Norderstedt
Kiel/Lentföhrden

Ein gescheiterter Selbstmörder – aber kein Totschläger

Die zweite Strafkammer des Landgerichtes Kiel unter Richter Stefan Becker tagte

Die zweite Strafkammer des Landgerichtes Kiel unter Richter Stefan Becker tagte

Foto: Peter Steffen / dpa

Pascal L., 19, raste in Suizidabsicht in den Gegenverkehr – Gericht lässt Vorwurf des versuchten Totschlags fallen.

Kiel/Lentföhrden.  Pascal L. aus Lentföhrden wollte sich umbringen. Doch wollte er dabei auch noch Unbeteiligte mit in den Tod reißen?

Die zweite Strafkammer des Kieler Landgerichts unter Vorsitz von Richter Stefan Becker kam am dritten Prozesstag gegen den 19-jährigen zu einem anderen Ergebnis. Den Vorwurf des versuchten Totschlags ließ das Gericht fallen, da dem Angeklagten dieser nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht nachgewiesen werden konnte. Als er im April letzten Jahres in Selbstmordabsicht auf der Kreisstraße 30 kurz vor Mönkloh in den Gegenverkehr raste, so urteilte Richter Becker, habe er den Tod eines Ehepaars aus Hohenlockstedt, das in dem ihm entgegenkommenden Fahrzeug saß, nicht bewusst in Kauf genommen.

Pascal L. hatte sich aufgrund von Beziehungsproblemen mit seiner Freundin das Leben nehmen wollen. In einer Rechtskurve auf der Kreisstraße war er in hohem Tempo in den Gegenverkehr gerast. Ralf N., der Fahrer des entgegenkommenden Wagens, hatte kurz vor der bevorstehenden Kollision das Steuer herumgerissen und war so auf die glücklicherweise freie linke Fahrbahn ausgewichen. Der Zusammenstoß wurde im letzten Moment verhindert. Der Angeklagte war mit dem Ford Mondeo seines Vaters in eine Böschung gerast und mit einer gebrochenen Nase davongekommen.

Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, kein versuchter Totschlag

Der Angeklagte hatte im Prozess beteuert, er habe an einer Baumgruppe zerschellen wollen. Er habe das entgegenkommende Fahrzeug vorher nicht bemerkt und habe keine anderen Menschen verletzen wollen. Er sei in der Rechtskurve einfach geradeaus gefahren, um die Baumgruppe zu erwischen. Diese Darstellung des Unfallhergangs war dem jungen Mann im Prozess nicht zu widerlegen. Mehrere Zeugen hatten bestätigt, dass sich der Angeklagte wiederholt in großer Sorge nach den Insassen des anderen Fahrzeugs erkundigt und wiederholt davon gesprochen hatte, er habe doch niemandem schaden und nur sich selbst töten wollen. Statt eines versuchten Totschlags ging die zweite Strafkammer daher davon aus, dass dem Angeklagten lediglich ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorzuwerfen sei. Auch in diesem Punkt stellte die Kammer, die den jungen Mann wegen Reifeverzögerungen nach Jugendrecht beurteilte, das Verfahren ein. Da ein psychologischer Sachverständiger wegen wiederholter Selbstmordgedanken bei dem an sich lebensbejahenden Pascal L. einen Therapiebedarf feststellte, erhielt der Angeklagte die Auflage, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen.

Gleichzeitig wurde als weitere Auflage die Zahlung einer Geldbuße von 500 Euro an die Kreisverkehrswacht des Kreises Segeberg verhängt.

Da davon auszugehen sei, dass der Angeklagte, der sich aufrichtig reuevoll gezeigt hatte, eine ähnliche Tat nicht noch einmal begehen werde und er seit dem Tattag, also seit über einem Jahr, seinen Führerschein abgegeben hatte, erhielt er diesen an Ort und Stelle zurück. Die Fahrerlaubnis sei für den Metallbauer beruflich überlebenswichtig..