Norderstedt
Prozess

Müllauto blockiert Straße – Autofahrer muss 500 Euro zahlen

Für sein Blockadeverhalten im Straßenverkehr muss ein 48-Jähriger 500 Euro Bußgeld zahlen

Für sein Blockadeverhalten im Straßenverkehr muss ein 48-Jähriger 500 Euro Bußgeld zahlen

Foto: Volker Hartmann / dpa

Ein Autofahrer fühlt sich im Recht und blockiert einen Müllwagen. Gericht wertet Verhalten als Nötigung, stellt Verfahren aber gegen Zahlung ein.

Norderstedt.  Er war Mitte Juni 2014 wie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und durchfuhr gerade den Neuen Weg in Kaltenkirchen. Das berichtete Arno R., 48, aus Kaltenkirchen vor dem Amtsgericht in Norderstedt. Plötzlich sei ein Mülllaster vor ihm eingebogen und habe ihm die Vorfahrt genommen. Er habe einen riesigen Schrecken bekommen, ergänzt der Angeklagte, der aus Wut und Empörung über das Verhalten des Lkw-Fahrers seinen Pkw so vor das Müllauto stellte, dass dieses nicht vor und nicht zurückkonnte.

Laut Anklage war die Straße komplett blockiert mit der Folge, dass nachfolgende Autos gezwungenermaßen über den Parkplatz der Kaltenkirchener Bank auswichen, um voranzukommen. Für die Staatsanwaltschaft stellt das Verhalten des Kaltenkircheners eine Nötigung dar, entsprechend wurde Arno R. angeklagt.

Der Angeklagte fühlte sich zumindest in der damaligen Situation im Recht und rief die Polizei. Die Frage der Richterin, zu welchem Zweck er die Ordnungshüter rief, kann der Angeklagte kaum beantworten. Die Sperrung der Straße durch R. dauerte bereits mehr als eine Viertelstunde, als die Polizei eintraf und ihn mit viel Mühe und Überredungskunst dazu bewegen konnte zurückzufahren, um den Stau aufzulösen.

Angeklagter: „Es war albern“

Es mag den Angeklagte zufrieden gestellt haben, dass gegen den Fahrer des Mülllasters ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet wurde, er selbst kassierte aber die ungleich schwerer wiegende Anklage wegen Nötigung. Ob er denn im Straßenverkehr immer so aufbrausend sei, das käme ja schließlich öfter vor, dass einem jemand die Vorfahrt nähme, will Richterin Dagmar Goraj wissen. „Ich bin normalerweise ein ruhiger Typ und nehme Rücksicht auf andere“, sagt der Mann. Er zeigt sich reumütig und kann sich sein damaliges Verhalten nicht mehr erklären. „Es war albern“, so lautet die eigene Wertung in der Rückschau.

Die Richterin stellt das Strafverfahren gegen den bisher nicht vorbestraften Zollbeamten gegen Zahlung von 500 Euro an den Verein „Bildung durch Begeisterung“ ein. (mak)