Norderstedt
Kreis Segeberg

Jede dritte Landesstraße ist marode

Land muss jedes Jahr 90 Millionen Euro für Sanierungen ausgeben, sonst wird die Lage dramatisch

Kreis Segeberg. Der Zustand der Landesstraßen in Schleswig-Holstein ist schlecht. Knapp ein Drittel aller Straßen gilt als marode und dringend sanierungsbedürftig. Experten haben berechnet: Wenn das Land nicht jedes Jahr 90 Millionen Euro für die Sanierung ausgibt, dann wird sich die Lage drastisch verschlechtern. Doch das Land gibt 2014 gerade mal 25 Millionen Euro für Straßenerneuerungen aus.

In einer Prioritätenliste führt das Land alle stark beschädigten Straßen, die bis 2017 saniert werden sollen, weil sie stark befahren und wichtig für den Wirtschaftsstandort sind oder weil sie eine wichtige Netzfunktion erfüllen. Beides trifft für die Schleswig-Holstein-Straße zu. Die Landesstraße 284 wird auf einem 4,8 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Knotenpunkt Harckesheyde und der Ulzburger Straße von kommendem Montag an grundsaniert. Ganz oben in der Prioritätenliste steht die L 284 auch, weil der Landesbetrieb Verkehr die Sanierung vor dem im kommenden Jahr beginnenden sechsstreifigen Ausbau der Autobahn 7 erledigen möchte.

Mit dem Beginn der Herbstferien starten am Montag, 13. Oktober, um 6 Uhr die Bauarbeiten zwischen dem Knotenpunkt Harksheider Straße und der Ulzburger Straße. Der Abschnitt bleibt eine Woche lange bis zum 19. Oktober voll gesperrt. Die Kreuzungen Oststraße/Beim Brüderhof und Henstedter Weg/Norderstedter Straße werden nicht passierbar sein. Der Verkehr zur Oststraße muss über die Harckesheyde laufen, die Zufahrt zur Harksheider Straße ist ebenfalls frei. Das ändert sich ab dem 19. Oktober, wenn der Abschnitt südlich des Knotenpunktes Harckesheyde bis zum Knotenpunkt Harksheider Straße gesperrt sein wird. Dann werden aber die Knotenpunkte Oststraße und Henstedter Weg wieder befahrbar sein.

Nicht einfach wird die Situation für Autofahrer, die aus Henstedt-Ulzburg kommen oder dort hin wollen. Denn gleichzeitig wird die Hamburger Straße (L 326) zwischen den Ortsein- und -ausgängen saniert. Der Bereich vor dem Rathaus ist wieder befahrbar, derzeit wird der nördliche Teil bis zur Kreuzung Gutenbergstraße saniert, so dass die Hamburger Straße zwischen Reumannstraße und Gutenbergstraße bis Mittwoch, 15. Oktober, nicht passierbar ist. Am Donnnerstag, 16. Oktober, beginnen die Arbeiten zwischen dem südlichen Ortseingang und Falkenstraße/Suhlenkamp. Bis Sonntag, 26. Oktober, bleibt dieser Abschnitt gesperrt.

Die Buslinien in der Gemeinde werden über Kranichstraße, Amselstraße, Galgenweg, Habichtstraße und Neuer Damm umgeleitet. Die Haltestellen an der Hamburger Straße zwischen Habichtstraße und Kranichstraße werden nicht angefahren.

Problematisch ist die Straßensperrung auch, weil am kommenden Donnerstag das City Center Ulzburg (CCU) eröffnet wird. Betreiber und Geschäftsleute erhoffen sich ein starkes Verkehrsaufkommen, die Gemeinde befürchtet ein Verkehrschaos in den ersten Tagen nach Eröffnung des Centers. Die völlig marode Hamburger Straße wird vom Land saniert, weil sie von einer Landes- zu einer Gemeindestraße herabgestuft wird. Die Gemeinde Henstedt-Ulzburg wollte das „Geschenk“ nur annehmen, wenn vorher die Fahrbahn erneuert wird.

„In letzter Zeit hat das Land hier im Süden einiges getan, nachdem vorher vor allem Straßen im Norden saniert wurden“, sagt Claus-Peter Dieck, Fraktionschef der Segeberger Kreis-CDU und stellvertretender Landrat. Dennoch sei es nicht akzeptabel, dass sich das Land Schritt für Schritt aus der Infrastruktur verabschiede.

Gute Straße seien Standortfaktoren und wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung. Das Land ziehe sich auch aus der Förderung der sogenannten Gemeindeverbindungswege zurück. Das bedeute mehr Lasten für die Städte und Gemeinden und stelle manches Dorf vor erhebliche Finanzierungsprobleme.

Die Landesstraße 75 hat es nicht nach ganz vorn in die Prioritätenliste geschafft, was viele Menschen in Nahe kaum verstehen dürften. Lärm, Schäden an den Häusern und Raser – die Wakendorfer Straße (Landesstraße 75) beeinträchtige die Lebensqualität zunehmend, sagen die Betroffenen (das Abendblatt berichtete). Und doch soll die Straße laut Prioritätenliste erst 2016 saniert werden.