Norderstedt
Boostedt

Vom Hindukusch in die Kaserne

Roin, der kleine Pedro, Mutter Teona (rechts) und Amina gehören zu den ersten Flüchtlingen in der Kaserne

Roin, der kleine Pedro, Mutter Teona (rechts) und Amina gehören zu den ersten Flüchtlingen in der Kaserne

Foto: Wolfgang Klietz

Die ersten Flüchtlinge sind in der Kaserne Boostedt angekommen. Der Start ist gelungen. Im Mai werden etwa 350 Flüchtlinge hier leben.

Boostedt.  Ein wenig ratlos stehen Teona und Roin im Flur neben Amina. Roin hält den einjährigen Pedro auf dem Arm, der mit seinen Eltern die Flucht aus Abchasien bis nach Boostedt überstanden hat. Amina kommt aus Syrien und ist ebenfalls in dem renovierten Wohnblock der Kaserne untergekommen, die seit Mittwoch als Erstaufnahmelager für Asylbewerber genutzt wird. Unterhalten können sich Teona, Roin und Amina nicht. Sie finden buchstäblich keine gemeinsame Sprache. Auch Deutsch haben sie noch nicht gelernt.

Sayed gehört ebenfalls zu den ersten 30 Flüchtlingen, die in der Kaserne untergekommen sind. Ein Jahr hat seine Flucht von Afghanistan gedauert. Bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland drohte das mit 45 Menschen völlig überladene Boot im Meer zu kentern. „Die Taliban hatten einen guten Freund von mir ermordet und auch mich bedroht“, sagt der 18-Jährige. In Boostedt fühlt er sich sicher.

„Der Start ist gelungen“, sagt der Leiter der beiden zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen Schleswig-Holsteins in Neumünster und Boostedt, Ulf Döhring. „Die Menschen sind gut aufgenommen worden.“ Um die Einrichtung in Neumünster zu entlasten, wurde die Außenstelle in einem bereits geräumten Teil der Boostedter Rantzau-Kaserne gegründet, die Ende des Jahres ganz geschlossen werden soll.

Mitte April sollen bereits 100 Flüchtlinge auf dem Gelände wohnen, im Mai werden es voraussichtlich 350 sein. Bis zu 500 Menschen können in der Kaserne unterkommen. In weiteren frei werdenden Blöcken wäre Ende des Jahres noch mehr Platz, doch die schleswig-holsteinische Landesregierung hat der Gemeinde Boostedt versprochen, dass 500 Flüchtlinge die Obergrenze bleiben wird.

Ehrenamtliche Helfer der evangelischen Kirchengemeinde und des Vereins „Vielfalt“ haben Unterstützung bei der Betreuung der Asylbewerber zugesagt. Doch die vor Monaten angekündigte hohe Zahl von Flüchtlingen in einer kleinen Gemeinde hat dort auch für Unruhe gesorgt. Von rechtsradikalen Bedrohungen von Kommunalpolitikern war die Rede, die stellvertretende Bürgermeister ist angeblich knapp einem Anschlag entkommen (das Abendblatt berichtete). Beweise fehlen, die Polizei ermittelt. „Wir sind hier nie bedroht worden“, sagt Ulf Döhring.

Die Polizei hat auf dem Gelände eine kleine Polizeistation mit vier Beamten eingerichtet, die tagsüber besetzt ist. „Wir sind für die Sicherheit auf dem Gelände zuständig“, sagt Stationsleiterin Nicole Bäckers. Außerdem hat das Landesamt einen Sicherheitsdienst engagiert, der rund um die Uhr Streife geht.

Schwere Kasernentore und der Sicherheitsdienst sorgen am Eingang dafür, dass keine ungebetenen Gäste auf das Gelände gelangen. Parkplätze stehen neben der alten Panzerwaschanlage zur Verfügung. Die Bundeswehr hat die Erstaufnahmeunterkunft mit einem Zaun vom Rest der Kaserne abgetrennt. „Militärischer Sicherheitsbereich“ ist auf Schildern zu lesen. Die Flüchtlinge werden aufgefordert, den benachbarten Truppenübungsplatz nicht zu betreten. Dort wird regelmäßig geschossen.

„Wir werden vor Schießübungen informiert und können die Flüchtlinge, die traumatische Erlebnisse durchlitten haben können, vorher darüber aufklären“, sagt Maria von Glischinski vom Ortsverein Neumünster des Roten Kreuzes. Ihre Mitarbeiter beraten die Flüchtlinge und sorgen für ein Freizeitangebot. Am Osterwochenende ist auch ein Ausflug geplant: zum Boostedter Osterfeuer.