Norderstedt
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Fälle von Keuchhusten häufen sich

13 Menschen sind schon erkrankt, zehn allein in Norderstedt. Gesundheitsamt spricht von ungewöhnlich hoher Zahl

Norderstedt. Nach der Masernwelle im Frühjahr, die offenbar ihr Ende erreicht hat (s. Info-Kasten), kommt es jetzt im Kreis Segeberg zu einer ungewöhnlichen Häufung von Keuchhusten-Fällen. Seit Anfang Juli wurden dem Kreisgesundheitsamt 13 Erkrankte gemeldet, zehn davon in Norderstedt, die anderen in Henstedt-Ulzburg und einer weiteren Randgemeinde. „Das sind überdurchschnittlich viele Fälle für diesen kurzen Zeitraum. Die Summe entspricht etwa der Zahl der gemeldeten Fälle im Kreis Segeberg für das gesamte vergangene Jahr“, sagt Dr. Boris Friege vom Kreisgesundheitsamt. Betroffen seien ein acht Wochen alter Säugling, sieben weitere Kinder und fünf Erwachsene.

Zwar erkrankten überwiegend Erwachsene an Keuchhusten, nach den Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts sind mehr als zwei von drei Betroffenen im Erwachsenenalter, aber: „Gerade Säuglinge sind besonders gefährdet“, sagt Mediziner Friege. Die Krankheit, die im Gegensatz zu anderen Erkrankungen nicht auszurotten sei und auch nach durchlaufener Infektion lebenslang wieder auftreten könne, könne bei Säuglingen Atemstillstände, Lungenentzündungen und andere Komplikationen hervorrufen, die einen Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig machen oder sogar tödlich verlaufen könnten.

Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt und Tröpfchen

Die Gesundheitsaufsicht Segeberg ermittelt in jedem Fall, wie es zur Infektion gekommen ist. Bei fast allen Betroffenen fehlte der Immunschutz gegen den Keuchhusten-Erreger. „Keuchhusten ist eine hoch ansteckende, durch Bakterien verursachte Erkrankung der Atemwege. Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt mit einer infektiösen Person und durch Tröpfchenübertragung innerhalb eines Abstandes bis zu etwa einem Meter durch husten, niesen oder sprechen“, sagt der Mediziner.

Im Unterschied zu der weit verbreiteten Meinung trete Keuchhusten nicht nur im Winter, sondern ganzjährig auf, wobei es während der kalten Jahreszeit etwas häufiger zu Infektionen komme. Erkrankte sollten jeglichen Kontakt zu anderen meiden. Das gilt auch für die Grundschülerin, die ohnehin Ferien hat, und die beiden Kita-Kinder, die zu den 13 Erkrankten im Raum Norderstedt gehören.

Das Krankheitsbild sei gekennzeichnet durch quälende Hustenanfälle, teils mit Würgen und anschließendem Erbrechen, die häufig nachts auftreten. Der Husten sei hartnäckig, er könne sich wochen- oder sogar monatelang halten. „Keuchhusten kann durch frühzeitigen und vollständigen Impfschutz verhindert werden“, sagt Dr. Friege. Er empfiehlt allen, mit einem Blick in den Impfausweis festzustellen, wie lange die letzte Impfung zurückliegt. Ausreichende Abwehrkraft werde durch die allgemein übliche Grundimmunisierung, die im zweiten Lebensmonat beginnt, schrittweise bis zum Erwachsenenalter erreicht.

Der Impfschutz wird mit einem Kombipräparat aufgefrischt

Spätestens alle zehn Jahre sollte der Impfschutz aufgefrischt werden. Das geschieht in der Regel mit einem Kombinationsimpfstoff, den auch die Ständige Impfkommission empfiehlt. Bei einer solchen Impfung werden die Patienten gegen Tetanus und Diphtherie und eben gegen Keuchhusten immunisiert. Es gibt auch eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Anlass für die Kombi-Impfung können auch eine Verletzung oder eine Wunde sein, die einen Impfschutz gegen Tetanus erfordere. Bis der Impfstoff seine volle Abwehrkraft erreiche, würden einige Tage vergehen.

„Wer unsicher ist, sollte mit seinem Arzt sprechen, wann der Impfschutz aufgefrischt werden sollte. Angesichts der jetzt gehäuft auftretenden Fälle können wir allen nur dazu raten, um eine langwierige und quälende Erkrankung zu verhindern“, sagt der Arzt vom Fachdienst Gesundheit in der Kreisstadt.

Er sieht noch einen weiteren wichtigen Vorteil einer Immunisierung: Sind die Eltern geimpft, können sie noch nicht ausreichend immunisierte Säuglinge nicht anstecken und damit eventuell lebensbedrohliche Krankheitsverläufe von vornherein verhindern.