Norderstedt
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Eine Hauptstraße voller Löcher

Die Segeberger Chaussee wird immer holpriger. Zwischen 2016 und 2020 will das Land die Magistrale sanieren

Norderstedt. Thilo Müller kommt in Schleswig-Holstein viel herum: Als Servicetechniker bereist er das nördliche Bundesland mit dem Auto und stellt immer wieder fest, wie schlecht die Straßen sind. Schlaglöcher, notdürftig geflickt und immer wieder neu aufgerissen. „Überall wird nur Flickschusterei betrieben“, sagt der 35 Jahre alte Norderstedter. „Dabei hätten viele Straßen eine Grundsanierung nötig.“ Das sieht er auch in Norderstedt so: Als Anwohner der Siegfriedstraße liegt sein Haus fast direkt an der Segeberger Chaussee, die in keinem besonders guten Zustand ist. Hier ist er vor vier Jahren aus Hamburg hergezogen und stellt seitdem fest, dass der Straßenzustand immer schlechter wird. „Warum wird hier eigentlich nichts getan?“, fragt er sich.

Diese Frage stellen sich viele Autofahrer seit Jahren. In Teilbereichen reiht sich Schlagloch an Schlagloch. Oft wurden sie notdürftig mit Kaltasphalt ausgebessert, reißen jedoch schon nach wenigen Frosttagen wieder auf. Obwohl der aktuelle Winter recht mild verlaufen ist, weist die Fahrbahn erhebliche Narben auf. Nach strengerem Frost wäre die Straße kaum noch befahrbar.

Tatsächlich gehört die B432, die Segeberger Chaussee, zu jenen großen Ein- und Ausfallstraßen Norderstedts, mit denen es in den vergangenen Jahren stetig bergab gegangen ist. So sieht es auch Baudezernent Thomas Bosse: „Die Segeberger Chaussee gehört zu den Visitenkarten Norderstedts, aber diese Visitenkarte ist natürlich nicht mehr in einem angemessenen Zustand.“ Zu den schlechten Visitenkarten Norderstedts zählt Thomas Bosse auch den nördlichen Bereich der Ulzburger Straße. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr hätte eigentlich während der jüngsten Sitzung im Februar über das Thema gesprochen werden sollen, die Verwaltung zog den Punkt allerdings zurück. Tatsächlich macht man sich im Norderstedter Rathaus bereits seit einiger Zeit Gedanken über den Zustand der Straße: Es gibt ein Konzept für den Straßenausbau, inklusive der Radwegesanierung. Denn diese Wege entlang der Segeberger Chaussee gehören zu den schlechtesten, die Norderstedt zu bieten hat. Ähnlich wie auf der Fahrbahn reiht sich hier Schlagloch an Schlagloch, nach Regenfällen sind die Radwege streckenweise kaum noch zu erkennen, weil sie mit Pfützen, die sich zu einer zusammenhängenden Wasseroberfläche verbinden, übersät ist.

Die Stadt Norderstedt kann zwar ein Konzept vorlegen, doch umsetzen müssen es andere. Die Segeberger Chaussee ist eine Bundesstraße, für deren Erhalt und Ausbau das Land Schleswig-Holstein zuständig ist. In diesem Falle ist es der Landesbetrieb Verkehr mit Sitz in Itzehoe. Tatsächlich gibt es dort einen Plan, der den Ausbau dieser Straße zwischen 2016 und 2020 vorsieht. In einem Teilbereich wurde bereits saniert: Der Straßenzug zwischen dem Hotel Zur Glashütte (Gasthof „Stubbe“) und dem Hummelsbütteler Steindamm wurde 2014 ausgebaut. Im nächsten Abschnitt ist der Ausbau zwischen Hummelsbütteler Steindamm und dem Ochsenzoll-Kreisel vorgesehen. Wann das geschieht, weiß zurzeit noch niemand. Thomas Bosse: „Das hängt ganz von den Finanzierungsmöglichkeiten des Landes ab.“ Wann der weitere Ausbau in Richtung Ortsgrenze erfolgen soll, ist ebenfalls unklar. Sollte der Ausbauzeitpunkt weit in Richtung 2020 verschoben werden, würde der Straßenbelag weiter aufreißen. Der Baudezernent hofft, dass das Norderstedter Ausbaukonzept vom Landesbetrieb umgesetzt wird.

Unterstützung bekommt Norderstedt von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Holstein. Spätestens im Frühjahr müsse im Kreis Segeberg eine „Asphalt-Therapie“ starten. „Jedes Schlagloch, das dann nicht gestopft wird, meldet sich in der nächsten Saison zurück“, sagt IG-Bau-Bezirkschef Uwe Hahn. „Und zwar noch größer und tiefer.“ Damit die Schlaglöcher im Kreis Segeberg geortet werden, ruft die Gewerkschaft mit dem Auto Club Europa (ACD) Autofahrer dazu auf, gefährliche Löcher per Internet an einen zentralen „Schlagloch-Melder“ durchzugeben. Unter der Adresse www.ace-online.de/schlaglochmelder können auch Löcher in Rad- und Fußwegen gemeldet werden. Jeder Straßenschaden wird den zuständigen Behörden gemeldet. Für Gewerkschaftschef Uwe Hahn ist Straßensanierung eine Investition für eine Zukunft der Infrastruktur.