Norderstedt
Kreis Segeberg

Rantzauer Forst – Wald geprüft und für nachhaltig befunden

Dem heimischen Wald in Schleswig-Holstein geht’s gut. Als Folge der Sturmschäden vom vergangenen Jahr gibt es allerdings sehr viele Borkenkäfer.

Norderstedt. Der Wald in Schleswig-Holstein ist zum dritten Mal für weitere fünf Jahre nach dem PEFC-Standard (übersetzt: Programm zur Erhaltung des Waldes) zertifiziert worden. Im Rantzauer Forst in Norderstedt-Friedrichsgabe überreichte der Prüfer Raimund Kaltenmorgen jetzt die entsprechende Urkunde an Hans-Caspar Graf zu Rantzau, den Sprecher der Regionalen Arbeitsgruppe Wald, der selbst 400 Hektar Wald rund um Pronstorf im Kreis Segeberg besitzt.

Das Zertifikat, das seit 2004 gilt und nun bis 2019 fortgeschrieben wird, sei wichtig, damit die Bürger wüssten, dass der heimische Wald nachhaltig bewirtschaftet wird, sagt Graf Rantzau. „Der Prüfbericht verspricht den Menschen in Schleswig-Holstein, dass sie nichts Böses tun, wenn sie bei uns Holz kaufen, um damit zu bauen, Parkett zu verlegen oder es zu verbrennen. Im Gegenteil. Sie tun Gutes und wirken dem Treibhauseffekt entgegen, weil der nachwachsende Rohstoff Wald das Klimagift Kohlendioxid bindet und Sauerstoff freisetzt.“

Jeder Baum, der gefällt werde, schaffe Platz für einen neuen, so der Graf. So bindet der Wald in Schleswig-Holstein nach einer Studie der Landesforsten etwa 37,5 Millionen Tonnen CO2.

Das Prüfsiegel, das nun dem Land erneut eine nachhaltige Wald- und Forstwirtschaft bescheinigt, die nachweislich ökologisch, ökonomisch und sozialverträglich arbeitet, umfasst mit 66.685 Hektar Wald den gesamten öffentlichen Waldanteil des Landes sowie etwa ein Fünftel der etwa 100.000 Hektar, die in Privatbesitz sind. Mit einem Anteil von zehn Prozent an der Gesamtfläche ist Schleswig-Holstein eines der waldärmsten Bundesländer. Der Kreis Segeberg ist mit 134.438 Hektar der Flächenkreis mit dem fünfthöchsten Waldanteil nach Rendsburg-Eckernförde (218. 590 Hektar), Schleswig-Flensburg (207.163 ha), Nordfriesland (204.861 ha) und Dithmarschen (142.814 ha). Auf jeden Einwohner im Land kommen etwa 560 Quadratmeter Waldfläche.

Das Zertifikat, das mit einem 150 Seiten starken Waldbericht einhergeht, der von der Landwirtschaftskammer demnächst im Internet veröffentlicht wird, wie deren Forstabteilungsleiter Hans-Jürgen Sturies ankündigt, garantiert, dass nicht mehr Holz geschlagen wird als nachwächst und dass jeder gefällte Baum wieder aufgeforstet wird. Es weist nach, dass der Wald ein sicherer Lebens- und Erholungsraum für Mensch und Tier ist, die Artenvielfalt erhalten bleibt und dass darüber hinaus dieser nachhaltig bewirtschaftete Wald seiner Funktion als natürlicher Schutz von Gewässern, Böden und Klima nachkommt.

Bei der Holzernte werden biologiosch abbaubare Treibstoffe verwendet

Außerdem besagt das Prüfsiegel, dass die rund 20.000 Beschäftigten in den 3300 Holz- und Forstbetrieben des Landes einen hohen Standard bei der Arbeitssicherheit genießen, ihre Arbeitnehmerrechte gewahrt und bei der Holzernte nur biologisch abbaubare Kettenöle und Treibstoffe verwendet werden.

Förster Sebastian Bohne, der jeweils 800 Hektar Laub- und Nadelwald in der Försterei Tangstedt zu bewirtschaftet hat, die von der A7 zwischen Kaltenkirchen und Hamburg sowie von Kisdorf bis zur B432 reicht und ganz Norderstedt umfasst, wiederum muss gemäß diesem Prüfbericht sicherstellen, dass jeder, der bei ihm Holz zum Bauen oder Heizen schlagen will, auch mit der Motorsäge umgehen kann. 8000 Kubikmeter Holz verkauft er in normalen Jahren an Privatleute. Nur in diesem Jahr durften es nicht mehr als 2000 Kubikmeter sein, berichtet der Tangstedter Förster. So große Schäden hatte der Sturm „Christian“ vor einem Jahr in seinem Rantzauer Forst hinterlassen. Und da im Norden des Landes die Sturmschäden noch weitaus größer waren und laut Prüfsiegel das Gebot der Nachhaltigkeit gilt, musste er den zu verkaufenden Waldanteil drastisch herunterschrauben.

Dem Zustand seines Waldes gibt Förster Bohne aber durchweg gute Noten. „Wir haben einen ziemlich gesunden Wald.“ Nur die vielen Borkenkäfer, die nach den Sturmschäden verstärkt die entwurzelten Bäume befallen hätten, machten dem Wald das Leben etwas schwer.