Norderstedt
Itzstedt

30.000 dürfen im See baden

Zahl der Badegäste im Itzstedter See wird begrenzt, damit sich der Nährstoff- und der Phosphatgehalt nicht erhöhen

Itzstedt.  Niemand kann prognostizieren, wie viele Besucher das Natur-Freibad Itzstedt in den nächsten Jahren haben wird. Schließlich hängt die saisonale Beliebtheit des Gewässers nicht zuletzt vom Wetter ab. Allerdings steht nun fest, wie viele Gäste maximal kommen dürfen. Der Amtsausschuss folgte einer Empfehlung des Ausschusses für die Schwimm- und Badestätten und beschloss eine Begrenzung auf 30.000 Personen im Zehnjahresdurchschnitt. Das heißt: Von 2015 bis 2025 dürfen nicht mehr als 300.000 Ausflügler gezählt werden.

Diese Entscheidung musste getroffen werden. Zum Hintergrund: Aufgrund eines erhöhten Nährstoff- und Phosphatgehaltes gilt der knapp 14 Hektar große See als „eutrophes Gewässer“. Die Nährstoffe fördern Algen- und Pflanzenwachstum, dies kann zu höherem Sauerstoffverbrauch und Fischsterben, wie zuletzt 2010 geschehen, führen. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass es keine natürlichen Zu- und Abflüsse gibt, sodass kaum frisches Wasser hinzufließt.

Ein Gutachten hatte schon 2010 drei Faktoren genannt, weswegen der Phosphateintrag (12 Kilogramm/Jahr) derartig hoch ist. Zu 38 Prozent kommt dieser von benachbarten landwirtschaftlichen Flächen und der Viehhaltung, zu 33 Prozent aus Niederschlägen und zu 29 Prozent vom Badebetrieb. Mehrere Schlussfolgerungen wurden hieraus gezogen. Eine Empfehlung lautete, den Eintrag durch extensive Mähnutzung der Grünflächen und die Schaffung von Schutzstreifen auf der Südseite zu reduzieren. Deswegen wurde Anfang 2014 ein umfangreicher Rückschnitt der Schwarzerlen an der Südseite vorgenommen – der gewünschte Effekt, nämlich ein gestärkter Schilfbestand, ist mittlerweile eingetreten.

Auf Naher und Oeringer Seite des Sees gibt es zwei wilde Badestellen

Das Amt Itzstedt kann sich naturgemäß nicht gegen Regenfälle zur Wehr setzen, doch der Badebetrieb ist regulierbar. Denn ob Urin, Schweiß oder Sonnencreme – all dies trägt Schadstoffe in den See. Dazu kommen die zwei wilden Badestellen auf Naher und Oeringer Seite ohne Duschen und Toiletten, die zudem eine Gefahr sind für den Schilfgürtel. Abgesehen von diesen Buchten, wo bisher auf Aufklärung anstatt auf permanente Kontrollen gesetzt worden ist, forderten das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sowie der Kreis als Untere Naturschutzbehörde (UNB) ein Besucherlimit von 25.000 Badegästen pro Jahr.

„Hiergegen haben wir uns gewehrt“, sagt Helmut Thran, Vorsitzender des Ausschusses für die Schwimm- und Badestätte. Denn im Schnitt wurden von 2004 bis 2014 jährlich 26.788 Gäste gezählt. Sollte es nun beispielsweise in diesem Jahr einen „Supersommer“ geben, wäre diese Quote eventuell schon Anfang August erreicht. Thran: „Was sollen wir dann machen? Die Menschen abweisen? Die gehen dann vielleicht an die wilden Badestellen.“ Er geht davon aus, dass sich die jährlichen Zahlen einpendeln werden – in einem Sommer 31.000, im darauffolgenden vielleicht nur 29.000.

In diesem Frühjahr wurde nun eine Phosphatfällung in dem See durchgeführt. Hierfür hatten Sabina Bern als See-Eigentümerin, das LLUR sowie die UNB die erforderlichen Genehmigungen gegeben – so konnte der Fördertopf der Aktivregion Alsterland aktiviert werden, insgesamt kostete die Maßnahme 30.000 Euro. Beauftragt wurde das Institut Dr. Nowak aus Ottersberg, dessen Fachleute über eine Streueinrichtung sechs Tonnen Bentophos – ein Tonmineral – in Wasser und Sedimenten verteilten. Ein patentiertes Verfahren, das beispielsweise auch schon zur Reinigung von Seen in Ratzeburg oder Lübeck angewandt wurde.

Der zuständige Ausschuss möchte den Schutzstreifen um den See ausweiten

Unter dem Strich haben die letzten Proben ergeben, dass die Maßnahme erfolgreich verlaufen ist und der Sauerstoffgehalt sich langsam erholt. Unabhängig hiervon ist die Wasserqualität weiterhin absolut unbedenklich, alle Grenzwerte werden eingehalten.

Knapp einen Monat vor dem Beginn der Badesaion, die am Freitasg, 15. Mai starten wird, gibt es allerdings noch zwei weitere Baustellen. Gerne würde der zuständige Ausschuss nämlich den Schutzstreifen rund um den Itzstedter See auf 30 Meter ausweiten, er konnte jedoch bisher nicht alle Eigentümer davon überzeugen, einen Teil ihrer Flächen zu verkaufen. Ebenso ungeklärt ist die Befischung, denn derzeit gibt es keine grundsätzliche Vereinbarung etwa mit einem Angelverein.