Norderstedt
Verkehrsreport 2014

Der Ochsenzoll-Kreisel ist jetzt ein Unfallschwerpunkt

Der Kreisverkehr am Ochsenzoll

Der Kreisverkehr am Ochsenzoll

Foto: TA CAPS / Thorsten Ahlf

40 Unfälle: Laut Verkehrsstatistik 2014 ist der Ochsenzoll-Kreisverkehr eine der unfallträchtigsten Stellen der Stadt Norderstedt.

Norderstedt.  Es wurde ja Zeit, das sich was dreht am Knoten Ochsenzoll. Nach über 40 Jahren an Planung und Bauzeit sorgt der Kreisverkehr nun dafür, dass 48.416 Autos pro 24 Stunden zügiger in alle Himmelsrichtungen fahren können als zu Zeiten der Regelung durch Ampeln. Doch zwei Jahre nach seiner Eröffnung hakt es auf dem Norderstedter Jahrhundert-Verkehrsbauwerk. Im Verkehrsreport 2014 der Norderstedter Polizei hat es der Knoten Ochsenzoll zum ersten mal zum Unfallschwerpunkt gebracht. 40 Unfälle, drei Leichtverletzte, ein Schwerverletzter – so liest sich die nackte Bilanz. Um zu verstehen, warum es im Kreisel so oft knallt, muss man genauer hinschauen.

Die Norderstedter Polizei hat mit Kai Hädicke-Schories seit Jahren einen ausgewiesenen Verkehrsexperten im Dienst. Seine Analysen der Verkehrslage haben dazu beigetragen, dass etliche Unfallschwerpunkte der Stadt entschärft wurden. „Beim Kreisel Ochsenzoll müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass den Autofahrern im Kreisverkehr einfach die Orientierung fehlt“, sagt Hädicke-Schories. „Die Fahrbahn ist zweispurig – das wissen die Autofahrer aber nicht.“

Der Kreisel ist zweispurig – aber das wissen die Autofahrer offenbar nicht

Die meisten der 40 Unfälle passieren an der Ein- und Ausfahrt des Kreisels aus und in Richtung der Segeberger Chaussee. Die Autofahrer halten sich im Kreisel rechts und wollen in Richtung Norden in die Schleswig-Holstein-Straße fahren und kollidieren dabei mit den Autos aus Richtung Segeberg. Im Kreisel kommt es zu Zusammenstößen, weil die Autofahrer nicht auf die Vorfahrtsregelung achten. Die ist in Kreisverkehren klar geregelt: Wer drinnen ist, hat Vorfahrt. Grundsätzlich gilt im Kreisel die freie Spurwahl. Wer gleich die nächste Ausfahrt nehmen will, sollte sich rechts halten. Wer die zweite oder dritte nehmen will, sollte eher innen fahren und erste auf Höhe der Ausfahrt nach rechts wechseln. Doch genau bei diesen Manövern kommt es im Kreisel verstärkt zu Unfällen. Dabei wurde ein Motorradfahrer am 16. Juli schwer verletzt. Auch zwei Radfahrer wurden auf den Fußgängerfurten von Autofahrern umgefahren und leicht verletzt.

Im Hauptausschuss der Stadtvertretung informierte Hädicke-Schories die Politik, dass es in Deutschland strittig sei, Fahrbahn-Markierungen in zweispurigen Kreisverkehren aufzubringen. „In manchen Kommunen wurden sie sie wieder weg gemacht, andere haben sie wieder aufgemalt.“ Der Verkehrsexperte regt an, dass am unmarkierten Kreisel Ochsenzoll zumindest ausgeschlossen werden sollte, dass Markierungen an der Unfallhäufigkeit etwas ändern könnten. Hädicke-Schories: „Dafür sollten wir für sechs Monate Markierungen im Kreisel aufbringen, die nach dieser Zeit von selbst wieder verblassen. In dieser Zeit können wir auswerten, ob es weniger Unfälle gibt.“

Die Toten auf der Schleswig-Holstein-Straße waren Opfer von Fahrfehlern

Der Verkehrsreport 2014 fällt aber auch aus anderen Gründen außergewöhnlich aus. Mit sieben Verkehrstoten innerhalb eines Jahres ist der höchste Stand seit 20 Jahren erreicht, sagt Hädicke-Schories. Allein auf der Schleswig-Holstein-Straße starben bei zwei Verkehrsunfällen vier Menschen. „Aber wir können trotzdem nicht davon sprechen, dass die Schleswig-Holstein-Straße eine Todesstrecke ist. Alle Untersuchungen haben ergeben, dass es sich in allen Fällen um Fahrfehler der Autofahrer handelte.“

Die Gesamtzahl der Unfälle in Norderstedt blieb mit 1659 konstant im Vergleich zum Vorjahr (1654). Eine deutliche Steigerung gab es allerdings bei den Unfallfolgen: 39 Menschen wurden schwer verletzt (2013: 26). Außerdem gab es 409 Leichtverletzte (2013. 407). Einen Statistik-Rekord gab es bei den Rad-Unfällen. „2014 gab es die höchsten Unfallzahlen seit dem Beginn der digitalen Verkehrsdaten-Aufzeichnung im Jahr 2000“, sagt Hädicke-Schories. 169 mal waren Radfahrer in Unfälle verwickelt, 2013 waren es nur 118 gewesen – ein Anstieg um satte 43,2 Prozent. Die für Radfahrer ganzjährigen guten Witterungsbedingungen spielen dabei eine große Rolle – es waren schlicht mehr Radler unterwegs. bei den 169 Unfällen waren 186 Radler beteiligt, 169 davon wurden verletzt, 13 davon so schwer, dass sie mehrere Tage ins Krankenhaus mussten. Ein Radfahrer starb auf der Ohechaussee bei einem unglücklichen Sturz, nachdem er zuvor einen Ampelmast touchiert hatte. „Das größte Gefährdungspotenzial bergen die links neben der Straße laufenden Radwege. Dabei übersehen die Autofahrer beim rechtsabbiegen die Radler“, sagt Hädicke-Schories. Auffällig ist aber auch, dass sich die Unfälle bei denen die Radfahrer die Schuld oder Teilschuld hatten nahezu verdoppelt haben (140 Unfälle im Vergleich zu 78 Unfällen 2013).

Insgesamt 14 Unfallschwerpunkte gab es 2014 in der Stadt

WeitereUnfallschwerpunkte sind der Hummelsbütteler Steindamm, Einmündung LehmsahlerWeg (8 Unfälle, 6 Leichtverletzte), der neue Kreisel am Stormarnkamp (4/2), die Einmündung des Rugenbarg in die Ohechaussee (12/4), die Einmündung des Glashütter Damms in die Poppenbütteler Straße (8/4) und nach wie vor die beiden Kreuzungen der Schleswig-Holstein-Straße mit dem Langenharmer Weg und der Stormarnstraße: Insgesamt 33 Unfälle und 14 Leichtverletzte. Durch den zwei Millionen Euro teuren Umbau der Kreuzung Stormarnstraße wird dieses Problem hoffentlich beigelegt.