Norderstedt
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Umsätze an der Ulzburger Straße brechen kräftig ein

Die Geschäftsleute Esther Eybächer, Enrique Johnson und Silke Tams (von links) müssen Umsatzeinbußen verkraften

Die Geschäftsleute Esther Eybächer, Enrique Johnson und Silke Tams (von links) müssen Umsatzeinbußen verkraften

Foto: Michael Schick

Geschäftsleute spüren die Folgen der Baustelle. Sie setzen darauf, dass die Straße demnächst attraktiver wird.

Norderstedt.  Seit gut sechs Wochen ist die Ulzburger Straße Baustelle, läuft Phase eins der Bauarbeiten, die der Norderstedter Hauptverkehrsader zu mehr Attraktivität verhelfen sollen. Zwischen Waldstraße und Glashütter Weg wird die östliche Seite erneuert, die Straße ist nach Norden gesperrt, der Verkehr wird umgeleitet – die Geschäftsleute bekommen die Folgen der einseitigen Sperrung zu spüren: Die Umsätze brechen ein, bis zu 25 Prozent weniger nehmen die Händler seit Beginn der Bauarbeiten ein.

„Rund 25 Prozent der Einnahmen sind uns weggebrochen“, sagt Silke Tams vom Juweliergeschäft Ilschner. Enrique Johnson, Filialleiter von Rewe an der Ulzburger Straße, spricht von 15 Prozent. „Allerdings ist fraglich, ob das alles den Bauarbeiten geschuldet ist“, sagt er. Das Wetter spiele auch eine Rolle. Der Mai sei relativ kühl gewesen, die Kunden hätten den Getränkemarkt nicht so frequentiert wie in wärmeren Monaten. Johnson geht aber davon aus, dass der Großteil des Umsatzeinbruchs auf die Baustelle zurückzuführen ist.

Umsatzrückgang von 20 Prozent

Auch Esther Eybächer kämpft mit sinkenden Kundenzahlen, die Geschäftsfrau vom Bioladen „Jahreszeiten“ spricht von 20 Prozent weniger Umsatz, seitdem die Bauarbeiter angerückt sind. Sie muss ihren Laden sogar schließen, allerdings nicht nur wegen des Umsatzrückgangs, wie sie sagt: „Es werden demnächst voraussichtlich drei große Bioläden in Norderstedt eröffnen“, sagt die gelernte Kauffrau, die den Naturkostladen vor sechs Jahren übernommen hat. Einer solchen Konkurrenz sei sie mit ihrem vergleichsweise kleinen Laden nicht gewachsen.

„Dass wir finanziell unter der Baustelle leiden werden, war uns von vornherein klar“, sagt Silke Tams. Sie und ihre Kollegen müssten Opfer bringen, damit das von allen seit langem geforderte und dringend nötige Ziel erreicht werden könne: Der Aus- und Umbau der zentralen Norderstedter Nord-Süd-Achse zu einer Einkaufsstraße, die durch ein attraktiveres Ambiente zum Bummeln und Shoppen einlädt. Den Begriff Flaniermeile, in der Vergangenheit immer wieder gern gebraucht, lehnt sie ab. Ein solches Attribut passe zu Einkaufsprachtstraßen in den großen Metropolen, wo sich ein Edel-Laden an den anderen reiht. Für Norderstedt und die vergleichsweise kleine Ulzburger Straße wecke ein solches Etikett überzogene Erwartungen.

„Seit sieben Jahren diskutieren Anlieger, Verwaltung, Geschäftsleute und Politiker über das Projekt. Nun wird es Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt die Inhaberin des Juweliergeschäftes. Sie sei zuversichtlich, dass das Fachgeschäft die Bauzeit übersteht.

Auch Henning Schurbohm, Vorsitzender des Initiativkreises Ulzburger Straße, sieht optimistisch nach vorn und verweist auf die Pläne, die der Straße mehr Glanz und bessere Geschäfte bescheren sollen. Gemeinsam habe man sich diesem Ziel verschrieben.

„Und es muss doch jeder wissen, dass eine Baustelle vor der Tür weniger Kunden nach sich zieht“, sagt Schurbohm, Chef von Elektro-Alster-Nord. Das sei spätestens seit dem Um- und Ausbau des Verkehrsknotens Ochsenzoll klar. Da hatten die Geschäftsleute vom Einkaufsquartier Schmuggelstieg Umsatzeinbußen beklagt. Schurbohm und seine Mitarbeiter spürten das allerdings nicht. Das Fachgeschäft lebe weniger von der Frequenz als vom Verkauf von Großgeräten. Mögliche Umsatzeinbußen allein auf die Bauarbeiten zu schieben, greife manchmal zu kurz. Andere Faktoren wie das Wetter oder saisonale Schwankungen spielten ebenfalls ein Rolle.

Arbeiten sollen bis Jahresende beendet sein

Es sei positiv und mit der Stadt von vornherein vereinbart, dass der Straßenabschnitt nicht komplett gesperrt wurde. Die Zufahrten zu den Geschäften und Parkplätzen seien frei, die Umleitung sei gut ausgeschildert. Der Verkehr wird während der kompletten Bauzeit des ersten Abschnitts ausschließlich in Nord-Süd-Richtung fließen, auch wenn die andere Fahrbahnseite erneuert wird. Wichtig sei, dass die Arbeiten im Zeitplan bleiben und die Informationen der Stadt weiter schnell und verlässlich fließen. „Wir wünschen uns, dass uns die Kunden trotz der Einschränkungen die Treue halten“, sagt Schurbohm.

Bisher liegen die Arbeiten nach Aussage der Verwaltung im Zeitplan, sie sollen bis Jahresende beendet sein. Der Ausbauplan sieht vor, dass im nächsten Jahr der zweite Bauabschnitt zwischen Langenharmer Weg und Rathausallee neu gestaltet wird. Den Abschluss der insgesamt knapp zwei Kilometer langen Ausbaustrecke bildet der Bereich vom Glashütter Weg bis Harckesheyde. „Angesichts der anhaltend hohen Zahl an Flüchtlingen, die Norderstedt unterbringen und betreuen muss, stehen zurzeit viele Projekte auf dem Prüfstand. Es kann sein, dass die Prioritäten anders gesetzt und der weitere Ausbau der Ulzburger Straße verschoben wird“, sagt Rathaussprecher Bernd-Olaf Struppek.