Norderstedt
Boostedt

Bester Halt: Boostedt

Die kleine Station siegt beim landesweiten Test. Die AKN liegt mit ihren Bahnhöfen erneut vorn

Boostedt. Bei seinen Touren durch Schleswig-Holsteins Bahnhöfe hat Sven Jagdhuhn so ziemlich alles gesehen, was einen Bahnkunden nervt: verdreckte Warteräume, demolierte Fenster, veraltete Fahrpläne. Doch es geht auch anders: Alle 173 Bahnhöfe Schleswig-Holsteins hat Jagdhuhn vor wenigen Monaten unter die Lupe genommen, und bei einem einzigen fand der Bahnprofi keinen Mangel. Auf der Station Boostedt der Eisenbahngesellschaft AKN bei Neumünster stimmte alles: Sauberkeit, Sicherheit, Informationsangebot. Damit ist der kleine Bahnhof bei Neumünster, den täglich 250 bis 300 Fahrgäste nutzen, der beste Schleswig-Holsteins. „Hier war einfach nichts zu finden“, sagte er.

Regelmäßig ist Jagdhuhn mit seiner Agentur Bahnstadt im Auftrag der Landesverkehrsservicegesellschaft (LVS) unterwegs und schreibt für das Verkehrsministerium Qualitätsberichte. Zu seiner Ausrüstung gehören ein standardisierter Bewertungsbogen und eine kleine Kamera. Auch überfüllte Mülleimer und unverständliche Durchsagen führen zur Abzügen bei der Note.

Boostedt war diesmal top. Auf Platz zwei und drei folgen die Stationen Großenaspe und Kaltenkirchen-Holstentherme, die ebenfalls zum Netz der AKN gehören. Am anderen Ende der Skala stehen Schleswig und Lensahn, die ein Mangelhaft kassierten. „So eine schlechte Note mussten wir seit Jahren nicht mehr vergeben“, sagt Jagdhuhn über die Bahnhöfe des Branchenprimus Deutsche Bahn. Für Tornesch – ebenfalls eine DB-Anlage – gab es gerade noch ein Ausreichend.

Die AKN belegt traditionell Spitzenplätze bei den Untersuchungen

„In Schleswig sind die Kontrast- und Blindenleitstreifen großflächig zerbröckelt, sodass auf den Bahnsteigen zahlreiche Unebenheiten und Absätze entstanden sind“, heißt es in Jagdhuhns Bericht, der online auf www.nah-sh.de nachzulesen ist. „Außerdem war der Tunnel stark bekritzelt und beklebt.“ Weitere Mängel: Der Zuganzeiger an Gleis 3 war defekt, der Automat im Empfangsgebäude akzeptierte nur Kartenzahlung. Nicht gerade einladend sah es auch in Lensahn aus: Im Bahnhof fehlten sechs große Scheiben der Wartehalle, und zwei kleine Scheiben waren beschädigt. Der Wartebereich war verschmutzt, die Sitzbänke demoliert und Fahrkartenautomat defekt.

Die AKN belegt traditionell Spitzenplätze bei den Untersuchungen. Bei den vergangenen 25 Bahnhofsgutachten lag das Kaltenkirchener Unternehmer 18-mal auf dem ersten Platz vor den beiden Konkurrenten Deutsche Bahn und Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll (neg), die von Niebüll nach Dagebüll und ins dänische Esbjerg fährt.

Auch bei der Pünktlichkeit setzt sich die AKN deutlich von den Konkurrenten ab

„Die Bahnhöfe sind die Aushängeschilder des Unternehmens“, sagt AKN-Sprecherin Christiane Lage über die Qualitätsphilosophie des Unternehmens. Einmal pro Monat nehmen Mitarbeiter jeden Bahnhof unter die Lupe, prüfen, ob Uhren und Lampen funktionieren und ob die Schaukästen mit Fahrplänen noch intakt sind. Außerdem schauen die Lokführer nach dem Rechten und melden jeden Schaden sofort. „Wir sind ein Traditionsunternehmen, mit dem sich die Mitarbeiter identifizieren“, sagt Christiane Lage.

Einen weiteren Vorteil bei der Qualitätssicherung bietet die Struktur des AKN-Streckennetzes. Auf den Linien von Hamburg nach Norderstedt, Neumünster sowie von Henstedt-Ulzburg nach Elmshorn fahren die Triebwagen zumeist nur kleine, überschaubare Stationen an, von denen viele auf dem Land liegen.

„Auf dem Kieler Hauptbahnhof geht es etwas anders zu als bei uns“, sagt Christiane Lage. „Mit unseren Bahnhöfen haben wir es sicherlich leichter.“

Auch bei der Pünktlichkeit setzt sich die kleine AKN deutlich von dem großen Konkurrenten DB ab. Im März waren 98,66 Prozent aller Züge exakt nach Fahrplan.

Die Freude der 10,4 Millionen Fahrgäste, die jährlich einen AKN-Zug besteigen, dürfte allerdings getrübt sein, weil das Unternehmen immer noch betagte Dieseltriebwagen einsetzt, die weder behindertengerecht noch mit Klimaanlagen ausgerüstet sind.

Jahrelang konnten sich die Besitzer der Eisenbahngesellschaft – die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein – nicht zur Anschaffung eines neuen Fuhrparks durchringen. Erst im Sommer 2015 sollen die ersten neuen Fahrzeuge ausgeliefert werden. Dann sind einige AKN-Fahrzeuge fast 40 Jahre alt.