Norderstedt
Mit dem Rad zur Arbeit

Zwei Norderstedter schalten ab und bleiben gesund

Andreas Gadens, 50, aus Kaltenkirchen und Sabine Lassen, 54, mit ihrem Pudel Leopold aus Norderstedt fahren mit dem Rad zur Arbeit.

Andreas Gadens, 50, aus Kaltenkirchen und Sabine Lassen, 54, mit ihrem Pudel Leopold aus Norderstedt fahren mit dem Rad zur Arbeit.

Foto: Michael Schick

Sabine Lassen und Andreas Gadens fahren auf zwei Rädern zum Job und unterstützen die Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“, die am 1. Juni beginnt.

Norderstedt/Kaltenkirchen.  Leopold liebt Räder, besonders das von Frauchen. Das hat einen Korb auf dem Gepäckträger. Und darin thront der 14 Monate alte Pudel und guckt in die Landschaft, während die Besitzerin direkt vor ihm kräftig in die Pedale tritt. Sabine Lassen fährt ausschließlich Rad. „Ich habe kein Auto“, sagt die Norderstedterin, die schon zu denen zählt, deren Zahl die Initiatoren der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ noch vergrößern wollen – das schleswig-holsteinische Verkehrs- und Arbeitsministerium, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Schleswig-Holstein und die Gesundheitskasse AOK haben sich zusammengeschlossen, um für das Rad als alltägliches Verkehrsmittel zu werben. Wer mitmacht und mindestens 20 Tage zum Job strampelt, kann einen der vielen Preise gewinnen (s. Info-Kasten).

Doch nicht nur Sabine Lassen setzt sich täglich aufs Fahrrad. Auch Andreas Gadens radelt zum Arbeitsplatz, nicht ganz so konsequent wie die 54 Jahre alte Norderstedterin: „Wenn ganz schlechtes Wetter herrscht, fahre ich die gesamte Strecke mit Bus und Bahn“, sagt der Kaltenkirchener, der in der Luftwerft auf dem Hamburger Flughafen sein Geld verdient. Den Hinweg am Morgen teilt der 50-Jährige. Zehn Minuten radelt er in seinem Wohnort zur AKN, die er in Norderstedt-Mitte wieder verlässt. Von dort legt er die rund zwölf Kilometer bis zum Arbeitsplatz auf dem Sattel zurück. Nachmittags absolviert er die gesamten 30 Kilometer auf seinem Trekking-Rad.

Radeln als Ausgleich zum Sitzen im Büro

„Ich bin schneller als mit Bus und Bahn“, sagt der Design-Ingenieur. Doch nicht nur dieses Argument spricht für das Rad als Verkehrsmittel: Er könne bestens Stress abbauen, wenn er auf zwei Rädern unterwegs ist. Gerade nach einem Arbeitstag sei das Radeln ideal, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Zudem stärke er seine Gesundheit, sich in der frischen Luft zu bewegen, sei eine gute Prävention gegen Erkältungen und erhöhe die Fitness. Wie so viele arbeitet der Familienvater im Büro, zumeist im Sitzen.

Tatsächlich sei die Luft auf seiner Tour gar nicht so schlecht, er fahre den Großteil abseits von Straßen und Abgasen und nicht allein: „Auf dieser Veloroute entlang der Bahngleise sind viele unterwegs“, sagt Gadens, der den ADFC-Ortsverein in Kaltenkirchen mit ins Leben hat und leitet und dadurch auch in seiner Freizeit oft im Sattel sitzt, wenn die Radler-Initiative mit den Kaltenkirchenern zu Touren durch die Umgebung startet. Ein „Highway“ oder eine „Rad-Autobahn“, wie sie von den Rad-Protagonisten mit Blick auf Radler-Städter wie Kopenhagen gefordert wird, sei die Strecke allerdings noch lange nicht. Da lasse sich, so der Kaltenkirchener Viel-Fahrer, noch einiges verbessern.

ADFC fordert Ausbau der Radstrecken

„Wir haben das Problem, dass wir auf Nebenstraßen immer wieder langsam fahren oder sogar stoppen müssen, weil rechts vor links gilt und die Autofahrer Vorfahrt haben“, sagt Gadens. Die Sandwege müssten ausgebaut und Lücken geschlossen werden. Die Grünen in Norderstedt und Hamburg Nord fordern seit Jahren den Ausbau der Radstrecke von Norderstedt nach Alsterdorf. Der ADFC hat dazu schon Pläne entwickelt.

Von Süden bis zur AKN-Station Haslohfurth sei die Strecke gut befahrbar, sagt Gadens, sie verlaufe parallel zu den Schienen, was der Kaltenkirchener Radpendler als großen Vorteil ansieht: „So hat man jederzeit die Chance, in die Bahn zu wechseln, falls das Wetter zu schlecht ist oder die Kräfte nachlassen.“ Gerade für Männer und Frauen, die sich langsam an das Radeln zum Job heranpirschen wollen, sei die Nähe zur Bahn ideal. Nördlich der AKN-Station Haslohfurth werde es dann schwieriger, hier seien Norderstedter und Henstedt-Ulzburg gefordert, die Situation für Radfahrer zu verbessern.

Sabine Lassen radelt vor allem kurze Strecken

Die Probleme hat Sabine Lassen nicht. Sie radelt nur kurze Strecken zwischen ihrem Wohnort am Langen Kamp und ihrem Arbeitsort an der Kirchenstraße in Norderstedt. Dort betreut die Sonderpädagogin Menschen, die an Demenz erkrankt sind, in einer Wohngemeinschaft der Pflegediakonie. Und da kommt Leopold ins Spiel, der Jungpudel jobbt als Therapiehund, die Bewohner lieben es, mit dem Vierbeiner zu kuscheln und ihn zu streicheln.

Die beiden fahren gern Rad, auch wenn es regnet oder schneit. „Dann ziehe ich Leopold ein Regenjäckchen an, damit er nicht nass wird oder friert“, sagt Frauchen. Demnächst aber soll er seinen Stammplatz verlassen und selbst laufen. Jetzt ist er so langsam alt genug dafür, sagt Sabine Lassen.

Das Radeln hat für sie ebenfalls Fitness-Funktion, wie Andreas Gadens kann auch sie prima abschalten, wenn sie durch die Stadt radelt. Auch ihre Einkäufe erledigt die Norderstedterin mit dem Fahrrad. Sie hat sich aus den Niederlanden stabile und wasserdichte Packtaschen besorgt und ihr Rad mit einer Anhängerkupplung ausgestattet. „Das Rad muss entsprechend ausgerüstet sein, wenn es das Haupttransportmittel ist“, sagt Sabine Lassen, die wie Andreas Gadens die Initiative „Mit dem Rad zur Arbeit“ unterstützt.

Sie sieht noch Potenzial: „Man sieht ja immer wieder Menschen, die ins Auto steigen und ein paar Hundert Meter zum Bäcker fahren“, sagt die Pädagogin. Gerade in Norderstedt sei das Rad eine attraktive Alternative, die meisten Strecken sind nicht länger als fünf Kilometer und bequem auf zwei Rädern zu absolvieren.