Norderstedt
Lieferservice

Unterwegs mit dem Eismann Jan-Patrick Gödelt

Jan-Patrick Gödelt verkauft Tiefkühlkost im Hamburger Umland. Der 32-Jährige kennt sich in seinem Lastwagen aus und weiß genau, wo alles ist

Jan-Patrick Gödelt verkauft Tiefkühlkost im Hamburger Umland. Der 32-Jährige kennt sich in seinem Lastwagen aus und weiß genau, wo alles ist

Foto: Helge Buttkereit

Der 32-Jährige hat mit Henstedt-Ulzburg ein gutes Verkaufsgebiet und hat es nicht weit von seiner Wohnung im Norderstedter Stadtteil Glashütte.

Henstedt-Ulzburg.  Die Ware im Wagen ist kalt. Sehr kalt. 40 Grad Minus zeigt das Thermometer am kleinen Lastwagen von Jan-Patrick Gödelt an, als er das Depot in Quickborn-Heide verlässt. Von hier aus fahren er und seine Kollegen Tiefkühlkost im Norden und Westen Hamburgs sowie im Hamburger Umland aus. Jan-Patrick Gödelt ist Eismann-Verkäufer. Seit kurz vor 7 Uhr hat er neue Ware aufgeladen, mit den Kollegen im Aufenthaltsraum ein paar Worte gewechselt und ein wenig Papierkram erledigt. Nun geht es los. Es geht heute nach Henstedt-Ulzburg, ansonsten ist der Norderstedter meist in seiner Heimatstadt unterwegs. Elf Touren habe er dort, erzählt er, zwei im Süden Henstedt-Ulzburgs und je eine in Quickborn-Heide und in der Gemeinde Tangstedt.

Frauen sind die „Entscheider“

Für Jan-Patrick Gödelt ein gutes Verkaufsgebiet, denn der 32-Jährige hat es nicht weit von seiner Wohnung in Glashütte. Und auch das Eismann-Depot liegt um die Ecke. Nach Blankenese oder Altona, wo er vorher fuhr, ist es weiter. „Jetzt kann ich mehr Kunden anfahren“, sagt er. Gödelt ist selbstständiger Handelsvertreter. Er lebt von den Provisionen. Wenn er besser und mehr verkauft, dann hat er am Ende des Tages auch mehr Geld auf dem Konto. Dafür, dass er heute ein paar mehr Waren an die Frau – fast alle Kunden oder zumindest die „Entscheider“ in den Familien sind nach seiner Erfahrung Frauen – bringen kann, sorgt dabei auch ein kleiner Silikondeckel in rot oder grün.

„Den können sie wie Frischhaltefolie oder Alufolie verwenden“, erklärt Gödelt schon bei der ersten Kundin. Sie bekomme ihn geschenkt, wenn sie sich für eines von zwei Angeboten entscheidet. Pommes und Seelachs oder Eiskonfekt und Stieleis stehen zur Auswahl. Die Kundin greift zu. Sie hatte sich zwar bereits ihre Bestellungen auf dem Zettel notiert, aber wenn Gödelt eines der Angebote unterbreitet, werden viele schwach. Das zeigt sich auch bei vielen der folgenden Kunden. Gödelt ist ein guter Verkäufer, weiß seit neun Jahren als „Eismann“, was zu beachten ist und auch, wer lieber gar nichts von aktuellen Angeboten wissen will.

An der nächsten Haustür kann er Silikondeckel und die weiteren Angebote erst einmal nicht anpreisen. Denn die Kundin ist nicht da – trotz Autos in der Garage. Gödelt wundert sich, schließlich kommt er jeweils um die gleiche Zeit und hatte sich bei seinem letzten Besuch angekündigt. Auch dieses Mal lässt er ein Werbeprospekt mit den Angeboten für den nächsten Besuch da. Er steckt es so in den Briefkasten, dass es sofort gesehen wird. „Ich komme nachher noch einmal wieder“, sagt er und greift zum Telefon. „Wir vermeiden es anzurufen“, sagt Gödelt, „da gibt es eher eine Absage als wenn man vor der Haustür steht.“ Manchmal lässt sich ein Anruf aber nicht vermeiden, die Kundin ist im Schichtdienst und kennt ihre Zeiten nicht drei Wochen im Voraus. Sie sei nicht da, teilt deren Mann am Telefon mit, ab 17 Uhr gehe es.

Artikelnummern fast alle im Kopf

Die Namen der nächsten Kunden, ihre Daten aber auch die Vorbestellungen sind alle in einem kleinen grauen Kasten gespeichert. Das mobile Datenerfassungssystem, das während der Fahrt auf einer Halterung vorne im Wagen befestigt ist, ist für Gödelt das wichtigste Hilfsmittel. Er hat es immer dabei. Als er sein Fahrzeug an der Hamburger Straße geparkt, Katalog und Silikondeckel gegriffen hat, nimmt er als letztes das graue Gerät, das perfekt mit einer Hand bedient werden kann.

Gödelt geht schnellen Schrittes zur Haustür der nächsten Kundin, die ihre Bestellung auf dem Bestellschein des Prospektes vom vergangenen Besuch notiert hat. Gödelt tippt schnell die Artikelnummern ein. „Die habe ich fast alle im Kopf, das hat man recht schnell drauf, weil man den ganzen Tag damit zu tun hat“, sagt er. Zwischendurch fragt er immer mal nach, ob denn zwei oder eine Packung gewünscht werden und bietet am Ende, diesmal erfolglos, die Angebot inklusive Silikondeckel an. „Hier haben sie noch die Vorbestellwaren für das nächste Mal“, sagt er und gibt der Kundin zwei laminierte Katalogseiten. Dann geht es schnell zum Wagen zurück.

Dort öffnet er als erstes die Fahrertür, legt sein mobiles Gerät ab und druckt den Kassenzettel aus. Der Drucker dafür klebt an der Windschutzscheibe. Er schwingt sich mit einem Fuß auf den Wagen, reißt schwungvoll den Zettel ab und holt sich mit der anderen Hand den Faltkorb. Der wird schnell entfaltet, an den Wagen gehängt und mit den bestellten Waren gefüllt: Tür auf, Verpackung gesucht und gefunden, rein in Korb, Tür zu. Bei Jan-Patrick Gödelt geht das schnell. Er kennt sich in seinem Lastwagen aus und weiß, wo alles ist. „Jeder Eismann hat eine etwas andere Ordnung, bei meinen Kollegen würde ich kaum etwas finden“, erzählt er, während er die Prozedur noch ein paar Mal mehr wiederholt.

Wer wartet, verdient kein Geld

Weitere Tüten und Kartons füllen die Box. Die Geschwindigkeit sei nicht unbedingt für die Kühlung nötig, denn mit Minus 40 Grad – nach vier Stunden Betrieb werden es nur wenige Grad weniger sein. Aber er will seine Kunden nicht warten lassen und schnell an der nächsten Haustür stehen. Wenn er wartet, verdient er kein Geld. Als er die Waren abliefert, kann er für das nächste Mal ein paar Bestellungen aufnehmen. Zurück im Wagen notiert er diese schnell in der mobilen Datenerfassung, schaut auf das Display, wo es jetzt hin gehen soll und fährt weiter.

„Weil wir so viele verschiedene Artikel anbieten, muss einiges vorbestellt werden“, erklärt er. Für den Eismann-Verkäufer hat das einige Vorteile. Nicht nur, dass er die Kunden auf neue Artikel bringt. Ein paar Kunden später zeigt sich ein weiterer Vorteil der Vorbestellung. Diesmal ist ein Mann der Entscheider, um in Gödelts Worten zu sprechen. Und der entscheidet sich gegen einen Kauf. „Dann vielleicht das nächste Mal“, sagt der Eismann-Verkäufer, gibt noch das Prospekt mit dem nächsten Termin und einen kleinen Aufkleber für den Kalender ab und geht zurück zum Wagen. Auf dem Weg zum Auto sieht er, dass der Kunde etwas vorbestellt hat. „Das hat er sicherlich vergessen“, sagt Gödelt, geht zum Wagen und holt schnell die Ware. „Das kommt öfter vor“, erklärt er, nachdem er die tiefgekühlten Filets abgeliefert hat. „Die Kunden haben viel im Kopf und vergessen schnell, was sie vorbestellt haben.“

Als Gödelt bereits bei einigen Kunden mal mehr und mal weniger Tiefkühlkost losgeworden ist, wird es Zeit für eine Pause in der Natur. „Ich habe da so meine Stellen“, sagt er, als er den Wagen auf dem schmalen Feldweg wieder in die richtige Richtung rangiert. Nun geht es in eine Straße mit vielen Kunden, teilweise wohnen sie direkt nebeneinander. „Das ist ideal“, sagt Gödelt. „Das spart Zeit und Geld.“ Neue Kunden spricht er teilweise selbst an, andere werden durch Subunternehmer von Eismann geworben. „Ich sage ihnen, wo ich neue Kunden brauche, und sie versuchen es dann in dem Gebiet“, sagt Gödelt.

Etwa 800 Kunden beliefert Gödelt

Wenn die Werbung erfolgreich war, der Kunde sich bei Eismann angemeldet hat, dann zahlt er den Subunternehmern eine Prämie und kümmert sich künftig um die Belieferung. Dabei fährt er jede seiner 15 Touren zu seinen etwa 800 Kunden alle drei Wochen, nur bei Feiertagen oder Urlaub schiebt er sie um eine oder zwei Wochen nach hinten. Auch das führt dazu, dass er schon mal vergessen wird. „Ich hatte sie gar nicht auf dem Schirm, sind sie heute dran?“, heißt es bei der nächsten Adresse. Ärgerlich für Gödelt, denn die Kundin hatte nichts vorbestellt und die Truhe sei voll. Hier wird Gödelt nur das Prospekt für das nächste Mal und den Klebezettel für den Kalender los. „Den mache ich mir gleich dran“, sagt die Kundin. Ein paar Türen weiter wird er bereits erwartet. Und das geht die nächsten Stunden so weiter.

Bis mindestens 19 Uhr ist Jan-Patrick Gödelt auf Achse, zumindest montags bis donnerstags und einen Freitag. Am Wochenende fährt er, anders als manche seiner Kollegen, nur im Ausnahmefall. „Das kann jeder selbst entscheiden“, sagt Gödelt. Schließlich sei er als Eismann selbstständig. Und ständig unterwegs mit seinem weinroten Kleinlaster in Norderstedt und Umgebung.