Norderstedt
Freiwilligendienst

Norderstedter Werkstätten auf der Suche nach „Bufdis“

Ole Rathmann, Emel Yildirim, Seraphina Kraus und Cornelius Claussen (von links) absolvieren in den Norderstedter Werkstätten ihren Bundesfreiwilligendienst - für die vier Stellen werden dringend Nachfolger gesucht.

Ole Rathmann, Emel Yildirim, Seraphina Kraus und Cornelius Claussen (von links) absolvieren in den Norderstedter Werkstätten ihren Bundesfreiwilligendienst - für die vier Stellen werden dringend Nachfolger gesucht.

Foto: Patrick Schwager

Die Zahl der Bundesfreiwilligen in sozialen Einrichtungen nimmt kontinuierlich ab, Bewerber werden händeringend gesucht.

Norderstedt.  Seit 2012 gibt es keinen Zivildienst mehr. Darum sind soziale Einrichtungen vermehrt auf Jugendliche angewiesen, die freiwillig einen Beitrag für die Gesellschaft ableisten möchten. Dies geschieht entweder in Form eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes, der von mindestens sechs bis maximal 18 Monaten absolviert werden kann.

In den Norderstedter Werkstätten verrichten derzeit vier sogenannte Bufdis ihren Dienst. „Drei von ihnen werden in der Werkstatt zur Unterstützung des Gruppenleiters eingesetzt, einer ist im Sportbereich tätig“, sagt Andrea Conradi von den Norderstedter Werkstätten. Die Arbeit der Bufdis ist vielfältig und erfordert von den Jugendlichen nicht nur viel Engagement und Eigeninitiative, sondern auch ein hohes Maß an Flexibilität und Feingefühl. Emel Yildirim sagt: „Wir sind immer da, wo gerade Unterstützung gebraucht wird.“

Viele junge Leute testen als Bufdi, ob ein sozialer Beruf das Richtige für sie ist

Und gebraucht werden die Bufdis eigentlich immer: In den Norderstedter Werkstätten gibt es zehn Montagegruppen, eine Tischlerei, einen Gartenbetrieb, eine Tagesförderstätte sowie die Bereiche für Menschen mit psychischen Behinderungen. Die 20-Jährige ist froh, in den Norderstedter Werkstätten erste berufliche Erfahrungen sammeln zu dürfen: „Ich konnte hier ausprobieren, ob ich für den Sozialbereich überhaupt geeignet bin und weiß jetzt, dass mir die Arbeit mit den Menschen großen Spaß macht.“ Nach dem Bundesfreiwilligendienst möchte Emel Yildirim nun eine Ausbildung zur Ergotherapeutin machen.

Der 18 Jahre alte Ole Rathmann kann diese Begeisterung sehr gut nachvollziehen – als Jugendspieler des HSV-Internates musste er sich zwischen Schule und einer sozialen Tätigkeit entscheiden und bereut den Weg in die Norderstedter Werkstätten keine Sekunde: „Meine Arbeit im Sportbereich gefällt mir außerordentlich gut. Wir haben hier tolle Ausnahmesportler; und man lernt viele interessante Menschen kennen“, sagt Ole.

Neben den verschiedenen Produktionsbereichen unterhalten die Norderstedter Werkstätten auch eine Wohngemeinschaft an der Ulzburger Straße. Dort absolviert Sabrina Völkner seit September vergangenen Jahres als Bundesfreiwillige ihren Dienst. Einkäufe, die gemeinsame Freizeitgestaltung mit den Bewohnern und auch deren Pflege gehören zu den täglichen Aufgaben der 19 Jahre alten Norderstedterin. „Ich hatte von vornerein keine großen Berührungsängste mit Menschen mit Behinderung. Und die sind jetzt sogar noch viel kleiner geworden“, betont sie. „Ich kann jedem nur empfehlen ein Bufdijahr zu machen.“

Zahl der „Bufdis“ nimmt kontinuierlich ab

Wie wichtig die Unterstützung durch in der Regel junge Menschen tatsächlich ist, erklärt die Wohngemeinschafts-Pflegefachkraft Nathalie Marnitz: „Wir haben mit Sabrina eine zuverlässige Arbeitskraft, die unser Team in bestimmten Situationen erheblich entlastet.“

Doch leider nimmt die Zahl der Bundesfreiwilligen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ab. Die Folge: Allerorts suchen soziale Einrichtungen händeringend nach Bewerbern, um die freien Planstellen zu besetzen. Auch die Norderstedter Werkstätten haben für August diesen Jahres vier freie Plätze plus einen WG-Platz zu vergeben. „Wer sich bezüglich seiner beruflichen Zukunft noch nicht sicher ist, kann bei uns herausfinden, ob der Sozialbereich das richtige Arbeitsfeld ist“, sagt Andrea Conradi, die bei ihren Bufdis immer wieder einen unglaublichen Reifeprozess beobachtet. Ein weiterer Vorteil: Am Ende ihrs Bundesfreiwilligendienstes erhalten die jungen Menschen ein Zeugnis.

Voraussetzungen für eine Bewerbung bei den Norderstedter Werkstätten sind Volljährigkeit und Spaß am Umgang mit Menschen. Entlohnt wird der freiwillige Dienst mit etwa 350 Euro im Monat. Auf Wunsch bieten die Norderstedter Werkstätten einen unverbindlichen Probetag zum gegenseitigen Kennenlernen an. Für weitere Fragen steht Andrea Conradi jederzeit gern zur Verfügung.

Kontakt: Andrea Conradi, Telefon: 040/52 11 41 41, E-Mail: Andrea.Conradi@norderstaetter-werkstaetten.de