Norderstedt
NZ-Regional

Formel 1 auf dem Fahrrad

Rennfahrer sollen bekanntlich über ein extrem schnelles Reaktionsvermögen verfügen. Na und? Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, muss ich auch pausenlos in Bruchteilen von Sekunden reagieren und Entscheidungen treffen. Ich rolle zum Beispiel auf eine Ampel zu, die schon lange Grün zeigt. Was nun? Aus Leibeskräften beschleunigen, oder eine satte Vollbremsung hinlegen? Wie verhält sich der Fußgänger auf dem kombinierten Rad- und Gehweg, wenn ich klingele? Weicht er nach rechts oder nach links aus oder bleibt er einfach stehen, dreht sich um und schimpft?

Seitlich kommt mir ein Knirps mit seinem Kinderrad in die Quere, zehn Meter weiter versucht eine Rollator-Fahrerin, ihre Gehhilfe einzuparken. Dann will ein Terrier an mir seinen Jagdtrieb ausleben. Bis Frauchen endlich seine Teleskopleine blockiert, bringt mich der Kläffer in akute Lebensgefahr. So geht es Schlag auf Schlag. Doch per Slalomkurs bewältige ich alle Hindernisse und das – wohlgemerkt – ohne qualifizierte Ausbildung.

Auch abseits des Getümmels ist beim Radeln über Land volle Konzen­tration erforderlich. Immer wieder haben es Insekten auf mich abgesehen. Deren Angriffen weiche ich genauso geschickt aus wie den per Luftpost herabfallenden Hinterlassenschaften von Tauben, Krähen und Zugvögeln. Gar nicht zu reden vom unkontrollierten Wildwechsel: Neulich hätte mich fast ein Kaninchen gerammt.

Und was macht unser Formel-1-Pilot Sebastian Vettel? Der fährt, wenn er es denn packt, ohne Gegenverkehr dem Feld voraus im Kreis herum und beschäftigt beim Tanken und Reifenwechsel noch ein halbes Dutzend Helfer. Den möchte ich mal auf meinem Fahrrad im Verkehrsgewühl erleben.