Norderstedt
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Monika Erler-Schönemann will sich nun erst mal langweilen

In unserer Serie Menschen in der Kirche stellen wir die langjährige Leiterin des Kindergartens der Kirchengemeinde Friedrichsgabe vor, die in den Ruhestand geht

Norderstedt. Ruhe. Darauf freut sich Monika Erler-Schönemann jetzt. Denn die 63-Jährige ist noch Leiterin des evangelischen Kindergartens in Friedrichsgabe – mit dem Ende des Kindergartenjahres Mitte Juli geht sie in den Ruhestand. Und der ist wörtlich zu nehmen, spielen doch derzeit noch an fünf Tagen in der Woche Kinder vor ihrer Tür. Da wird es oft laut.

Sie habe in den vergangenen Jahren gemerkt, dass sie damit immer weniger umgehen könne, sagt Erler-Schönemann. Lange Zeit habe sie das nicht wahrnehmen wollen. Und als vor zwei Jahren zwei langjährige Kolleginnen in den Vorruhestand gingen, konnte sie sich das für sich selbst noch gar nicht vorstellen. Aber das Jahr darauf reifte der Gedanke, dass es nun doch an der Zeit sei.

Ihr Entschluss, ein Jahr früher als regulär in Rente zu gehen, bedeute nicht, dass ihr die Arbeit keinen Spaß gemacht habe. Dabei hätte sie sich zu Beginn ihres Berufslebens nicht vorstellen können, in den Kindergarten zu gehen. Monika Erler-Schönemann arbeitete sechs Jahre in der Kinderpsychiatrie, nach der Geburt ihrer Tochter war der Schichtdienst im Kinderkrankenhaus aber nicht mehr zu leisten. Da kam die Stelle bei der Kirchengemeinde Friedrichsgabe gerade recht. Die 35 Jahre an der Spitze des Kindergartens hätten ihr viel Spaß gemacht, sagt sie heute. Ihr sei nie langweilig geworden. Morgens wisse man nie, was der Tage so bringe. Vielleicht hat sie sich auch deshalb für den Ruhestand nichts vorgenommen. „Ich möchte gern wieder wissen: Wie fühlt sich Langeweile an?“

Dass es nie langweilig wurde, liegt sicher auch an der rasanten Entwicklung in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten. Als Erler-Schönemann mit ihrer Arbeit begann, war der Kindergarten noch eine Spielstube. Die Mütter arbeiteten größtenteils noch nicht, sondern brachten ihre Kinder in die Gruppen, damit sie mit anderen Kindern spielen konnten. Das hat sich grundlegend geändert. Längst werden in Friedrichsgabe die Kinder fünf Tage in der Woche betreut, und seit Kurzem werden auch keine Kinder mehr für die Halbtagesgruppe aufgenommen. Damit jetzt 60 Kinder in den Elementargruppen und zehn in der Krippengruppe mindestens bis 14.30 Uhr betreut werden können, arbeiten neben der Leiterin elf Erzieherinnen in Friedrichsgabe. Dass es jetzt durch den Wechsel an der Spitze eine neue Leitung geben wird, schade nach so vielen Jahren sicher nicht, meint Erler-Schönemann. Ihr Nachfolger kennt die Abläufe in einem evangelischen Kindergarten, er arbeitet derzeit noch in Harksheide an der Falkenbergkirche.

Monika Erler-Schönemann stammt aus einer christlichen Familie, ihr Vater war Angestellter der Kirche. Da passt es auch, dass sie zehn Jahre lang im Pastorat an der Falkenbergkirche wohnte. Ihr zweiter Mann, Andreas Erler, war dort Pastor. Erler arbeitet seit heute als Seelsorger im Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus in Bargfeld-Stegen und geht erst in gut zwei Jahren in Rente. Für Monika Erler-Schönemann stehen viele Stunden alleine in ihrem Haus in Henstedt-Ulzburg an. Die Langeweile kann kommen.