Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Keine Steine in den Weg legen

Die Feuerwehren sind darauf angewiesen, dass Firmen Feuerwehr-Partner werden

Henstedt-Ulzburg. Wenn das Signal kommt, stürmt Dirk Asmus los – egal, was er gerade macht. Frühstück, Abendbrot, tiefer Schlaf oder am Arbeitsplatz: Der Feuerwehrmann aus Henstedt-Ulzburg lässt alles stehen und liegen, um zur Feuerwache an der Maurepasstraße zu eilen. Das funktioniert schon seit 28 Jahren: So lange ist Dirk Asmus als Produktionsmitarbeiter bei der Hygromatik GmbH an der Lise-Meitner-Straße in Henstedt-Ulzburg tätig. „Wann immer ich zum Einsatz muss, kann ich los“, sagt er. Heute ist Dirk Asmus, der 1978 der Feuerwehr beigetreten ist, stellvertretender Gemeindewehrführer, aber auch als „einfacher“ Feuerwehrmann wurden ihm keine Steine in den Weg gelegt. Egal, was er im Betrieb gerade anpackt, immer konnte und kann er alles sofort liegen lassen und zum Einsatz fahren.

Was Dieter Asmus erlebt, ist nicht alltäglich: Nicht jede Firmenleitung sieht es gerne, wenn Mitarbeiter zu Feuerwehreinsätzen ausrücken müssen. Und weil das so ist, machen sich auch Feuerwehrleute ernsthaft Gedanken. „Sie befürchten Nachteile am Arbeitsplatz“, weiß Kreiswehrführer Peter Gloyer. Das trifft nicht nur auf plötzlich anstehende und stets unvorhergesehene Einsätze zu, sondern auch auf die Teilnahme an Lehrgängen, die für Feuerwehrleute wichtig sind, um technisch auf dem Laufenden zu bleiben.

Bei Großeinsätzen, wie bei den Stürmen und dem Hochwasser in den vergangenen Wochen, kann es zu Personalproblemen kommen. Hunderte von Feuerwehrleuten waren Tag und Nacht im Einsatz, um Häuser vor den Wassermassen zu retten und Sturmschäden zu beseitigen. Weil viele Einsätze auf die Feiertage zum Jahresende fielen, waren die Arbeitgeber nicht so stark betroffen. Aber es kann auch anders kommen – Naturkatastrophen oder Feuerbrünste können jederzeit eintreten. Und immer müssen die Feuerwehren gewährleisten, dass genügend Einsatzkräfte an den Einsatzorten sind.

Die Hygromatic GmbH ist für die Feuerwehr deshalb auch beispielhaft. Das weltweit tätige Unternehmen im Bereich der Luftbefeuchtung wurde vom Kreisfeuerwehrverband als „Partner der Feuerwehr“ mit einem Förderschild ausgezeichnet. Für General-Manager Dirc Menssing ist das Freistellen von Feuerwehrleuten im Bedarfsfall eine Selbstverständlichkeit, aber viele andere Firmenleitungen denken darüber völlig anders. So wurde in Henstedt-Ulzburg erst ein Förderschild vergeben, kreisweit sind es bis heute gerade mal 25. Kreisfeuerwehrchef Peter Gloyer weiß, dass es für viele Firmenleitungen nicht einfach ist, über den eigenen Schatten zu springen: „Viele Betriebe stellen das eigene Profil in den Vordergrund.“

Er würde liebend gerne mehr Förderschilder an die Firmen im Kreis Segeberg vergeben. Für Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer ist das Engagement der Firma Hygromatik „beispielgebend für die Sicherheit in der Gemeinde“. Und Gemeindewehrführer Jan Knoll ergänzt: „Nur durch Unternehmen wie diese ist es möglich, dass freiwillige Feuerwehren wie in Henstedt-Ulzburg rund um die Uhr in Not geratenen Bürgern helfen können.“ Mit Thorsten Füllmar ist noch ein zweiter Feuerwehrmann in dem seit 1999 in Henstedt-Ulzburg ansässigen Unternehmen tätig.

Die Sicherheit der Einwohner ist allerdings jederzeit gewährleistet – auch wenn es gelegentlich Probleme mit Arbeitgebern gibt. „Wir haben uns auf diese Schwierigkeiten eingestellt“, sagt Dietrich Vahldiek, Ortswehrführer der Feuerwehr Henstedt. „Bei einem normalen Einsatz können wir immer mit einem kompletten Zug ausrücken.“

Etwa ein Drittel der Feuerwehrleute arbeitet in Henstedt-Ulzburg, einige davon sind selbstständig, sodass es für sie kein Problem ist, zur Feuerwache auszurücken. Bei größeren Einsätzen müssen bis zu 45 Personen im Einsatz sein. „Die Leute sind da“, sagt Ortswehrführer Vahldieck. Bei ganz großen Einsätzen helfen auch die Nachbarwehren aus – zum Beispiel die Ortswehren aus Norderstedt. Umgekehrt helfen auch die Feuerwehren aus Henstedt-Ulzburg in anderen Orten aus.

Die Feuerwehren in Henstedt-Ulzburg müssen pro Jahr etwa 300-mal ausrücken, in Norderstedt gibt es weit mehr Einsätze, in ländlichen Bereichen sind es pro Feuerwehr oft nur wenige Einsätze pro Jahr. Aufgeteilt auf die einzelnen Ortswehren und die beteiligten Feuerwehrleute halten sich die Einsatzzahlen noch in Grenzen. Für Dirk Asmus und die Hygromatic GmbH bedeutet das: Durchschnittlich einmal im Monat wird er vom Arbeitsplatz zum Einsatzort abberufen.