Norderstedt
Entsorgungsärger

Gelbe Säcke werden im Kreisgebiet jetzt zugeteilt

Birgit Hermann von der Bäckerei Rathjen in Henstedt-Ulzburg wird die zugeteilten gelben Säcke gar nicht alle los

Birgit Hermann von der Bäckerei Rathjen in Henstedt-Ulzburg wird die zugeteilten gelben Säcke gar nicht alle los

Foto: Hans-Eckart Jaeger

Weil der Entsorger ein Minusgeschäft macht, wollte er auch die Ausgabestellen reduzieren werden. Der WZV lehnt das ab.

Kreis Segeberg. Der gelbe Sack liefert Gesprächsstoff. Nicht in Norderstedt, da ist mit der gelben Tonne oder wahlweise dem gelben Sack alles im grünen Bereich. Aber im übrigen Kreis Segeberg werden die Bewohner buchstäblich gelb vor Neid, wenn sie nach Norderstedt blicken. Im Kreis gab es in den vergangenen Monaten immer mal wieder Engpässe bei der Auslieferung, jetzt hatte die sammelnde Firma Gollan aus Neustadt ein Supercoup geplant: Nur noch 26 Säcke pro Jahr und Haushalt bei gleichzeitig schrumpfender Zahl von Ausgabestellen. Diese Pläne aber wurden von der „Abfallmutter“, dem Wege-Zweckverband (WZV) der Städte und Gemeinden im Kreis Segeberg gerade noch verhindert.

Rationiert werden die gelben Säcke nur indirekt: Von Mai an erhält jeder Haushalt im Kreis Segeberg (ohne Norderstedt) zwei Rollen mit je 13 Säcken zugeteilt. Sie werden am Abholtag in den jeweiligen Wohngebieten in die Briefkästen gesteckt. Nach dem Willen der Firma Gollan sollte das für ein Jahr reichen, um sämtliche Wertstoffe im Sinne der Duales System Deutschland GmbH damit zu beseitigen – egal, ob Singlehaushalt oder Großfamilie. Gleichzeitig wollte das Unternehmen die Zahl der Ausgabestellen, wo die Säcke nach wie vor kostenlos abgegeben werden, drastisch reduzieren: Von derzeit 123 auf 22.

Diese Idee allerdings fanden die Mitglieder im Abfallwirtschaftsausschuss des WZV nicht so amüsant. Sie wurde abgelehnt. Allerdings: Sollte sich herausstellen, dass 26 Säcke pro Jahr und Haushalt tatsächlich ausreichen, so könnte dieser Beschluss wieder gekippt und einer Reduzierung der Ausgabestellen zugestimmt werden.

Die Firma Gollan muss sich nicht an den Beschluss des Ausschusses halten: Beide sind vertraglich nicht aneinander gebunden. Der Auftrag für das Beseitigen von Leichtverpackungen wurde dem Unternehmen von einer im Mainz ansässigen Firma im Auftrage der Duales System Deutschland GmbH erteilt. Dort hatte sich Gollan um diesen Job beworben, um mit dem Einsammeln und Beseitigen von gelben Säcken ein Geschäft zu machen. In anderen Kreisen Schleswig-Holsteins, wo Gollan ebenfalls tätig ist, funktioniert das offenbar gut, im Kreis Segeberg hingegen nicht. Denn hier ist das Entsorgungsunternehmen auf Strukturen gestoßen, die nicht so leicht zu knacken sind.

Vertriebschef Holger Edler verweist auf den Kreis Plön: Dort erhält jeder Haushalt die Grundausstattung von 26 gelben Säcken, zusätzlich können weitere Säcke bei Bedarf in 22 Ausgabestellen nachgeordert werden. „Dort gibt es überhaupt keine Proteste“, sagt Holger Edler. „Alles verläuft normal und friedlich.“

Mit 123 Ausgabestellen ist der Kreis Segeberg eine Oase der gelben Säcke in Schleswig-Holstein. Für die Bewohner ein Glücksfall, für die Firma Gollan, die wirtschaftlich kalkulieren muss, ein Unglück: „Für uns läuft das auf ein Minusgeschäft hinaus“, rechnet Holger Edler vor. Er weiß natürlich, dass sein Unternehmer sehenden Auges in das Desaster hineingeschlittert ist: Niemand hatte das Entsorgungsunternehmen gezwungen, sich um das Einsammeln der gelben Säcke im Kreis Segeberg zu bewerben. Das geschah freiwillig, weil die Unternehmensleitung davon ausgegangen ist, dass die eingefahrenen Gleise im Kreis verlassen werden können. Also: Rationierte Sackzuteilung bei gleichzeitiger Reduzierung der Ausgabestellen.

Bisher wurden im Kreis Segeberg rund sieben Millionen gelbe Säcke pro Jahr verteilt. In der Herstellung kosten sie pro Stück etwa einen Cent, die Verbraucher erhalten sie umsonst. Am 1. Januar 2014 hat Gollan die Aufgabe übernommen, bis 31. Dezember 2016 läuft der Vertrag, der nach den Worten des Vertriebsleiters unbedingt erfüllt werden soll. Was danach kommt, ist noch nicht geklärt.

Zwar ist Gollan dem WZV gegenüber zu nichts verpflichtet, trotzdem wird das Unternehmen nicht gegen WZV-Chef Jens Kretschmer und den Abfallwirtschaftsausschuss entscheiden. „Der WZV ist für uns ein großer Partner“, sagt Holger Edler.

Und dieser Partner muss den Kopf hinhalten, wenn mit den gelben Säcken etwas schiefläuft: Erster Ansprechpartner für die Bewohner ist immer der WZV in Bad Segeberg. Verbandschef Jens Kretschmer weiß um die Probleme, die privatwirtschaftliche Entsorgungsunternehmen wie Gollan haben: „Das ganze System ist schlecht finanziert, aber Gollan hatte ein Angebot abgegeben und den Zuschlag erhalten, jetzt ist das Unternehmen in der Verantwortung, eine ausreichende Zahl von gelben Säcken zur Verfügung zu stellen.“ Aus eigener Erfahrung weiß Kretschmer: „26 Säcke pro Haushalt und Jahr reichen nie und nimmer.“

In Norderstedt gibt es neben den gelben Säcken auch die gelben Tonnen, die nicht nur mit Leichtverpackungen, sondern auch mit Bratpfannen und Metaltöpfen befüllt werden dürfen.