Norderstedt
Kreis Segeberg

Norderstedt auf Hamburger Niveau

Die LBS hat den Immobilienatlas für Hamburg und Schleswig-Holstein vorgelegt. Das Wohnen im Kreis wird teurer

Kreis Segeberg. Der Trend der vorigen Jahre setzt sich fort, das Wohnen im Kreis Segeberg wird teurer. Wer in Norderstedt neu bauen will, muss deutlich mehr investieren als vor einem Jahr. 2521 Euro kostet der Quadratmeter Wohnfläche aktuell, im Vorjahr lag der Durchschnittspreis noch bei 2065 Euro. Das ergibt sich aus dem Immobilienatlas der LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg. Danach sind die Neubaukosten im vorigen Jahr um 22,1 Prozent gestiegen. Nach wie vor rangiert Norderstedt damit im Spitzenfeld der Kommunen im Hamburger Umland und erreicht bei den Spitzenpreisen ganz locker Hamburger Niveau: In Einzelfällen geben Bauherren auch schon mal 3370 Euro pro Quadratmeter für ein neues Haus aus, gut 100 Euro mehr als im benachbarten Duvenstedt und 450 Euro mehr als in Langenhorn. Höher sind die Neubaupreise nur noch in Wentorf/Aumühle (2759 Euro) und in Ahrensburg (2757 Euro).

„Das liegt zum einen an Norderstedts bevorzugter Lage mit der unmittelbaren Nähe zu Hamburg. Zum anderen ist das Angebot knapp“, sagt Klaus-Günther Steinke, Sprecher der LBS. „Ein Normalverdiener kann sich einen Bauplatz in begehrten Lagen wie dem alten Dorf Garstedt oder im Bereich Wiesenstraße mit der Nähe zum Herold-Center kaum noch leisten“, sagt Olaf Korf vom Norderstedter Immobilienunternehmen Holger Hagemann. Der Immobilienkaufmann nennt Grundstückspreise von 250 bis 260 Euro pro Quadratmeter für diese Stadtbereiche. Hinzu kämen nochmals mindestens 150.000 Euro fürs Haus. Da sei man einschließlich Nebenkosten schnell bei 350.000 Euro.

Kräftig angezogen haben auch die Preise für neue Eigentumswohnungen. Laut LBS-Analyse kostet der Quadratmeter in Norderstedt durchschnittlich 2948 Euro, 170 Euro mehr als vor einem Jahr. „Rund ums Herold-Center werden auch schon mal Preise von 3500 Euro aufgerufen – und auch bezahlt“, sagt Matthias Preuß von Engel & Völkers. Es fehlten in der Stadt vor allem 1,5- bis 3-Zimmer-Wohnungen, möglichst barrierefrei.

Ältere Hausbesitzer tauschen ihr Haus gern gegen eine barrierefreie Wohnung

Dieser Trend bereitet auch Cornelia Handschuch Sorge. Die Gebietsleiterin der LBS in Norderstedt befürchtet aufgrund des demografischen Wandels der Gesellschaft, dass die Preise für barrierefreie Wohnungen weiter ansteigen werden. „In einem Neubau müssen die Käufer auch in Norderstedt mit einem Preis von 3000 Euro und mehr pro Quadratmeter rechnen“, sagt Handschuch. Vor allem ältere Hausbesitzer würden ihr Haus gern gegen eine barrierefreie Wohnung tauschen. Doch Wohnungen seien teurer als beispielsweise Reihenhäuser und Einfamilienhäuser.

Als aktuelles Beispiel nennt Handschuch Sigrid Kayser, 75, und Gerhard Kayser, 77. Das Ehepaar plante seit langer Zeit, aus dem Reihenhaus in eine barrierefreie Wohnung umzuziehen. Der klassische Fall: Die Kinder sind aus dem Haus, das schmal geschnittene Reihenhaus mit Treppen wurde immer unpraktischer. Für ihr Reihenhaus mit 90 Quadratmetern erzielte das Ehepaar Kayser einen Kaufpreis von 215.000 Euro. Die barrierefreie Wohnung mit 93 Quadratmetern im zweiten Stock eines zehn Jahre alten Hauses kostete 228.000 Euro. „Trotzdem sind wir froh über unsere Entscheidung, denn wir fühlen uns in der Wohnung mit dem zehn Quadratmeter großen Balkon sehr wohl“, sagen Kaysers.

Wegen der hohen Preise in Norderstedt weichen Bauherren und Käufer von Bestands-Immobilien nach Norden aus, suchen sich ihr Domizil in Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen oder Kisdorf. Die Folge: Auch hier ziehen die Preise an. 1857 Euro kostet der Quadratmeter Wohnfläche in Henstedt-Ulzburg in einem Haus, das schon länger steht. Vor fünf Jahren lag der Preis noch bei 1517 Euro. Wer in Kaltenkirchen in eine Bestands-Immobilie ziehen will, muss durchschnittlich 1759 Euro pro Quadratmeter ausgeben.

Das bedeutet einen Anstieg von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für das Hamburger Umland nennt der Immobilienatlas einen Preisanstieg von 5,8 Prozent und die verblüffende Erkenntnis, dass die Immobilienpreise in den Städten und Gemeinden um Hamburg herum kräftiger zulegen als in der Hansestadt selbst. Während innerstädtische Neubauten sogar um 2,9 Prozent im Preis gesunken sind, steht jenseits der Landesgrenze sogar ein sattes Plus von 8,7 Prozent in der LBS-Statistik. Sprecher Steinke erklärt diese Entwicklung auch damit, dass es in Hamburger Toplagen vereinzelt überzogene Preise gegeben habe.

Das stellen auch die Norderstedter Makler fest. In den letzten Monaten hätten die Preise auf dem Immobilienmarkt stagniert. „Zwar übersteigt die Nachfrage immer noch das Angebot, aber es wird uns nicht mehr alles aus der Hand gerissen“, sagt Immobilienkaufmann Olaf Korf. Viele hätten inzwischen gekauft, Kaufinteressenten seien besser informiert und nicht mehr bereit, jeden Preis zu bezahlen. Neben der Lage, schon immer ein entscheidendes Kaufkriterium, achteten Käufer zunehmend auf die Energie-Effizienz, zumal vom 1. Mai an eine strengere Energie-Einsparverordnung gelte.

Auch in Kaltenkirchen übersteigt die Nachfrage das Angebot an Immobilien. „Allerdings haben sich die Preise auf hohem Niveau eingependelt“, sagt Makler Frank Hoffmann. In den vergangenen zwei Jahren sei in der Stadt wenig gebaut worden, doch jetzt gehe es wieder richtig los. Das sei auch nötig, denn der Zuzugsdruck aus Hamburg sei enorm.

LBS-Mann Steinke geht davon aus, dass auch der momentan noch relativ unattraktive Norden des Kreises Segeberg einen kräftigen Immobilienschub bekommen könnte. „Wenn die Autobahn20 bis zur A7 fertiggebaut ist und die S-Bahn vom Hamburger Hauptbahnhof bis nach Kaltenkirchen fährt, wird das Wohnen wegen der dann guten Verkehrsanbindung auch nördlich von Kaltenkirchen attraktiv“, sagt Steinke. Bis es soweit ist, werde es allerdings noch Jahre dauern, und die, die auf die A20 warten, würden auf eine echte Geduldsprobe gestellt.