Norderstedt
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Erfolgsmodell Nachbarschaft

Das Netzwerk Norderstedt floriert. Die Gruppe Garstedt hat viel Spaß zusammen und hilft sich gegenseitig

Norderstedt. Gewusel. Getuschel, Gerenne – es geht zu wie in einem Bienenhaus oder einem Kindergarten. Doch diejenigen, die hier so aktiv sind, stehen eher auf der anderen Seite des Lebens. Spätes Mittel- bis junges Seniorenalter klassifiziert die Männer und Frauen, die einen Teil des Netzwerks Norderstedt (NeNo) gesponnen haben. Die Gruppe Garstedt besteht ein Jahr und trifft sich, um den Geburtstag zu feiern. Da ist die Aufregung größer als sonst, der NeNo-Chor muss noch proben, Dieter sich noch umziehen, noch sind nicht alle Tische im Gemeinderaum der Christuskirche gedeckt, dabei hat sich doch Stadtpräsidentin Kathrin Oehme angesagt, die die Glückwünsche der Stadt überbringen wird.

Die Garstedter sind eine von acht Nachbarschaftsgruppen, die inzwischen in Norderstedt existieren (s. Info-Kasten). Vor drei Jahren fiel der Startschuss. Ziel war, die Menschen aus zunehmender Einsamkeit herauszuholen, Nachbarschaft, wie sie früher ganz selbstverständlich funktionierte, wieder zu beleben. Wer dicht beieinander wohnt, kann sich gegenseitig helfen und gemeinsam Spaß in der Freizeit haben, lautete das Motto der Initiatoren. „Inzwischen ist das Netzwerk eine echte Erfolgsgeschichte“, sagt Barbara Matthies, die das Gemeinschafts-Projekt für das Diakonische Werk im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein koordiniert und natürlich das Einjährige in Garstedt mitgefeiert hat.

Motor und Gruppenleiterin ist Ingrid Metzmacher. „Ich habe im Hamburger Abendblatt gelesen, dass eine Gruppe in Garstedt gegründet werden soll. Ich fand, das war eine tolle Idee und habe mich spontan, wie ich bin, als Leiterin gemeldet“, sagt die ehemalige Schauspielerin. Sie sah die Chance, nun zu verwirklichen, was sie bisher allein nicht anpacken wollte: „Ich wäre so gern zum White Dinner gegangen, hatte aber niemanden, der mit wollte“, sagt die quirlige Seniorin. Inzwischen hat sie ihren Traum erfüllt und hat mit der Gruppe ganz in Weiß und mit viel Vergnügen im Norderstedter Stadtpark diniert. Auch dem Stadtpark in Winterhude haben die Garstedter einen Besuch zum 100. Geburtstag abgestattet.

„Als sich eine Leiterin gefunden hatte, haben wir rund 2000 Garstedter im Alter von 55 und älter angeschrieben“, sagt Barbara Matthies. 80 kamen zum ersten Treffen vor etwa einem Jahr, gut 30 sind dabei geblieben. „Meine Frau ist im vorigen Jahr gestorben, und allein zu Hause sitzen wollte ich nicht“, sagt Dieter Skade. Er hat mal vorsichtig bei den Netzwerkern den Kopf durch die Tür gesteckt – und ist gleich geblieben, hat Freunde gefunden und ein Programm, dass die Zeit strukturiert. Christel und Achim Welk waren beruflich nach Hamburg orientiert, sie hat dort gekegelt. Mit dem Ruhestand kam die Rückbesinnung auf ihren Wohnort, doch die wenigen Nachbarn wechselten ständig. Auch die beiden sind Ingrid Metzmacher ins Netz gegangen. Christel hat die Lust Kegeln mitgebracht und gleich eine Gruppe aufgebaut.

In dem einen Jahr haben die Männer und Frauen von „NeNo Garstedt 1“ viel auf die Beine gestellt. Ingrid Metzmacher hat Kultur verordnet, ihre Mitstreiter ins Theater mitgenommen. Fahrradtouren beispielsweise zur Wulfsmühle im Nachbarkreis Pinneberg stehen auf dem Programm, die Nachbarn, die einander neu entdeckt haben, sind zum Kurztrip nach Potsdam aufgebrochen, in die Lüneburger Heide, nach Glückstadt, Thüringen und ins Alte Land gefahren. Sie spielen sehr gern Poch, wie Dieter sagt, ein altes Spiel, eine Mischung aus Pokern und Rommé. Es gibt Literatur-Nachmittage und Dia-Vorträge, der Chor probt regelmäßig, der Nabu war zu Gast, und auch die Stadtpräsidentin hat sich schon ein Bild von der fröhlichen Gruppe gemacht.

All das macht nicht nur Spaß, sondern bildet auch Vertrauen. Das wiederum ist nötig, damit auch die Hilfe klappt, beispielsweise, wenn Ingrid Metzmacher Achim Welk in ihre Wohnung lässt, damit er ihren PC repariert. „Auch dieser Teil der Nachbarschaft funktioniert prima“, sagt die Chefin. Es finde sich immer jemand, der einen Nachbarn spontan zum Zahnarzt fahre, Bäume beschneide, ein Mobiltelefon erklärt, das Fahrrad repariert, den kranken Partner betreut, während die Frau zum Shoppen geht, oder auch nur mitkommt zum Eisessen. Die Zeit renne, sie sei atemlos durch das Jahr gehetzt.

Mehrmals im Monat treffen sich die Garstedter, jeden ersten Montag im Monat zum Kegeln, jeden ersten Freitag im Monat zum Chor und zum Info-Treff, jeden zweiten Montag zum Spielen und jeden dritten Mittwoch im Monat zum Themen-Nachmittag. Weitere Infos unter www.neno-norderstedt.de.