Norderstedt
Kisdorf

Widerstand gegen Umbau der Wesselkreuzung

Kein Kreisel in Kisdorf: IG Verkehrsentlastung befürchtet mehr Lärm und Abgase

Kisdorf. Wenn es einen Evergreen gibt, ein Thema, das Kisdorfs Gemeindepolitiker und Bürger gleichermaßen seit Langem bewegt, dann wohl dieses. Es geht um die Frage, ob die sogenannte Wesselkreuzung – dort treffen sich die Kreisstraßen 23 und 97 sowie die Landesstraße 233 – umgebaut werden soll zu einem Kreisel. Die Argumente hierfür sind eigentlich schon lange ausgetauscht, der Zwist darüber aber augenscheinlich weiterhin aktuell. Denn die Diskussion hat neues Futter erhalten durch die Gründung einer „Interessengemeinschaft Verkehrsentlastung Kisdorf“.

Mit dabei sind örtliche Politiker, aber auch Bürger ohne Parteibindung. Einer der Sprecher ist Jörg Seeger, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes. „Es wird der Eindruck erweckt, der Kreisel wäre einhelliger Wunsch der Gemeinde. Das hat uns auf die Palme gebracht“, sagt er.

Dass sich die IG überhaupt formiert hat, ist auch die Reaktion auf ein Schreiben der beiden CDU-Landtagsabgeordneten Katja Rathje-Hoffmann und Volker Dornquast. Sie hatten sich schon im August 2013 an Wirtschaftsminister Reinhard Meyer gewendet. Unter anderem hieß es damals: „In Verbindung mit der prognostizierten Zunahme des Lkw- und Schwerlastverkehrs in Ost-West-Richtung von bis zu 50 Prozent bis 2015 wird Kisdorf zur Staufalle, wenn diese Ampelkreuzung nicht zeitnah durch einen Kreisverkehr ersetzt wird.“

Für die Interessengemeinschaft eine Fehleinschätzung. „Der Verkehr ist sicher. Stau gibt es nur zu Hauptverkehrszeiten. Und ein weiterer wesentlicher Punkt: Es gibt Fußgängerampeln“, so Jörg Seeger. Seine Vermutung: Die Nachbargemeinde Henstedt-Ulzburg möchte die Hamburger Straße entlasten und den Durchgangsverkehr auslagern. „Das sind hausgemachte Verkehrsprobleme von Henstedt-Ulzburg. Unser Bürgermeister Reimer Wisch bedient hier Fremdinteressen. Ein leistungsfähiger Kreisel macht die Durchfahrt durch Kisdorf attraktiv und erhöht das Verkehrsaufkommen.“

Dass Wisch den Kreisel möchte, ist kein Geheimnis. „Das ist seit Jahren bekannt“, sagt der Bürgermeister. „Alle Autos ballen sich an dieser Kreuzung. Das führt zu Umfahrungen durch anliegende Wohngebiete, vorbei an der Kirche und der Kita. Wir haben viele Beschwerden von Anwohnern erhalten. Nur eine verschwindende Minderheit ist gegen den Kreisel.“

Der CDU-Politiker verweist auf geltende Beschlüsse. Das letzte, folglich weiterhin gültige Votum für den Kreisel datiert vom 29. Mai 2008. „Die Planung ist schon seit 2007 fertig. Es gibt eine Mittelinsel, Zebrastreifen und Fahrbahnteilungen.“ Die veranschlagten Kosten: 417.000 Euro. Diese werden anteilig vom Kreis (51,2 Prozent) und dem Land (48,8 Prozent) getragen. Sanierungsarbeiten an den Fußwegen müsste hingegen die Gemeinde bezahlen.

Warum das Vorhaben indes noch nicht realisiert wurde, hat mehrere Gründe. Lange Zeit wollte das ansässige Autohaus Wessel, das der Kreuzung umgangssprachlich seinen Namen gegeben hat, eine für den Kreisel nötige Grünfläche nicht verkaufen. Die Geschäftsführung verlangte eine Zusicherung, dass Kunden die Firma während der Bauarbeiten problemlos erreichen könnten. Mittlerweile ist diese Garantie offenbar erfolgt, denn das betreffende Grundstück gehört bereits dem Land Schleswig-Holstein.

Rein formal hat darüber hinaus auch der Kreis Segeberg seine Mittel nicht bewilligt. Dies müsste über den Hauptausschuss geschehen. Die Interessengemeinschaft betreibt auf dieser politischen Ebene bereits Lobbyarbeit und hat alle Fraktionen im Kreistag angeschrieben. „Das Bewusstsein bei den Entscheidern soll wachsen“, sagt Jörg Seeger.

Ein erster Teilerfolg: Der Kisdorfer Verkehrsausschuss fasste einen Beschluss, der sich knapp mit fünf zu vier Stimmen gegen das Vorhaben ausspricht. Mehr als eine Empfehlung ist das allerdings nicht. Aber auch die Gemeindevertretung könnte am 11. Juni ein weiteres Mal über den Kreisel abstimmen. Die CDU dürfte mit ihren sieben Mandatsträgern geschlossen dafür sein. Bürgermeister Wisch geht generell nicht von einer Ablehnung aus. „Sonst wäre das Projekt tot.“ Denn auch wenn die Landesregierung rechtlich keine Zustimmung der Gemeindevertretung benötigt, so will der LBV den Kreisel nur bauen, wenn die Unterstützung vor Ort gegeben ist.