Gewerbeansiedlung

Mit Tesa bekommt Norderstedt einen neuen Busfahrplan

900 neue Tesa-Pendler sind ein gutes Argument: Norderstedt verbessert die Busanbindungen zwischen Garstedt, Glashütte, den südlichen Gewerbegebieten, Langenhorn und Niendorf. Die Neuerungen im Überblick.

Norderstedt. Die Ankunft der 900 Tesa-Mitarbeiter in der neuen Unternehmenszentrale am Norderster Nordport wirft ihren Schatten voraus. Aufgrund der vielen neuen Pendler hat die Stadt Norderstedt eine ÖPNV-Umfrage in den Betrieben der Gewerbegebiete Nordport und Nettelkrögen und unter den neuen Tesa-Mitarbeitern gestartet. Das Ergebnis ist öffentlich und bringt vor allem eines mit sich: Einen vollkommen neuen Busfahrplan zwischen Garstedt, Glashütte, den Gewerbegebieten Nettelkrögen und Nordport sowie Niendorf und Langenhorn-Markt. Das hat der Norderstedter Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr einstimmig beschlossen. Ab dem 1. Juni 2015 soll so vor allem die Busverbindung zwischen Garstedt, dem Nordport und Niendorf besser werden. Bisher mussten hier oft lange Wartezeiten am Krohnstieg-Tunnel in Kauf genommen werden. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Die Buslinie 195 verkehrt künftig nur noch zwischen dem Bahnhof Pinneberg und der Haltestelle U-Bahn Niendorf-Nord. Der gesamte Linienabschnitt von Garstedt über den Krohnstieg-Tunnel bis zur U-Bahn Niendorf-Nord wird gestrichen.

Stattdessen wird die Linie 191 nun von Schnelsen über Grothwisch, Niendorf Markt und den Krohnstieg-Tunnel bis nach Garstedt fahren. Bisher war am Krohnstieg-Tunnel Endstation. Die Busse werden in einem 20/40/20-Minuten-Takt verkehren. Durch die beiden Maßnahmen sollen die lästigen Umsteigezeiten am Krohnstieg-Tunnel eingedämmt werden. Norderstedter können zudem an der Haltestelle Niendorf-Markt im 5-Minuten-Takt in die U 2 in Richtung der Hamburger Innenstadt umsteigen. Die Strecke zwischen dem südlichen Ende Norderstedts und Niendorf mit seiner Anbindung an die U 2 ist nur rund fünf Kilometer lang. Mit dem Auto war sie stets schnell zu bewältigen, durch die Änderungen am Fahrplan der beiden Linien könnte es bald auch mit dem Bus deutlich schneller gehen.

Darüber hinaus wird die Linie 193 nicht mehr über den Gutenbergring fahren, auch der Nordport wird wochentags ab 20.30 Uhr und sonntags ganztägig nicht mehr bedient. Dadurch werden die Fahrzeiten der Linien 193 und 191 zwischen Garstedt und Krohnstieg-Tunnel angeglichen, in der Hauptverkehrszeit fährt alle zehn Minuten ein Bus. Außerdem soll die bisher notorisch verspätete Linie 193 pünktlicher werden. Die Fahrt wird aufgrund der direkteren Streckenführung über die Niendorfer Straße zudem beschleunigt. Die Fahrgäste werden von Garstedt bis Langenhorn-Markt vor 20.30 Uhr ohne Umsteigen durchfahren können.

Die Linie 278 bekommt ebenfalls einen neuen Verlauf: Sie wird über die Haltestelle Schwarzer Weg fahren. So soll das Gewerbegebiet Nettelkrögen besser erschlossen werden. Auf Höhe Am Redder möchte die Stadt eine neue Haltestelle einrichten. Morgens und abends zu den Hauptverkehrszeiten wird alle 20 Minuten ein Bus fahren. Auch das Gewerbegebiet Glashütte wird künftig von der Linie 278 bedient und nicht mehr wie bisher von der 191. So können Pendler ohne Umstieg zwischen der U-Bahn-Ochsenzoll und dem Gewerbegebiet verkehren.

Die Linie 178 wird ebenfalls öfter fahren. So sollen vor allem die Verbindungen zwischen Garstedt und Glashütte-Markt – hier liegt das Arriba-Bad – sowie von Glashütte-Markt zum Alstertal-Einkaufszentrum verbessert werden.

Baudezernent Thomas Bosse zeigte sich hochzufrieden mit der neuen Regelung: „Wir finden es ganz wichtig, dass wir auf Basis einer systematischen Betrachtung die Anbindung der Gewerbegebiete und auch Glashüttes verbessern können.“ Tatsächlich erlaubt die Untersuchung einige detaillierte Einblicke in die Präferenzen der Mitarbeiter in den Gewerbegebieten. In der Umfrage bemängelte über 60 Prozent aller Befragten die schlechten Busverbindungen zwischen den U-Bahn-Haltestellen Langenhorn-Markt, Garstedt, Niendorf-Nord und dem Gewerbegebiet Nettelkrögen. Auch die Taktung der Buslinien zwischen Glashütte und Garstedt kritisieren die Befragten.

Die Umfrage wirft auch ein Schlaglicht auf die Haltung der Tesa-Mitarbeiter zum Umzug ihres Unternehmens. So lehnen 78 Prozent der Befragten einen privaten Umzug nach Norderstedt ab. Bisher steht die Unternehmenszentrale noch in Eimsbüttel, dementsprechend wohnt ein Großteil der Mitarbeiter in der näheren Umgebung. Unternehmenssprecher Reinhart Martin: Man darf nicht erwarten, dass Mitarbeiter mit Familie und langfristiger Lebensplanung direkt umziehen – nur weil das Unternehmen zehn Kilometer nach Nordern zieht.“ Trotz der zentralen Lage in Eimsbüttel nehmen bislang nur ein Viertel der Angestellten Bus oder Bahn. Immerhin: Nach dem Umzug nach Norderstedt erwägen sechs von zehn Mitarbeitern, überwiegend Busse und Bahnen zu nutzen.

Die Tesa-Ansiedlung ist für die Stadt Norderstedt ein großer Erfolg – auch finanziell. Einen Deal, nach der Ansiedlung Tesas im Gegenzug die Busanbindung zu verbessern, habe es aber nicht gegeben, so Bosse. „Tesa war natürlich ein Anlass für die Neuerungen. Für uns sind aber auch alle anderen Unternehmen wichtig.“

Die Kosten für die Umstellung trägt die Stadt Norderstedt. Sie belaufen sich auf 120.000 Euro im Jahr 2015 und zusätzlich ab 2016 jährlich 226.000 Euro. Für das Jahr 2015 werden die Kosten durch unvorhergesehene Einsparungen bei anderen Planungs- und Gutachterkosten finanziert.

Eine neue Pendel-Buslinie als direkte Verbindung zwischen dem Flughafen und dem Südportal wird es hingegen nicht geben. Damit stellt sich die Stadt dem ausdrücklichen Wunsch von Tesa entgegen. Baudezernent Bosse: „Es gibt keinen Bedarf für eine solche Flughafenanbindung. Die Beschleunigung der Fahrt zum Langenhorner Markt ist da viel wichtiger.“ Das deckt sich mit den Auskünften der Tesa-Mitarbeiter. 63 Prozent halten eine Flughafenanbindung per Pendelbus für unnötig. Tesa-Sprecher Martin ist von der Entscheidung der Stadtvertretung nicht begeistert. Die Verbindung sei weniger für Mitarbeiter als für Besuch von internationalen Tochtergesellschaften gedacht gewesen. Tesa werde deshalb weiter nach einer Lösung suchen.