Norderstedt
Umweltschutz

„Mister Nachhaltigkeit“ kommt nach Norderstedt

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer, 77, hat immer noch einen vollen Terminkalender. Am 15. Oktober kommt er nach Norderstedt

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer, 77, hat immer noch einen vollen Terminkalender. Am 15. Oktober kommt er nach Norderstedt

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Der ehemalige Umweltminister und Chef des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer ist Gastredner beim Abend der Norderstedter Wirtschaft.

Norderstedt. „Armut ist Gift für die Umwelt, und Umweltschutz sichert die Lebensqualität kommender Generationen“ – für solche und ähnlich deutliche Aussagen ist einer bekannt, der seit Jahrzehnten in der ganzen Welt unterwegs ist, um die Welt möglichst intakt zu halten: Klaus Töpfer ist auch mit 77 noch ein rastloser Botschafter für die Energiewende. Wurde der frühere deutsche Umweltminister lange mit „Mister Umwelt“ betitelt, stellt man ihn heute als „Mister Nachhaltigkeit“ vor.

Der Professor mit dem zweifachen Doktortitel ist nicht nur für deutliche Worte bekannt, er scheut auch vor spektakulären Aktionen nicht zurück, um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen: 1988 schlüpfte Töpfer in einen schwarzen Ganzkörperbadeanzug mit roter Badekappe und durchschwamm den Rhein. Erst viel später räumte er ein, er habe damit nicht die Sauberkeit des Flusses beweisen, sondern nur eine verlorene Wette einlösen wollen.

Ob der historische Sprung von 1988 auch Thema wird, wenn Töpfer nach Norderstedt kommt, ist fraglich. Fest steht, dass der ehemalige Bundesumwelt- und spätere Bundesbauminister Referent beim nächsten Abend der Norderstedter Wirtschaft sein wird. Am 15. Oktober wird er in der „TriBühne“ über das Thema „Nachhaltige Energie für neun Milliarden Menschen – Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland“ sprechen – und das sicher nicht nur mit hohem Informations-, sondern auch mit ebenso hohem Unterhaltungswert. Töpfer gilt als exzellenter Redner.

Kofi Annan machte Töpfer zum Chef des Umweltprogramms der UN

1938 in Schlesien in eine arme Familie hineingeboren, zeigte der Junge schon früh Ehrgeiz. Er wollte vorankommen, war „immer auf der Suche nach dem nächsten“, wie er sagt. Abitur, Studium, Doktorarbeit, Professur, CDU-Politiker. Doch nicht alles, was möglich schien, wurde wahr – Ministerpräsident im Saarland wurde Töpfer ebenso wenig wie Bundespräsident. Aber letztlich blieb dadurch die Umwelt sein zentrales Thema, sogar noch, als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) ihm das Ressort 1994 wegnahm und das Bauministerium übertrug. 1998 wechselte Töpfer auf die internationale Bühne. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan machte Töpfer zum Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Nach seiner Rückkehr 2006 blieb er in der deutschen Öffentlichkeit präsent. Vorträge, Talkshows, die Ethikkommission für Atomenergie, die Gründung des Forschungszentrums für Nachhaltigkeit IASS in Potsdam – Ruhestand sieht anders aus.

Auch in einem Alter, in dem sich viele gemütlich auf dem Sofa zurücklehnen, ist das Leben des Umwelt-Promoters eng getaktet, sitzt Töpfer viel im Flugzeug. Er ist unter anderem Vorsitzender der Jury des Innovationspreises für Klima und Umwelt des Bundesumweltministeriums, Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam, Professor für Umwelt und nachhaltige Entwicklung an der Tongji-Universität in Shanghai sowie Vorsitzender der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung der Bundesregierung. „Die Energiewende ist ein Unikat, sie muss einfach gelingen“, sagt der Referent. Wenn nicht in einem Hochtechnologieland wie Deutschland, wo dann?

Der Kampf gegen die Armut in der Welt liegt dem Ex-Minister sehr am Herzen

Spätestens seit der Zeit, in der er als UNEP-Direktor in der kenianischen Hauptstadt Nairobi lebte, redet er über Umweltschutz nicht mehr, ohne zugleich auf den Kampf gegen die Armut einzugehen. „Im Jahr 2050 wird meine jüngste Enkelin 38 Jahre alt sein. Dann wird sie sich mit neun Milliarden Menschen darüber zu unterhalten haben, wie man ein friedliches Leben ohne große Wohlstandsunterschiede haben kann.“

Doch die Gäste können beim Abend der Norderstedter Wirtschaft nicht nur einen engagierten Referenten erleben. Der Abend, der um 18 Uhr beginnt, bietet zugleich die Chance, sich mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Kultur auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Stärken können sich die Besucher wie immer am GalaBüfett.

Der Eintritt zum Abend der Norderstedter Wirtschaft am 15. Okltober kostet 63 Euro einschließlich Büfett, Getränken und Mehrwertsteuer. Mitglieder von Norderstedt Marketing zahlen 55 Euro. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.norderstedt-marketing.de/anmeldungAdNW und unter Telefon 040/53 54 06 66.