Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Sie kämpfen um Nadines Leben

Die Typisierungs-Aktion in Henstedt-Ulzburg war ein voller Erfolg. 1315 Bürger meldeten sich als Spender

Henstedt-Ulzburg. Erschöpft, aber auch stolz schaut Torben Wienhold auf das Ergebnis der Typisierungs-Aktion für seine Ehefrau Janine Wienhold. Die 32-Jährige erhielt Anfang Januar die Diagnose akute Leukämie. Die Familie stürzte in die Katastrophe (das Abendblatt berichtete). Bei der Typisierungs-Aktion im Feuerwehrhaus Henstedt-Ulzburg ließen sich per Blut-Abnahme 1315 Spender registrieren, an Geldspenden für die Aktion kamen mehr als 17.300 Euro zusammen.

„Ich bin überwältigt“, sagt Torben Wienhold, denn auch nach 16 Uhr kamen immer noch Bürger, um sich registrieren zu lassen.

Mehr als 90 Helfer unterstützten die Familie, die den drohenden Tod der jungen Mutter einfach nicht hinnehmen wollte und mit Freunden und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Typisierungs-Aktion organisierte, um für Janine und andere Leukämie-Kranke rettende Knochenmarkspender zu finden.

Die Initiative ergriffen vor allem Torben Wienhold und Janines Schwester Sandra Wilke, die diese Aktion mit der Knochenmarkspenderdatei organisierten.

Jan Reiser, Freund der Leukämie-Kranken und Feuerwehrmann in Kaltenkirchen, holte seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Henstedt-Ulzburg ins Boot, die mit anderen Vereinen, beispielsweise Bürger-Aktiv, und vielen Unterstützern aus der Aktion einen Familien-Aktionstag mit Torwand-Schießen, Tombola, Brötchenständen und gegrillten Würstchen machten.

„Die alte Wache in Kaltenkirchen wäre zu klein gewesen und war nach den Vorgaben der DKMS nicht geeignet“, sagte Reiser. Zudem drängte die Zeit, denn Janine Wienhold hofft in den nächsten 14 Tagen auf einen Knochenmarkspender.

„Wir haben deshalb mit der Gemeinde Henstedt-Ulzburg beschlossen, die Aktion hier bei uns durchzuführen“, sagte Jan-Stephan Krey, stellvertretender Wehrführer in Henstedt-Ulzburg.

Vor zwei Wochen kam die Zusage. Das Aktions-Team um Wienhold und Wilke bat Firmen um Spenden, es wurden Plakate aufgehängt, Handzettel verteilt. 9800 Euro spendeten Firmen und Bürger, 2000 Euro kam vom Rotary-Club.

„Die Hilfsbereitschaft ist groß“, sagt Krey und kündigt noch ein Benefiz-Konzert des Musikzugs der Freiwilligen Feuerwehr Henstedt-Ulzburg am Sonntag, 15. Februar, 15 Uhr, im Bürgerhaus am Beckersberg an. Auf dem Programm stehen klassische Märsche ebenso wie schwungvolle Filmmusiken.

„Als ich von der Typisierungs-Aktion erfuhr, war mir klar, dass ich helfe und mitmache, um Leben zu retten“, sagte Christian Conow. Der 41-jährige Physiotherapeut aus Sievershütten hat einen vierjährigen Sohn. „Jeder von uns kann an Leukämie erkranken“, sagte Conow, als er sich von Arzthelferin Doreen Ludwig Blut abnehmen ließ. „Wir machen das hier alle freiwillig“, sagte die 38-Jährige. Auch ihre Kolleginnen und Kollegen, darunter die gesamte Praxis Kisdorf, halfen bei der Aktion.

„Ich will einfach helfen“, sagte auch Sandra Krohn-Tollschwibbe, Mutter von zwei zehn- und elfjährigen Kindern. Die 41-Jährige war aus Sülfeld zur Typisierungs-Aktion nach Henstedt-Ulzburg gekommen und ließ sich von Rettungsassistentin Jennifer-Isabel Pansa Blut abnehmen.

„Wir hoffen, rasch einen Knochenmarkspender für meine Frau zu finden“, sagt Torben Wienhold. Vor allem auch, damit seine kleine Tochter Josie endlich wieder ihre Mutter zurück bekommen kann. „Sie vermisst sie so sehr“, sagt der Vater.

Seiner Ehefrau ginge es nach der zweiten Chemotherapie nicht gut. Jetzt müsste sie zwei Wochen warten, welche Wirkung diese Therapie zeigen werde. Wahrscheinlich gibt es dann noch eine dritte Chemotherapie. „Wir wollen diesen Krebs besiegen, weiter planen wir nicht“, sagte Torben Wienhold.

„Das war eine ganz schlimme Diagnose“, sagte Janines Mutter Rita Wegener und kämpfte mit den Tränen. „Meine Schwester ist so ein lieber Mensch und so eine liebevolle Mutter, da müssen wir einfach um alles kämpfen“, sagte Sandra Wilke und gab den nächsten Tombola-Gewinn heraus.

Seit der Diagnose Anfang Januar durfte Janine die Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona nicht mehr verlassen. „Meine Schwester hofft sehr, durch diese Typisierungs-Aktion oder von der weltweiten Datenbank einen Spender zu finden“, sagt Sandra Wilke. Doch es kommt selten vor, dass zwei Menschen nahezu identische Gewebe-Merkmale haben. Im besten Fall läge die Wahrscheinlichkeit bei 1:20.000. Doch je mehr Spender sich melden, desto größer wird die Chance. Darauf hofft jetzt auch Janine Wienhold.