Norderstedt
Norderstedt

Kunstkreis baut Bilder-Brücken

In der Mitglieder-Ausstellung „Brücken“ in der Rathaus-Galerie zeigt der Kunstverein ein weites Qualitäts- Spektrum

Norderstedt.  Alsterbrücke, Gedankenbrücke, Zahnbrücke. Über Brücken gehen, Brücken bilden, Brücken bauen. Das symbolträchtige Thema Brücken wählte der Kunstkreis Norderstedt für seine Mitglieder-Ausstellung in der Galerie des Norderstedter Rathauses.

63 Exponate von 38 Mitgliedern sind in der Brücken-Schau zu sehen – zu viel für den Raum in der Galerie. Die Bilder hängen sehr eng, mehrere Stellwände verhindern, dass die Betrachter Brücken zwischen den einzelnen Exponaten schlagen können.

Die von den Mitgliedern zur Ausstellung eingereichten Exponate hat der künstlerische Beirat des Kunstkreises ausgewählt. Hätte dieser Beirat mehr auf die malerische und inhaltliche Qualität der Bilder geachtet, wäre mindestens ein Drittel nicht zur Ausstellung gekommen. Zudem werden einige Bilder durch breite verzierte Rahmen beeinträchtigt.

Dem neuen Vorstand mit Heidi Koß als erste und Renate Krohn als zweite Vorsitzende ist dieses kaum anzulasten. „Die Ausstellung wurde vom alten Vorstand organisiert“, sagt Koß. Die pensionierte, 66-jährige Diplom-Kauffrau aus Hamburg-Langenhorn ist seit einem Jahr Mitglied im Kunstkreis, hat „schon immer gemalt und gezeichnet“ und Kunstschulen absolviert. Das Ziel der neuen Vorstandsfrauen ist so simpel wie schwierig: „Wir wollen den Kunstkreis am Leben erhalten.“

Sie gehen jetzt auf Mitgliedersuche für den 1970 gegründeten Verein und wollen vor allem junge Künstlerinnen und Künstler ansprechen. Ausstellungen wie die jetzige sind allerdings kein Anreiz, in den Kunstkreis einzutreten. Arrivierte Künstler wie Wilhelm Götz-Knothe, Erika und Beatrix Sieh haben sich beispielsweise gar nicht an der Schau beteiligt.

Heidi Koß hat ihr Bild „Skuld, Verdandi,...“ (Nornen der nordischen Mythologie) zur Ausstellung gebracht. Sie hat das Bild nach Edvard Munch gemalt, und das Motiv mit den über eine Brücke gehenden Frauen der Munch-Szene mit eigenen Gedanken geprägt.

Renate Krohn zeigt im Aquarell „Traumtänzer“ ein Tango tanzendes Paar, bei dem die Frau mit ihrem Körper eine Brücke formt. Ein sehr vordergründiges Motiv.

Renate Fürst, die zurzeit auch in der Flurgalerie des Hamburger Abendblatts, Regionalausgabe Norderstedt, ausstellt, thematisiert mit dem Motiv „Verbindung unterbrochen“ in der ihr eigenen verrätselten und sowohl malerisch wie inhaltlich vielschichtigen Bildsprache zwischenmenschliche Störungen. Im romantisch-altmeisterlichen Stil bildete Lena Nattermüller eine Waldbrücke ab und titelte sie merkwürdigerweise nach dem Song von Simon and Garfunkel „Bridge Over Troubled Water“.

Mit „Menschen im Hafen“ zeigt Gundela Schwartlo eine eigene, spannende Handschrift mit gut platzierten Lichtreflexen, einer einsamen Figur auf einer Brücke im Vordergrund und dramatischem Himmel. Herbert Grabler inszenierte im großen Format in „Brücke bei Nacht“ eine sich durch Hochhäuser schwingende Fahrbahn als Farb- und Formen-Opus. Nur der blutrote Mond wirkt leicht kitschig. Davor stellte er sein Objekt „Holzstücke“, eine filigrane Fummel- und Fleißarbeit nach Art von Mikado-Stäbchen.

Ein gut durchdachtes Objekt zeigt auch Ulrich Meyberg mit „Zustand“, einer Komposition aus vier Eisenstäben, die schräg nach oben zeigen, mit feinem Silberdraht Brücken bilden, unter denen Brückenteile zu einander streben. Ebenfalls eine Fleißarbeit zeigt Günther Radach mit der Collage „Zeitreihe I + II“. Er klebte auf je ein Tableau kleine Porträt-Fotos von seiner Ehefrau und sich, beginnend mit Kleinkind-Gesichtern bis ins Alter und schlägt so eine Lebens-Brücke. Detlev Kröger verarbeitete in seinem Motiv „Bombardierung von Mostar“ die Zerstörung der berühmten Brücke von Mostar am 9. November 1993.

Zu sehen bis Sonntag, 26. April, montags, dienstags, donnerstags und freitags 12 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr, Rathaus-Galerie. Der Eintritt ist frei.