Norderstedt
Norderstedt

Pkw angefahren und davongebraust

56 Jahre alte Hamburgerin wegen Fahrerflucht vor Gericht. Sie weigerte sich, ihre Daten herauszugeben

Norderstedt.  Für Bärbel P., 64, und ihren Mann Helmut, 68, aus Norderstedt war es ein Schock: Das Rentnerehepaar wartete an der Rathausallee in Norderstedt Anfang Juli letzten Jahres mit dem Wagen vor einer roten Ampel, als plötzlich die Fahrerin des vor ihnen stehenden Fahrzeugs den Rückwärtsgang einlegte und versuchte, schräg in eine seitliche Parklücke einzubiegen. Der Versuch misslang, denn der Toyota Corolla von Ilona F., 56, aus Hamburg streifte mit dem Heck die Vorderseite des Wagens der Familie P. Was dann geschah, ist strittig.

Angeklagt wegen Fahrerflucht ist Ilona F., die nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach dem Unfall davonbrauste, ohne ihre Personalien zu hinterlassen. Die Angeklagte ist sich keiner Schuld bewusst: „Ich hätte die Polizei geholt, aber der Mann sagte, er habe einen dringenden Termin und keine Zeit. Da ich auch einen Termin hatte, fuhr ich weg und dachte mir, dass jeder seinen Schaden selbst trägt“, erklärt die Angeklagte. Nach Ansicht der Hamburgerin trug das Rentnerehepaar genauso viel Schuld, die hätten sich nämlich unterhalten und seien unaufmerksam gewesen – das habe sie im Rückspiegel beobachtet.

„Dann hätten sie hupen müssen, anstatt weiterzufahren. Wenn sie plötzlich den Rückwärtsgang einlegen, müssen sie sicherstellen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer es sehen“, belehrt Richterin Goraj die Angeklagte.

Nach Darstellung des Rentnerehepaares war die Angeklagte nach dem Unfall zwar aus ihrem Wagen gestiegen, aber es sei nicht mit ihr zu reden gewesen, so die Zeugen, die nacheinander in einem Einzelgespräch versuchten, die Angeklagte dazu zu bewegen, ihre Daten herauszugeben. Die Frau habe sie nur angeschrien und sei dann davongefahren, so die Eheleute P.

Wie sich zeigt, besteht die größte Angst der Angeklagten darin, ihren Führerschein zu verlieren. Als Betreuerin von psychisch kranken Menschen und Familienhelferin sei sie auf ihren Pkw angewiesen. Ein Fahrverbot würde ihre Existenz beenden, sagt die Frau.

Nachdem die Richterin der Hamburgerin energisch klar gemacht hat, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung war, stellt sie das Verfahren gegen die nicht vorbestrafte Frau ein und erlegt ihr auf, an den Tierschutzverein Hen-
stedt-Ulzburg 900 Euro zu zahlen. Damit bleibt die Angeklagte ohne Vorstrafe und ohne Fahrverbot.