Norderstedt
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Kritik an „Solarhöfen Garstedt“

Verwaltung stellt Pläne für Bauvorhaben am Richtweg vor. Anlieger sprechen von „Betonklotzbebauung“

Norderstedt. Das Garstedter Dreieck ist eines der letzten größeren Gebiete in Norderstedt, das städtebaulich genutzt werden kann. Im Westteil am Friedrichsgaber Weg laufen nach monatelangem Stillstand die Arbeiten für die ersten neuen Häuser an. Für den Nordostteil des Gebietes, zwischen Buschweg, Buchenweg und U-Bahnhof Richtweg, haben die Bauplaner der Öffentlichkeit nun einen Vorentwurf zur vorgesehenen Bebauung präsentiert. Rund zweieinhalb Stunden erörterten Verwaltung, Architekten und Landschaftsplaner am Dienstagabend in der Aula des Coppernicus-Gymnasiums mit rund hundert Bürgern das Vorhaben „Solarhöfe Garstedt“.

211 Wohneinheiten auf 22.215 Quadratmeter Bruttogeschossfläche (BGF) sollen auf den von Knicks und Reddern umschlossenen Wiesen am Richtweg entstehen. Dabei haben die Norderstedter Stadtvertreter vor gut einem Jahr den Planern mehrere städtebauliche Eckdaten und Ziele mit auf den Weg gegeben: Das neue Quartier soll sich zum Mehrgenerationswohnen eignen. Es soll hohe Energiestandards erfüllen. Und es soll die vorhandenen Grün- und Knickstrukturen sichern – daran aber zweifelten viele der Anwesenden.

Denn der Siegerentwurf der beiden Hamburger Planungs- und Architektenbüros blauraum und arbos mit drei Komplexen nördlich und einem südlich des Richtwegs sieht Gebäude mit bis zu vier Geschossen vor. „Wir sind damit aber überall unterhalb der Baumwipfel“, versuchte Norderstedts Erster Stadtrat Thomas Bosse zu beruhigen. Allerdings mit geringem Erfolg. Die geplante „Betonklotzbebauung“ werde die Landschaft verschandeln, führten Kritiker aus. Der ländliche Charakter des Gebiets würde zerstört.

Die Planer sehen das ganz anders. Baustadtrat Bosse lobte den vorliegenden Entwurf, der als einziger im Architektenwettbewerb nicht der klassischen Bebauung längs von Straßen gefolgt sei, sondern intelligent Architektur im Landschaftsraum umsetze. Rüdiger Ebel, Geschäftsführer von blauraum, und sein Kollege Günter Greis von arbos, hoben hervor: Die Gebäude seien wie Gehöfte angeordnet, mit innen liegenden Gärten und Gemeinschaftsflächen, „die nachbarschaftliche Beziehungen und Kommunikation fördern“, wie es im Konzept für die Solarhöfe Garstedt heißt. So ist zum Beispiel an Spielbereiche für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen, Liegewiesen, Sport- und Aufenthaltsflächen gedacht. Auch an Trampelpfade durch die Wiesenflächen. Die Gebäude seien so ausgerichtet, dass zum einen die Bewohner großzügige Ausblicke in die Natur haben werden, zum anderen der Abstand zu den vorhandenen Knicks aber ausreichend ist.

Außerdem wiesen die Planer darauf hin, dass der vorliegende Entwurf ein Vorschlag und die endgültige Art der Bebauung noch offen sei. Zumindest die Reduzierung der Geschosshöhen scheint aber unwahrscheinlich zu sein. In der direkten Umgebung einer innerstädtischen U-Bahnstation mache eine Reihenhausbebauung, so wie es mehrere Bürger vorschlugen, keinen Sinn, führte Stadtrat Bosse aus: „Und wir sind auch gesetzlich gehalten, mit Grund und Boden sparsam umzugehen.“

Verunsichert sind vor allem die Anlieger des Richtwegs westlich des U-Bahnhofs. Sie sehen durch das Neubauvorhaben ihr Idyll bedroht. Richtung Süden sehen sie auf den größten Komplex des Bauprojektes, auf der Nordseite werden die Solarhöfe nahe ihrer eigenen Grundstücke stehen. Eine weiter entfernte Bebauung sei aber wegen des zweihundert Meter breiten regionalen Grünzuges direkt unterhalb des Buchenwegs nicht möglich, stellte Thomas Bosse dar. Doch weder die Versicherung der Verwaltung, ihre Häuser hätten Bestandsschutz und eine Enteignung sei ausgeschlossen, konnte die Betroffenen beruhigen. Noch dass der im Planentwurf eingezeichnete mittlere und am dichtesten gelegene Gebäudekomplex deswegen lediglich perspektivisch für die nächsten Jahrzehnte angedacht sei.

Die Neubauten der Solarhöfe sollen vom Buchenweg aus, parallel zur U-Bahntrasse entlang des Fuß- und Fahrradweges an das Straßenverkehrsnetz angebunden werden. Mit einer hohen Anzahl von Besucherparkplätzen in den Tiefgeschossen der Gebäude will man Abstellmöglichkeiten am Rand der Straße überflüssig machen. Nach der jetzigen Planung endet die neue Straße als Wendehammer am U-Bahnhof unmittelbar vor dem südlichen Solarhof und dient damit auch als Anbindung der U-Bahnstation Richtweg. Auch hier soll es keine Abstellplätze für Autos geben. Das werde die angespannte Parksituation in den Straßen östlich des U-Bahnhofs nicht entschärfen, befürchten die Anwohner des Dahlienstiegs, Richtwegs, Langen Kamps, Nelkenstiegs und des Rosenstiegs, darunter der ehemalige CDU-Stadtvertreter und Bürgervorsteher Karlfried Wochnowski. „Das Thema Parkplatznot“, kündigte Stadtrat Bosse an, „wird von der Stadt demnächst grundsätzlich angegangen.“

Ein Aspekt kam bei der Informationsveranstaltung fast zu kurz: Die „Solarhöfe“ werden den Plus-Energiestandard erfüllen: Wärmepumpen Fotovoltaik- und Solaranlagen sollen mehr Energie erzeugen, als von den Bewohnern verbraucht wird. Auch hier gibt es, wie für die gesamte Detailplanung der Gebäude, noch keine endgültigen Beschlüsse. Man habe allerdings aus den Fehlern beim Solardorf in Glashütte gelernt. Was konkret, darüber schwieg sich die Verwaltung am Dienstagabend allerdings aus.

Der vorgestellte Entwurf kann ab sofort bis zum 15. Januar 2015 im Bauamt des Norderstedter Rathauses eingesehen werden. Anregungen und Einwände sind dort schriftlich einzureichen.