Norderstedt
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Fußgänger leben gefährlich

Anwohner des Krummen Weges fordern eine Einbahnstraßen-Regelung. Die Stadt Norderstedt lehnt das strikt ab

Norderstedt. Die Anwohner des Krummen Weges in Norderstedt fürchten um ihre Sicherheit. „Vor Kurzem hätte ein Autofahrer fast zwei Kinder angefahren“, sagt Jakob Klobutzki, der an der kleinen, aber stark befahrenen Straße lebt, die viele Autofahrer als Schleichweg zwischen Tannenhofstraße/Ohechaussee und Ochsenzoller Straße/Herold-Center nutzen. „Der Audi-Fahrer ist auf den Bürgersteig ausgewichen und knapp an den etwa zehn Jahre alten Kindern auf ihren Tretrollern und mir vorbeigerast“, sagt Klobutzki. Dass Autofahrer den Fuß- und Radweg als Fahrbahn beanspruchen, damit Passanten gefährden und Verkehrsregeln missachten, komme immer wieder vor.

Das Problem: Auf der nur wenige Hundert Meter langen Verbindung wird alternierend geparkt. Bei Gegenverkehr müssen die Autofahrer hinter den abgestellten Fahrzeugen warten. In den Hauptverkehrszeiten gibt es Staus, die sich, so der Anlieger, nur auflösen, indem Autofahrer auf den Fußweg ausweichen. „Warten will niemand, es wird zunehmend rücksichstlos und aggressiv auf unserer Straße gefahren. Es ist für uns nur eine Frage der Zeit, wann Kinder oder Erwachsene Opfer von schweren Unfällen werden und Rettungsfahrzeuge nicht durchkommen, weil der Krumme Weg verstopft ist“, sagt Klobutzki. Viele Kinder seien auf dem Fußweg unterwegs, in der Nähe sind Grundschulen und die Kita an der Tannenhofstraße.

Klobutzki hat seine Sorgen in einem Brief an die Stadt, die CDU und die SPD formuliert und Vorschläge gemacht, wie die Situation entschärft werden könne: Der Krumme Weg soll als Einbahnstraße von der Ochsenzoller Straße zur Tannenhofstraße ausgewiesen werden, Aufpflasterungen sollen die Raser bremsen.

Doch weder Polizei noch Verwaltung halten diese Vorschläge für sinnvoll. „Eine Einbahnstraße würde den Krummen Weg als Schleichweg ja noch attraktiver machen“, sagt Kai Hädicke-Schories, Verkehrsbeauftragter der Norderstedter Polizei. Die Autofahrer könnten Gas geben, weil sie wissen, dass aus der Gegenrichtung niemand kommen kann. „Wir haben die Risiken schon gemindert, indem wir die Straße zur Tempo-30-Zone gemacht und das alternierende Parken ermöglicht haben“, sagt Hauke Borchardt, Sprecher der Norderstedter Stadtverwaltung. Wenn die Straße nur in eine Richtung befahren werden kann, würden die Anwohner des dicht besiedelten Gebietes nicht mehr direkt zu ihren Häusern kommen, sondern müssten Umwege in Kauf nehmen. Zudem seien auf der westlichen Seite Metallbügel installiert worden, die verhindern, dass die Autofahrer auf den Fußweg ausweichen können.

Borchardt weist darauf hin, dass die Probleme, wie sie die Anwohner des Krummen Weges beschreiben, auch an vielen anderen Anwohnerstraßen in Norderstedt auftreten würden. Am Alten Heidberg zum Beispiel, der als Abkürzung zwischen Ulzburger Straße und Waldstraße genutzt werde, an der Straße Am Böhmerwald, im Bereich Scharpenmoor/Schillerstraße. „Aber auch am Mühlenweg gibt es immer wieder Konflikte, weil Autofahrer vor Baumnasen nicht warten wollen, beschleunigen und so entgegenkommende Fahrzeuge gefährden“, sagt Hädicke-Schories. Der Krumme Weg sei alles andere als ein Unfallschwerpunkt, sodass die Polizei wie die Stadtverwaltung keine Notwendigkeit sehe, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings sagt die Verkehrsaufsicht in einer Antwort auf das Schreiben der Anlieger zu, die Forderungen zu prüfen.

Dennoch kommt das Protestschreiben der Verwaltung durchaus gelegen, ist es doch ein weiteres Argument für den Wunsch der Stadt, den Verkehr im Stadtgebiet in Eigenregie überwachen zu können. Bisher ist der Kreis Segeberg dafür zuständig. Doch die „Blitzer“ lassen sich einfach zu selten in Norderstedt blicken. Diese Lücke will die Stadt schließen, indem sie die Autofahrer mit eigenen Radar-Anlagen kontrolliert. Zwar hatte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie (MWAVT) Anfang des Jahres gegenüber dem Abendblatt bestätigt, dass die Verkehrsüberwachung auf die Stadt übergehen soll. „Bisher ist allerdings keine endgültige Entscheidung gefallen“, sagt Rathaussprecher Borchardt. Er will nun das Schreiben der Anlieger nach Kiel und Bad Segeberg schicken, damit sich das Ministerium und der Kreis damit auseinandersetzen, denn: „Wenn wir selbst kontrollieren dürften, könnten wir auch am Krummen Weg aktiv werden“, sagt Borchardt.