 18 Uhr Deutsch, Dienstag von 14.30 bis 15.30 Uhr Mathe und Mittwoch von 17 bis 18 Uhr Englisch.

„Wir können aber alle Fächer anbieten, die am Alstergymnasium unterrichtet werden“, ergänzt Malte Hobe. Interessenten können sich per E-Mail bei den vier Initiatoren melden, unterrichtet werden soll dann in Kleingruppen im Gemeindehaus der Erlöserkirche an der Kisdorfer Straße. Wer mitmachen will, muss nicht in einer Kirche sein. Besonders freuen sich die Initiatoren, wenn sie Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln unterstützen können. „Wir wollen uns mit diesem Projekt in unserer Gemeinde diakonisch engagieren“, sagt Hobe. In der Gemeinde passiere es schnell, dass man unter sich bleibe. Mit dem Projekt des Lernkreisels wollen die Jugendlichen nun herausgehen, hoffen das neue Leute angesprochen werden und damit vielleicht erstmals überhaupt Kontakt zur Kirche knüpfen. Im Kern aber geht es um die Nachhilfe.

„Wir haben bewusst auf den Begriff des Lehrers verzichtet“

Deswegen hoffen die engagierten Jugendlichen nun auf jede Menge Schüler der Klassenstufen fünf bis zehn. „Grundschüler lernen mehr durch Pädagogik als durch Fachwissen, das wir vermitteln können“, erklärt Finn Petersen, der zu den Initiatoren gehört. „Wenn man etwas in der Grundschule falsch lernt, ist es schwer, das wieder herauszubekommen.“ Ältere Schüler aus der Qualifizierungsphase der Oberstufe könnten wiederum im Unterricht weiter als die gleichaltrigen Tutoren sein, das bringe auch nicht viel, meint Petersen. Deswegen sei die Eingrenzung sinnvoll.

„Wir haben bewusst auf den Begriff des Lehrers verzichtet und nennen uns Tutoren. Das zeigt, dass wir auf gleicher Ebene mit den Schülern sind“, sagt Malte Hobe, der wie seine Mitstreiter von studierten Pädagogen aus dem Verein Bildung durch Begeisterung auf die Aufgabe vorbereitet wurde. Da Nachhilfe nur durch Kontinuität funktioniert, werden verbindliche Anmeldungen erwartet. „Wir telefonieren den Schülern auch hinterher, wenn sie fehlen. Die Verbindlichkeit ist für Schüler und Eltern besser“, sagt er. Damit künftig möglichst viele Nachhilfeschüler im Gemeindehaus unterstützt werden können, muss das neue Angebot jetzt bekannt gemacht werden. Auf der Website der Erlöserkirche steht ebenso etwas über den Lernkreisel wie im jüngsten Gemeindebrief. Außerdem haben die Initiatoren schon mit den Leitern von Orientierungs- und Mittelstufe auf dem Alstergymnasium gesprochen. Auch die Olzeborchschule steht in Kürze an. „Wir denken, dass die Lehrer gut im Blick haben, wer Nachhilfe braucht – und wer dafür bezahlen kann, wer nicht“, sagt Finn Petersen und zeigt eine kleine Visitenkarte, die an den Schulen verteilt wird. Sie enthält die wichtigsten Informationen und Kontaktdaten und erreiche so vielleicht am besten die Eltern der Schüler. Das habe mehr Chancen als die mündliche Weitergabe, weiß der 17-Jährige aus eigener Erfahrung. Eine solche Visitenkarte sei da ideal und wird in Kürze vermutlich bei einigen Henstedt-Ulzburger Schülern aus der Tasche fallen. Malte Hobe (Deutsch), Finn Petersen (Englisch), Lenonhard Seyfarth (Mathe), Elena Pöhls (Deutsch/Englisch) und Annika Multusch (Mathe) hoffen dann auf möglichst viele Nachhilfeschüler.

Weitere Informationen zum Lernkreisel Henstedt gibt es im Internet unter http://www.kirche-henstedt.de/#/Lernkreisel. Die Initiatoren sind unter der E-Mail-Adresse lernkreisel@kirche-henstedt.de zu erreichen und wünschen sich für den ersten Kontakt Name, vollständige Anschrift, Alter und Klassenstufe der Schüler, das benötigte Fach sowie eine Telefonnummer für den weiteren Kontakt. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden kommen den Tutoren für eine Gemeinschaftsaktion zugute.