Kommentar

Ob Stuttgart 21 oder Strom: Der Wutbürger ist schon da

Wolfgang Klietz

Foto: Ulrich Stückler

Stromsmog, Eingriff in die Landschaft und andere Risiken mögen real sein. Aber auch die Gefahren, wenn der engagierte Wutbürger Großprojekte stoppt und damit für neue Gefahren sorgt.

Jetzt geht alles ganz schnell. Schon im März sollen die Arbeiten für die neue Stromautobahn beginnen. Höchstspannungsleitungen werden sauberen Strom aus Windkraft durch den Kreis Segeberg nach Süden transportieren. Eine Konsequenz der Energiewende, die Bundeskanzlerin Angela Merkel durchgesetzt hat.

Weitere Trassen werden folgen. Und genauso schnell, wie die Bauarbeiter anrücken, werden sich noch einmal die Kritiker zu Wort melden: Engagierte Bürger, die mit den Plänen nicht einverstanden sind, aber auch die vermeintlichen Experten, die reflexhaft jedem Großprojekt den Sinn absprechen und nach dem kleinsten Fehler in den Plänen Ausschau, der dann als Beleg für eine angeblich komplette Fehlplanung herhalten muss.

Diese Spezies kennt man von den Stuttgart 21-Protesten ebenso gut wie von den Versammlungen in den Dörfern des Kreises Segeberg, als dort Netzbetreiber und Landesregierung ihre Pläne erklären wollten. Selbst ernannte Experten genossen den Auftritt, die Bürger verstanden Bahnhof.

Stromsmog, Eingriff in die Landschaft und andere Risiken mögen real sein. Aber auch die Gefahren, wenn der engagierte Wutbürger Großprojekte stoppt und damit für neue Gefahren sorgt. Scheitert die Energiewende, drohen Stromausfälle. Kommt der Klimawandel wie befürchtet, redet auch keiner mehr über die Strommasten in der Landschaft. Sie wird dann im Norden unter Wasser stehen.

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