Norderstedt
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Betrunkene Tschechin legt sich mit der Polizei an

27-Jährige will Taxifahrer nicht bezahlen und entfernt sich. Beamte bändigen die Frau

Norderstedt.  Im Gerichtssaal des Norderstedter Amtsgericht wirkt die Angeklagte Lucie P. ruhig und besonnen. Das war an einem Abend Ende August 2014 anders und geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Tatsache zurück, dass die 27 Jahre alte Tschechin nach eigenen Angaben mehrere Flaschen Wein getrunken hatte und entsprechend enthemmt war, als sie zu Ijaz N., 43, ins Taxi stieg.

Nach einigen Minuten Fahrtzeit wies die Taxiuhr einen Betrag von 13 Euro aus, was der wegen Beleidigung und Körperverletzung angeklagten Norderstedterin zu hoch erschien. Sie verlangte, beim Rewe-Markt an der Segeberger Chaussee herausgelassen zu werden und legte sieben Euro auf den Beifahrersitz mit der Bemerkung, mehr werde sie nicht bezahlen. Taxifahrer Ijaz N. rief per Handy die Polizei an, während sich die Angeklagte entfernte.

Als N. ihr folgte, wurde er zunächst mit üblen Ausdrücken beschimpft und erhielt von der aufgebrachten Frau einen so heftigen Faustschlag ins Gesicht, dass sein Handy zu Boden fiel.

Während N. vor Gericht als Zeuge mehrmals betont, er habe die Angeklagte nicht angefasst, behauptet diese, der Taxifahrer habe sie festgehalten und gegen eine Wand geschubst, deshalb habe sie ihn geschlagen. Die Angeklagte, bei der fast zwei Promille Blutalkohl festgestellt wurden, räumt ein, betrunken und aggressiv gewesen zu sein, glaubt sich aber nach wie vor im Recht. Die eintreffenden Polizeibeamten, die die Frau vergeblich zum Stehenbleiben zu bewegen versuchten, seien unhöflich gewesen. Außerdem habe sie sich nicht anfassen lassen wollen. Für die beiden Polizisten war die Angeklagte außer Rand und Band. Sie habe sich geweigert, ihre Adresse zu nennen oder sich auszuweisen.

Die Ordnungshüter sahen sichgezwungen, die Frau zu „fixieren“

Als die Beamten sich der Frau in den Weg stellten, versuchte sie sich mit den Worten: „Ist mir egal, ich geh jetzt nach Hause“, an ihnen vorbei zu drängen. Die Ordnungshüter sahen sich gezwungen, die sich heftig wehrende Frau zu Boden zu bringen und zu „fixieren“ wie es in der Amtssprache heißt.

Auf Fotos, die Amtsrichterin Dagmar Goraj im Gerichtssaal zeigt, sind Schwellungen im Gesicht der Angeklagten zu erkennen, die vermutlich durch den Polizeieinsatz verursacht wurden. Wegen des hohen Alkoholgehaltes geht die Richterin von einer verminderten Schuldfähigkeit bei der Angeklagten, die nach Aussagen der Zeugen noch normal sprechen konnte, aus.

Taxifahrer Ijaz N. habe das Recht gehabt, sie festzuhalten, da sie ihm Geld schuldeten, macht die Richterin der Angeklagten klar. Die Angeklagte, die als Kellnerin von einem geringen Einkommen leben muss, wird wegen Beleidigung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2100 Euro verurteilt.