Norderstedt
Kämpfen wie im Jahr 798

Und am Ende gewinnen immer die Slawen

Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen: Die historische „Schlacht um Suentana“ lockte mehrere Tausend Besucher in den Erlebniswald Trappenkamp.

Daldorf. Es sind nicht viele Slawen vom Stamme der Abodriten, die am rechten Rand des Schlachtfeldes aufmarschieren. Ein kleiner Haufen nur, unterstützt von drei Reitern. Fürst Drasco, der die Slawen befehligt, schickt sie los: Wo sind die Sachsen? Diese haben sich auf der linken Seite des Schlachtfeldes im Wald versteckt. Normalerweise äst hier im Erlebniswald Trappenkamp das Dammwild. Nun aber soll die Schlacht um Suentana nachgestellt werden.

Seit knapp zwei Jahren haben die Organisatoren um Timo Ott, er stellt auf dem Schlachtfeld den Slawenfürsten Drasko dar, und Björn Bunz, er ist der Anführer der Sachsen, das Ereignis geplant. Nun sind Kämpfer, Handwerker und Händler aus ganz Deutschland, Polen, den Niederlanden, Dänemark, Österreich und Luxemburg zusammengekommen. Sie wollen dem Publikum eine möglichst geschichtsnahe Darstellung der Ereignisse aus dem Jahr 798 nach Christus liefern. Die Krieger tragen Gewänder und Schuhe des frühen Mittelalters. Da es noch keine Berufssoldaten gab, stellen sie meist einfache Bauern dar – mit unterschiedlichen Schildern, Gewändern und Waffen, einige tragen Helme.

Die Reiterei der Slawen hat beim ersten Mal keinen Erfolg. Offenbar sind die Sachsen noch nicht fertig, denn für die vielen Zuschauer sind sie gut durch die Bäume zu erkennen. Die drei Reiter aus Hessen und Thüringen kehren unverrichteter Dinge zurück und werden wenig später noch einmal losgeschickt. Es klappt noch nicht alles wie geplant, denn im Drehbuch, das alle Darsteller gelesen und verinnerlicht haben sollen, ist nur ein Erkundungsritt verzeichnet. Beim zweiten entdecken sie die feindlichen Kämpfer und reiten zum Hochsitz am Rand des Geheges, auf der der Sprecher dem Publikum das Geschehen erklären will, und machen Meldung.

Die Pferde stören sich weder an den vielen Menschen, die am Rande des Geschehens dem Spektakel folgen wollen, noch am Geschrei der Kämpfer. „Das müssen wir regelmäßig trainieren, auch gemeinsam mit der Infanterie“, hat Roderick Bundels vor der Schlacht erklärt. Der Hesse betreibt seit Jahren die mittelalterliche Reiterei und sitzt im historischen Gewand auf dem Rücken seines Pferdes. Die Ausbildung der kleinen und wendigen Pferde, die wie im Mittelalter das Stockmaß von 1,45 Meter nicht überschreiten, dauere eine Zeit.

Zunächst ist kein Sieger auszumachen

Als die Sachsen das Schlachtfeld betreten, kommen zunächst die Bogenschützen zum Einsatz. Es prasselt ein Pfeilhagel auf die Slawen darnieder, die sich im Schilderhaus verschanzen. Als die Pfeile verschossen worden sind, rücken die Truppen aufeinander zu. Die Sachsen scheinen in der Übermacht, aber nach den ersten Scharmützeln ist noch kein Sieger auszumachen. Noch liegen nur sehr wenige Gefallene auf dem Boden.

Das aber ändert sich, als die Reiter die Franken zur Verstärkung holen. 798 hatte Frankenkönig Karl der Große Soldaten zur Unterstützung der Slawen gesandt, nachdem die Sachsen nördlich der Elbe vorher seine Königsboten ermordet hatten. Nun sollte die Entscheidung bei der Schlacht auf dem Sventanafeld fallen. Unter diesem Namen ist die Schlacht in die Geschichtsbücher eingegangen, wo das Feld genau lag, weiß heute niemand. Wie möglicherweise auch damals sind es bei der Nachstellung die gut ausgebildeten fränkischen Krieger um Eburis, die die Schlacht entscheiden. Neben Slawenfürst Drasco ist er die zweite bekannte, historisch belegte Persönlichkeit auf dem Feld. Dargestellt wird er von Gawan Dringenberg aus Köln, der sich seit vielen Jahren mit der „gelebten Geschichte“ und dem Reenactment beschäftigt, nach dessen Regeln an diesem Wochenende die Schlacht um Suentana zweimal im Erlebniswald ausgefochten wurde. Er ist von der Szenerie begeistert. „Die Organisation hier ist ganz fantastisch. Die Schlacht selbst war nur sehr kurz, aber sie hat Spaß gemacht. Alles drumherum gefällt uns gut.“ Nach der Schlacht hat er im Lager mit seinen Mannen vom Projekt „Reges Fancorum“ wieder an einem einfachen Holztisch Platz genommen. Drauf stehen ein paar Weintrauben und einige Tonkrüge. Nicht nur die Schlacht, auch das Ambiente soll möglichst nah an der Geschichte sein. Hier bei „Eburis“ könnte der Besucher fast meinen, er befindet sich im 8. Jahrhundert.

Nach der Schlacht werden die Kämpfer gefeiert

Damals standen die Toten auf dem Schlachtfeld nach dem Kampf und der anschließenden Flucht der Sachsen jedoch nicht wieder auf – bei der historischen Schlacht waren es der Überlieferung zufolge mehr als 4000 allein unter den Sachsen. Nach der Darstellung der Schlacht sammeln sie sich hingegen und werden vom Publikum gefeiert. Organisator und Sachsen-Anführer Bunz, der im „richtigen Leben“ in Wahlstedt wohnt, ist zufrieden: „Es sah auf dem Feld sehr gut aus, hat viel Spaß gemacht, und ich glaube, auch für das Publikum sah es gut aus.“ Zwar sei die Schlacht sehr schnell vorbei gewesen, aber es sei ihnen gelungen, es so realistisch wie möglich zu gestalten.

Kollege Danny Zierling, der zuvor als sächsischer Bauer auf dem Feld gefallen war, zieht trotz einiger Absagen von Mitkämpfern vor der Schlacht ebenfalls ein positives Fazit, trotz des Wetters: „Wir sind das gewohnt, es ist eben ein Outdoor-Hobby.“ Und Erlebniswald-Chef Stephan Mense ist auch zufrieden: „Das hat klasse ausgesehen und passt perfekt zu diesem Ort.“ Ob es eine Wiederholung geben wird, sei aufgrund des hohen Aufwandes und der Kosten noch nicht klar.

Björn Bunz hingegen will auf jeden Fall noch einmal als Sachse um Suentana kämpfen – auch wenn er dann wieder verlieren wird.