Norderstedt
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Hilfe für psychisch Kranke

Heute nehmen im Frederikspark zwei Tageskliniken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Arbeit auf

Norderstedt. Ohne große Einweihungsfeier nehmen heute in Norderstedt zwei psychiatrische Tageskliniken ihre Arbeit auf. Im Frederikspark, an der Straße Beim Umspannwerk, betreibt der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene, die Regio Kliniken GmbH aus Elmshorn eine Klinik für Kinder und Jugendliche. Beide Einrichtungen sind in einem gemeinsamen Komplex mit getrennten Eingängen untergebracht.

Die Regio Klinik schafft mit der Tagesklinik in Norderstedt ein wohnortnahes Angebot für die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Damit verbessert sich die Versorgung im südlichen Teil des Kreises Segeberg erheblich: Bisher mussten die jungen Patienten zur Behandlung nach Schleswig. Ein Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegern behandelt psychische Erkrankungen in enger Zusammenarbeit mit den Eltern, Jugendämtern und Jugendhilfeträgern.

Ein besonderer Schwerpunkt der Tätigkeit bildet die Versorgung von Kindern und Jugendlichen nach traumatischen Ereignissen. Zwölf Plätze stehen für die gleichzeitige Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen fünf und 18 Jahren zur Verfügung.

Nach den Erfahrungen der Regio Kliniken GmbH, die in Elmshorn unter der Leitung von Chefärztin Anna Vetter eine Kinder- und Jugendpsychiatrie mit jährlich 430 stationären und 1100 Tagesklinik-Patienten betreibt, bleiben die jungen Patienten über mehrere Wochen für rund acht Stunden in der Tagesklinik, wo sie eine individuell abgestimmte Therapie erhalten. „Durch die tagesklinische Behandlung sollen sie möglichst in ihrem familiären Umfeld gehalten werden“, sagt Chefärztin Vetter. „Dafür arbeiten wir eng mit den Eltern zusammen.“ Zusätzlich sollen in Norderstedt noch in diesem Jahr auch Eltern mit psychischen Erkrankungen gemeinsam mit ihren Kindern behandelt werden. Nach den teilstationären Behandlungen stellen Therapeuten die ambulante Versorgung sicher.

Bauherr des Klinikgebäudes ist die Innere Mission in Schleswig-Holstein, die im Kreis Segeberg bereits Tageskliniken in Bad Segeberg und Kaltenkirchen sowie das psychiatrische Zentrum mit dem psychiatrischen Krankenhaus Rickling betreibt. Für rund sechs Millionen Euro hat die Innere Mission zwei Artriumhäuser errichtet, die mit einem Gang verbunden sind. In einem Teil des Gebäudes ist die Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Regio Klinik untergebracht, im anderen Flügel betreibt der Landesverein die Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene. Die Tagesklinik für Erwachsene in Norderstedt ist eine Schnittstelle zwischen vollstationären Angeboten und dem ambulanten Bereich. Sie kann vollstationäre Aufnahmen bei Patienten verhindern.

Grundsätzlich soll die Behandlung in der Tagesklinik allen Erwachsenen mit psychischen Störungen zur Verfügung stehen, für die eine teilstationäre Behandlung sinnvoll ist. „Erfahrungen in den bereits bestehenden Tageskliniken des Psychiatrischen Zentrums Rickling wie auch anderer Träger an vielen Orten haben gezeigt, dass das Angebot vor allem von Menschen mit Depressionen und Persönlichkeitsstörungen in Anspruch genommen wird“, sagt Nikolas Kalhke, Leitender Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums Rickling. „Aber natürlich werden auch Menschen mit Psychosen, bipolaren Störungen oder Angst- und Zwangsstörungen behandelt.“ Akut Selbstmordgefährdete, Suchtmittelabhängige oder an schweren hirnorganischen Veränderungen leidende Menschen können in Norderstedt nicht behandelt werden.

20 Plätze stehen in der Tagesklinik zur Verfügung. Das Therapieprogramm an den Wochentagen ist so intensiv wie in einer Akutklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Patienten behalten aber den täglichen Kontakt zum häuslichen und sozialen Umfeld. „Wenn die Erkrankung allerdings dazu führt, dass der Alltag in der Zeit außerhalb der Therapie nicht bewältigt werden kann, ist oft eine vollstationäre Therapie notwendig“, sagt Susanne Herschel, die ärztliche Leiterin der Tagesklinik.

Die beiden mit einem Übergang verbundenen zwei- und dreigeschossigen Klinikgebäude sind fast baugleich mit der Tagesklinik in Kaltenkirchen. 5.6 Millionen Euro wurden investiert, das Land Schleswig-Holstein beteiligt sich mit 2,6 Millionen Euro, weitere 2,6 Millionen Euro kommen aus einem Investitionsdarlehen, der Landesverein bringt 0,5 Millionen Euro Eigenmittel ein. Die Regio Klinik ist Mieter des von ihr genutzten Gebäudeteils.

Die Sprechzeiten der Tagesklinik für Kinder und Jugendliche sind montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie montags bis donnerstags von 13 bis 16 Uhr. Die Klinik ist unter Telefon 040/357 71 96 00 oder per E-Mail unter kjp-reg@sana.de zu erreichen.Die Tagesklinik für Erwachsene ist unter Telefon 040/357 71 9 400 zu erreichen. Informationen gibt es unter www.tageskliniknorderstedt.de im Internet.