Norderstedt
Bad Segeberg

Segebergs evangelische Araber

Die Mitglieder der Gemeinde Gottes, von denen viele syrische Wurzeln haben, missionieren und helfen Flüchtlingen

Bad Segeberg. Arabisch und evangelisch – das passt zusammen. Zumindest in Bad Segeberg. Seit einigen Jahren existiert hier die Evangelisch-Arabische Gemeinde. Entstanden ist sie im Haus von Jan Anton. „Ich bin 2004 zu Jesus gekommen“, berichtet er. Seitdem gehört er der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Gottes in Bad Segeberg an, und er konnte auch andere aus seinem Umfeld für den christlichen Glauben begeistern. „Wir haben dann einen Bibelkreis bei uns zu Hause gegründet“, sagt Jan Anton. Seine Frau Racha war dabei, ebenso seine Cousine Samar Touma. Beide gehören auch heute noch zum festen Kern der Gemeinde. „Wir waren am Anfang drei Familien“, sagt Anton, und so wurde sein Haus bald zu klein. Unterschlupf fanden die arabischstämmigen Christen dann zwei Jahre lang im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Segeberg.

Einmal im Monat gibt es einen Gottesdienst, ansonsten eine Andacht

Heute treffen sich wöchentlich etwa 30 Erwachsene und 20 Kinder in den Räumen der Gemeinde Gottes in der Lübecker Straße von Bad Segeberg. Sie kommen aus der Kreisstadt, Trappenkamp, Bad Bramstedt und Umgebung. Einmal im Monat gibt es einen Gottesdienst, ansonsten wird eine Andacht gehalten, und dann sitzen die Gläubigen bei Kaffee und Kuchen zusammen. Die meisten Mitglieder der Gemeinde haben wie die Familie Anton syrische Wurzeln, andere stammen aus Ägypten oder dem Irak. Die Gemeindemitglieder sehen ihre Aufgabe dabei sowohl in der Mission als auch in der Hilfe für Flüchtlinge und andere Migranten aus dem arabischen Raum. So haben sie lange Zeit immer wieder die zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Neumünster besucht und den Neuankömmlingen unter anderem bei Behördengängen geholfen.

„Es ist ein Geschenk, dass die Leute in Deutschland sind“, sagt Jan Anton. „Sie können Freiheit und Demokratie kennenlernen und sich frei äußern. In den arabischen Ländern könnten sie das nicht, und wir könnten auch nicht so frei über den Glauben erzählen.“ Die Hilfe ist dabei der Ausgangspunkt des Kontaktes. „Wenn wir ins Asylantenheim gehen, Jan und ich und Racha, dann fragen die dort oft, warum wir so sind und ihnen helfen“, berichtet Samar Touma. Sie erklärten die Hilfe dann als einen Akt der Nächstenliebe, der aus dem Glauben komme. Und die Nächstenliebe bekommen auch Angehörige anderer Religionen immer wieder zu spüren. „Wir helfen natürlich auch den Muslimen“, sagt Jan Anton. Auch mit der muslimischen Gemeinde in der Kreisstadt gebe es, bei allen Meinungsunterschieden, gute Kontakte.

Der Pastor der Gemeinde stammt aus Jordanien und arbeitet ehrenamtlich

Besonders wichtig ist es in den Augen von Anton und seinen Mitstreitern, dass Konflikte aus den Heimatländern nicht nach Deutschland verlängert werden. „Wenn wir hier Syrer treffen, die anderer Meinung sind, vielleicht mehr aus der Seite der Isis, versuchen wir, die Konflikte zu vermeiden“, sagt er.

Die arabischen Christen in Bad Segeberg wissen natürlich um die Verfolgung der Glaubensgeschwister in ihrer Heimat, aber für sie kommt es darauf an, wieder aufeinander zuzugehen. „Wenn wir in Deutschland friedlich miteinander leben können, dann ist das eine Lektion für uns. Das ist etwas, das wir wieder nach Syrien tragen können“, fasst es Jan Anton zusammen und sieht das auch ein wenig als Vorbild für die Heimatländer.

Darin sehen sie sich in der Friedensbotschaft von Jesus Christus gestärkt. Dass es friedlich gehe, beweise der interreligiöse Dialog in Bad Segeberg, wo Christen, Muslime und Juden seit Jahren miteinander sprechen und unterschiedliche Projekte auf die Beine gestellt haben.

Die meisten syrischen Mitglieder der Gemeinde gehören zu den Aramäern und sprechen somit die Sprache, die auch Jesus selbst gesprochen hat. Das kam in Bad Segeberg auch schon anderen Christen zugute. Samar Toumar hat beispielsweise schon mehrfach das Vaterunser in aramäischer Sprache im Gottesdienst der Marienkirche gesungen. Aber auch wenn die Aramäer in ihrer Heimat der orthodoxen oder der katholischen Kirche angehören, in Bad Segeberg versteht sich die Gemeinde als evangelisch-freikirchlich. Gerne würde sie die missionarische Arbeit auf weitere Teile Schleswig-Holsteins ausdehnen. Dafür reiche aber die Kraft und die Zeit der Ehrenamtler nicht aus, sagt Jan Anton.

Einen Pastor hat die Gemeinde zwar auch, aber auch der arbeitet derzeit ehrenamtlich. Er stammt aus Jordanien, hat im Libanon an der baptistischen Hochschule studiert und lebt seit 15 Jahren in Deutschland, derzeit in Bremen. So könne er auch nur einmal im Monat nach Bad Segeberg zum Gottesdienst kommen, so Anton. Das aber soll sich ändern. Derzeit suchen die arabischen Christen aus Bad Segeberg gemeinsam mit der Gemeinde Gottes nach Spendern, die eine Anstellung des Pastors ermöglichen sollen. Dann könnte die Arbeit der kleinen evangelisch-arabischen Gemeinde ganz neue Fahrt aufnehmen.