Norderstedt
Norderstedt

Der schöne Schein vor dem bösen Sein

Der Norderstedter Kulturverein Malimu prangert in einer Ausstellung mit viel Hintersinn die Umweltverseuchung durch Plastik an

Norderstedt. Tagelang hat Manfred Thiel in seinem Keller gesessen und 175 Plastik-Tüten mit Plastik vollgestopft. Dann steckte er die 175 kleinen Plastik-Tüten in eine große Plastik-Tüte, leerte die in der Rathaus-Galerie aus und verteilte die Plastik-Tüten rundherum an den Fußleisten. Als Rahmen für die Projektausstellung „Kunst-Stoff“ des Kulturvereins Malimu. Die zeigt: Alles Plastik! Plastik-Puppen, Plastik-Spielzeug. Plastik-Tüten. Kunststoff. Oder Kunst-Stoff?

„175 dünne Plastik-Tüten verbraucht ein EU-Bürger durchschnittlich pro Jahr“, sagt Thiel zu seiner Installation. Mit der Schau wollen die Malimu-Mitglieder darauf hinweisen, dass wir uns mit Plastik zumüllen und die Meere verseuchen.

Thiels Plastik-Tüten treffen im hinteren Teil der Galerie auf die Arbeit von Renate Jenner, Regina Lemburg, Gudrun Pöpperling und Käthe Roch. Plastik-Spielzeug liegt auf Plastik-Plane, aus Plastik-Tüte wurde ein Plastik-Fisch, der hilflos auf einem Plastik-Berg gestrandet ist. Doch die fünf Frauen malten auch mit Plastik.

Hingucker ist Wolfgang Kopkows Plastik-Bein, auf dem Playmobil-Figuren krabbeln. Auf das Bein einer Schneiderpuppe klebte er Playmobil-Figuren und nannte das Ganze „Stau am Nanga Parbat“ nach dem Bergsteiger-Run auf den höchsten Gipfel im West-Himalaya. „Dort ist regelmäßig Bergsteiger-Stau, und einmal im Jahr sammelt eine Expedition den Müll ein, den die Bergsteiger hinterlassen“, sagt Kopkow, der auch mit Plastik-Pillenpackungen den Spruch „Ich lebe noch der Pharma-Industrie zum Trotz“ bildete. Die Packungen sind leer. Bis auf eine, eine rote Pille, die Überdosis, die den Tod gebracht hätte. Kopkow ist immer für Hintersinn gut.

Eine Müll-Idylle gelang Sigrun Hass aus Joghurt-Bechern. Sie stapelte die Becher zu den Stämmen dreier Palmen, setzte Styropor-Streifen als Blätter oben drauf, stellte die Plastik-Palmen in Plastik-Füllmaterial und nannte das Ganze beziehungsreich „Die Zukunftsinsel“.

Den schönen Schein vor dem bösen Sein patchworkte Helga Thiel mit ihrem Wandbehang „Der Polyestertanz“, ein Tanz auf dem Seil über dem Plastik-Müll-Abgrund. Almuth Wagener nimmt „J. D., König von Mallorca“ in den Fokus. Aus CD-Scheiben und Pralinen-Plastik-Packungen setzte sie ein Männchen zusammen, Jürgen Drews eben.

Frank Boje Schulz malte mit kleingeschnittenen Trinkhalmen und Ringbindern aparte Sujets. Alles Müll? Oder doch Stoff, aus dem Kunst wird?

Die Plastik-Schau von Malimu ist bis 23. November, montags, dienstags und freitags von 11 bis 14 und von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 14 und 15 bis 19 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Rathaus-Galerie, Rathausallee 50, zu sehen.