Norderstedt
Eekholt

Der Wildpark wächst weiter

Über 260.000 Besucher kamen 2014 in die Naturerlebnisstätte. Dort soll bald eine Voliere für Schreiadler entstehen

Eekholt. Tierfreunde müssen schon riesiges Glück haben, um den neuesten Bewohner des Wildparks Eekholt in freier Wildbahn beobachten zu können. Nicht nur, weil die Schreiadler mit einer Größe von maximal rund 70 Zentimetern (Flügelspannweite: 146 bis 168 Zentimeter) die kleinste hierzulande vorkommende Adlerart sind. Vielmehr ist ihr Lebensraum mittlerweile stark eingeschränkt aufgrund zunehmender Land- und Forstwirtschaft – die auch „Pommernadler“ genannten Zugvögel sind vom Aussterben bedroht, die 110 nachgewiesenen Brutpaare befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. In Schleswig-Holstein sind seit Jahrzehnten keine Schreiadler mehr beobachtet worden.

Vor einigen Monaten kamen trotzdem – abseits der Öffentlichkeit – ein Männchen und ein Weibchen nach Eekholt. „Die Schreiadler sind in Niedersachsen illegal gehalten worden“, sagt Geschäftsführer Wolf von Schenck. Vorerst leben die seltenen Tiere in einer Pflegestation. „Wie alt die Adler sind, können wir noch nicht zu 100 Prozent einschätzen. Wir versuchen, das genetisch zu bestimmen.“

Besonderheiten gibt es einige. So jagen Schreiadler gerne zu Fuß. Unter dem Nachwuchs ist der „Kainismus“ ausgeprägt: In der Regel legt ein Weibchen zwei Eier, doch fast immer tötet das Erstgeborene den jüngeren Vogel oder unterdrückt diesen mit Angriffen so sehr, dass er verhungert.

Für das Jahr 2015 hat sich die Wildparkleitung in Eekholt vorgenommen, die Schreiadler auch den Besuchern näher zu bringen. „Jetzt leben die Schreiadler noch hinter den Kulissen. Aber wir sind mitten in den Planungen für eine Voliere. Dort sollen die Vögel ungestört sein, aber es soll auch Beobachtungsmöglichkeiten geben“, so Wolf von Schenck.

Für die Realisierung einer Voliere laufen bereits Gespräche mit der Deutschen Wildtierstiftung. Ob das Schreiadlerpaar sogar Nachwuchs zeugen könnte, lässt sich aber derzeit nicht vorhersagen.

Im Jahr seines 45. Geburtstags plant der Wildpark ferner, die zweite Stufe der neuen Wolfsmeile einzuweihen. Mitte März eröffnen dann zwei Ausstellungsgebäude direkt am Gehege. „Nur durch das Eingehen auf Ängste und Vorurteile sowie das Aufzeigen von Problemlösungen ist es möglich, eine breite Akzeptanz für zurückkehrende Wölfe zu erreichen in der Bevölkerung“, sagt Wolf von Schenck.

Bundesweit gilt er als einer der führenden Experten für die Erforschung des Verhaltens der scheuen Tiere. Eekholt selbst ist Wolfsinformationszentrum des Landes Schleswig-Holstein.

Rein wirtschaftlich gesehen – und das ist bei einem Privatunternehmen wie dem Wildpark Eekholt ebenso wichtig – zählen die Raubtiere zu den größten Attraktionen der Naturerlebnisstätte. Auch, aber nicht nur deswegen verzeichneten die Eekholter 2014 einen großen Zuwachs von 222.118 auf 260.079 Besucher, umgerechnet ein Plus von mehr als 17 Prozent. Zudem wurden 6500 Jahreskarten (2013: 6000) verkauft.

„Wir hatten gerade bei unseren Sonderveranstaltungen viel Glück mit dem Wetter“, sagt Mitinhaberin Isabelle Mahnert. Ihre Großeltern Theda und der 2009 verstorbene Hans-Heinrich Hatlapa hatten den Wildpark 1970 gegründet, Mahnert stieg 2007 in das Management ein.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr verblüfft insbesondere der Zustrom bei den Dunkel-Munkel-Nächten mit insgesamt 15.000 Besuchern aus ganz Norddeutschland, darunter allein 6349 am 8. November. Mahnert versprach in diesem Zuge Besserung bei der Organisation derartiger Veranstaltungen, damit es nicht erneut zu einem Parkplatz-Chaos komme.